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Die Brau Union hat die Klimaneutralität im Visier © Brau Union Österreich
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Redaktion 30.09.2022

Die Brau Union hat die Klimaneutralität im Visier

Solarenergie, Gärwärme und Co.: Wie der heimische Biermarktführer Corporate Social Responsibility „lebt”.

••• Von Georg Sander

LINZ. Pandemie, Klimawandel, Ukraine-Krieg, Energiekrise: Unternehmen stehen heutzutage vor einer Vielzahl an Herausforderungen. Das betrifft auch die Brau Union, Österreichs größtes Brauunternehmen. Das menschliche Leid, das diese Themen auslösen, können heimische Unternehmen maximal lindern.

Ein Teilaspekt der sozialen Verantwortung ist es, sich mit Energieversorgung auseinanderzusetzen, das weiß Gabriela Maria Straka, Director Corporate Affairs & ESG Sustainability der Brau Union Österreich AG.

In der Premiere des von ­medianet neu entwickelten CSR Masterclass-TV-Formats mit CSR Guide-Herausgeber Michael Fembek werden die Besten der Besten präsentiert – und dargestellt, wie sie ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen und so ein Vorbild für andere Betriebe sein können. Dabei geht es nicht nur um technologische Fragen, wie sich zeigt.

Neben Solarenergie und Biogasen nutzt die Brau Union auch die Gärwärme beim Bierbrauen für das Gemeinwohl und ist dafür Energiepartnerschaften eingegangen. Etwa mit der EVN Wärme GmbH. Doch der Reihe nach, zuerst eine Bestandsaufnahme.

Viel Verbrauch, viel CO2

Im Mittelpunkt steht das Thema Energie bzw. wie diese erzeugt wird. Nicht erst seit der offensichtlich gewordenen heimischen Abhängigkeit von russischem Gas in Folge des Angriffs auf die Ukraine, sondern auch in Bezug auf das Klima braucht es ein Umdenken vonseiten der Politik, aber auch der Industrie. Die Brau Union ist Teil dieser Industrie, die einen hohen Bedarf an Energie hat – und sie geht mit gutem Beispiel voran. Denn wer über fünf Mio. hl Bier pro Jahr für 15 Marken und über 100 Sorten produziert, braucht eine Menge Energie. In Zahlen: 2006 noch betrug der Wärmebedarf 95,7 Gigawattstunden im Jahr, was dem Verbrauch von Sankt Pölten, einer Stadt mit knapp 60.000 Einwohnern, entspricht. Man produziert zudem 26.000 t CO2 pro Jahr.

Die Geschichte

Die Größe des Unternehmens ergibt sich aus dessen Geschichte. Die Brau Union Österreich AG als aktuell größtes heimisches Brauunternehmen wurde im Jahr 1998 aus einer Fusion zwischen der Brau AG und der Steirerbrau gegründet. 2003 kam dann noch die Brauerei Schladming dazu, und im selben Jahr wurde gemeinsam mit Heineken mit Sitz in Amsterdam der CEBRA-Partnerschaftsvertrag unterzeichnet, der die strategische Partnerschaft regelt. Das Headquarter für die Leitung des Zentraleuropageschäfts mag sich in Amsterdam befinden, von Linz aus aber wird die Produktion gelenkt.

„Unsere Strategie heißt seit Jahren: Bis 2030 komplett CO2-neutral produzieren”, sagt Gabriela Maria Straka, „2040 soll die gesamte Wertschöpfungskette so weit sein.” Die Brauerei Göss setzt etwa auf alternative Stromquellen und komme bereits jetzt ohne Kompensation mit natürlichen Ressourcen und alternativer Energie aus.

So geht man es an

Ein national und international ausgezeichnetes Projekt, die „grünste Brauerei Österreichs”, wie man sie bei der Brau Union gerne bezeichnet, liegt im gleichnamigen Leobener Stadtteil – und in bester „grüner” Nachbarschaft.

„Wir sind Bierbrauer – darum braucht es Partner”, so Straka. Der erste Partner ist quasi ums Eck; mittels Fernwärme liefert der Holzverarbeiter Mayr-Melnhof mehr als die Hälfte der grünen Energie. Hinzu kommen noch Solarenergie am eigenen Gelände in Göss sowie der Biertreber. Das Nebenprodukt im Brauprozess wird vergast und in der Produktion verwendet. „Den Überschuss speisen wir in das öffentliche Netz ein.” Einfach auf alle Standorte umlegbar sei dies nicht, jede Produktion hat ein anderes Umfeld, Geruch und Lärmbelästigung spielen auch eine Rolle.

