„Die Spielregeln verändern sich“
© Handelsverband/Katharina Schiffl (2)
Peter Umundum (Österreichische Post), Rainer Will (HV), Gero Furchheim (eCommerce Eu­rope) und Harald Gutschi (Otto Österreich, v.l.).
RETAIL Redaktion 19.06.2026

„Die Spielregeln verändern sich“

Beim eCommerce Day 2026 standen die Auswirkungen von KI-Tools auf Handel und Konsument im Fokus.

WIEN. Auch heuer fanden wieder rund 300 geladene Gäste den Weg zum eCommerce Day in der Ariana in der Seestadt Aspern – und nutzten den Kongress, um über die zentralen Herausforderungen und Chancen im Onlinehandel zu diskutieren – mit dabei u. a. Vertreter von eCommerce Europe, Temu, Otto, Niceshops, Lagerhaus und Post.

„Der E-Commerce befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Künstliche Intelligenz verändert die Customer Journey, neue Plattformmodelle verschieben Marktanteile, der internationale Wettbewerb wird intensiver, während unsere Regierung in Österreich innovative heimische Unternehmen und deren Beschäftigte mit neuen Steuern unter Druck bringt“, erklärte HV-Geschäftsführer und Gastgeber Rainer Will in seiner Ansprache. Umso wichtiger sei es, „dass Europa die richtigen Rahmenbedingungen schafft, damit Innovation, Wettbewerb und Fairness künftig Hand in Hand gehen und nationale Irrwege vermieden werden.“

Hoher Auslandsabfluss
Laut Wolfgang Ziniel von der KMU Forschung Austria sind die E-Commerce-Ausgaben der Österreicher im letzten Jahr um drei Prozent auf 12,3 Mrd. €  gestiegen. Beim Smartphone-Shopping betrug das Plus sogar 32%. Bereits ein Zehntel der Ausgaben entfallen auf chinesische Anbieter, insgesamt fließen 47% des Einkaufsvolumens ins Ausland ab.

„Die aktuellen Zahlen zeigen, wie dynamisch sich der digitale Handel entwickelt. Gleichzeitig sehen wir, dass mittlerweile bereits 1,3 Mrd. € in Richtung China abfließen. Das unterstreicht, wie wichtig faire Wettbewerbsbedingungen und die Stärkung heimischer Anbieter sind“, so Will.

Zu den Eventhighlights zählte eine Keynote von Journalist Dirk von Gehlen, der die Frage erörterte, wie sich Konsumverhalten, Produktsuche und Kaufentscheidungen verändern, wenn KI zunehmend selbst zum Einkaufsassistenten wird. Von Gehlens Resümee: Die Spielregeln verändern sich – und es gilt, die zur Verfügung stehenden Mittel „ohne Anspruch auf Perfektion“ im eigenen Unternehmen anzuwenden. In von Gehlens Worten: „Lerne mit dem zu kochen, was gerade im Kühlschrank ist!“

Temu am Podium
Spannend: Mit Leonard Klenner fand sich erstmals ein Vertreter der umstrittenen Fernost-Plattform Temu, der sich einer öffentlichen Diskussion mit Petra Leupold vom VKI sowie Harald Gutschi von Otto AusZtria stellte. Klenner betonte trotz der Verhängung einer Geldbuße von 200 Mio. € durch die Europäische Kommission vor zwei Wochen, dass Temu alle Ziele der EU-Gesetzgebung teile und u.a. an Compliance-Verbesserungen arbeite. Leupold und Gutschi erkannten zwar Fortschritte an, sahen aber beide das Ziel bei weitem noch nicht erreicht. (red)

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