„An anderen Orten als Göss arbeiten wir zum Beispiel mit Pellets oder Wärmepumpen, um die Abwärme zu nützen, die im Sudhaus jeder Brauerei entsteht”, führt Straka aus. In Schwechat etwa heizt die dortige Brauerei einen ganzen Stadtteil. Gemeinsam mit der EVN wird bisher nicht benötigte Abwärme aus dem Brauprozess in Wärme für 900 neue Wohneinheiten verwandelt.

Wie funktioniert das? Beim Gärungsprozess wird die Wärme entzogen, um das Bier zu kühlen, bisher wurde sie in die Umgebung abgegeben, ein Prozess, der noch dazu Energie verbraucht. Mit der Wärmepumpe können nun mit dem Einsatz einer Kilowattstunde Strom 3,5 Kilowattstunden Wärme zur Verfügung gestellt werden. (Details siehe Kasten)

Notwendigkeit und Mut

Diese Maßnahmen müssen sich allerdings einerseits rechnen, andererseits sind sie notwendig. „Wir müssen das aber wie jedes Unternehmen berechnen, es muss sich auszahlen.” Durch die EU-Taxonomie-Verordnung sowie die CO2-Besteuerung ist dies ebenfalls eine große Aufgabe für das Unternehmen. Alleine mit der grünen Brauerei Göss spare man rund 4.000 t CO2 im Jahr, von der eingangs erwähnten Summe müsse man zudem 7.000 t abziehen, da dies in der Logistik entsteht – auch hier müsse man ansetzen. Biertreber könnten mittels Biogas eigene Geräte bewegen, auch als Dünger eignet sich das Nebenprodukt: „Wir sparen so nicht nur CO2, sondern binden mehr, als wir verbrauchen. Somit werden wir sogar CO2-positiv.”

Investitionen in die Zukunft sind gut, aber eben dennoch Investitionen. Die ersten Berechnungen 2016 gingen laut Straka von einem Amortisationszeitraum von 15 Jahren aus, „man muss sich das für die Standorte gesondert ansehen”. Aber es müsse ohnehin sein – egal für welche Maßnahme gilt es, zusätzlich zu den Bewilligungen auch die Bedenken der Anrainer und die Bauern, die Biertreber beziehen, einzubeziehen: „Auch das muss man genau ausrechnen, ob sich das alles ausgeht.”

Schwieriger als die Standorte gestaltet sich der Bereich Logistik. Um die gesamte Wertschöpfungskette abzudecken, müsse man beide Felder abbilden. Schließlich sei man bei externem Bezug auch auf den Markt angewiesen. Das produzierte Biogas wiederum soll die eigenen Lkw antreiben, dazu wolle man in elektrisch oder mit Wasserstoff betriebene Nutzfahrzeuge investieren. „Da müssen wir uns allerdings herantasten”, so Straka. „Wir haben den Fahrplan und wollen den Green Deal auf europäischer Ebene unterstützen.” Klar sei, dass Mut dazu gehört.

Neue Geschäftsmodelle

Es gehe aber bei Nachhaltigkeit nicht nur ums Sparen; für die Brau Union ist es auch wichtig, sich mit neuen Geschäftsmodellen zu befassen. „Bier ist ein Grundnahrungsmittel, Restprodukte kann man weiterverwenden; den kalium- und proteinhaltigen ‚Schlamm' können wir verfeinern und für die Humusaufbereitung verwenden”, führt sie aus.

Diese Beispiele aus der größten österreichischen Brauerei zeigen, dass Produktion und Nachhaltigkeit bestens verbunden werden können. Die Prozesse sind auf andere Bereiche umlegbar. Wo Wärme entsteht, kann diese verwendet werden, etwa bei Kläranlagen. Hierbei kann Biogas gewonnen werden. Die Betriebe müssten sich zunächst auf jeden Fall informieren, welche Möglichkeiten es an noch ungenutzten Potenzialen gibt und wie Energie- bzw. Wärmegewinnung im näheren Umfeld des Standortes umsetzbar sind.

Abschließend hat Gabriela Maria Straka noch einen guten Tipp auf Basis ihrer Erfahrung in der Umsetzung: „Es ist wichtig, von Anfang an mit den Anrainern in Kontakt zu kommen.” Denn eines sei klar: Die Herausforderungen der Zeit können nur gemeinsam bewältigt werden.

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