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In der Krise wird nicht geschleudert © APA/Helmut Fohringer

„Wir brauchen faire Partnerschaften über alle Beteiligten der gesamten Produktions- und Wertschöpfungskette, bis hin zum Tourismus”, fordert AMA-Marketing-Chef Michael Blass.

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„Wir brauchen faire Partnerschaften über alle Beteiligten der gesamten Produktions- und Wertschöpfungskette, bis hin zum Tourismus”, fordert AMA-Marketing-Chef Michael Blass.

Redaktion 15.05.2020

In der Krise wird nicht geschleudert

Laut RollAMA sind Aktionsanteile in den Supermärkten in Zeiten des Lockdowns deutlich zurückgegangen.

••• Von Christian Novacek

WIEN. „Es gab keinen Run auf die Diskonter. Der LEH hat 12,9 Prozent zugelegt, die Diskonter 12,4 Prozent”, liefert Michael Blass, Geschäftsführer der AMA-Marketing, eine tendenziell unerwartete Erkenntnis aus den seit wenigen Tagen vorliegenden RollAMA-Marktdaten für das erste Quartal 2020.

Einschränkung: Die RollAMA fokussiert naturgemäß auf Fleisch, Milch, Obst, Gemüse und Co – bildet also nicht das gesamte Spektrum des Sortiments im LEH ab. Bezogen auf die Frischebereiche, sticht nun hervor, dass die in den ersten Wochen der Coronakrise und kurz vor ihrem Ausbruch offenbar weniger oft zum Aktionspreis verkauft wurden. Inwieweit das von den Händlern gesteuert war oder ob es mehr an den Konsumenten lag, denen der Preis ob des bevorstehenden Lockdowns nicht so wichtig war, das sei aus heutiger Perspektive eine Frage zwischen „Henne und Ei”.

Ausgeschleudert?

Aber: Der deutliche Rückgang des Aktionsanteils nach Mitte März spreche dafür, dass „die Schleuderei von Lebensmitteln in Krisenzeiten etwas ist, was man als moralisch bedenklich empfindet”, so Blass. Zu einer von Außenstehenden öfters deklamierten Verteuerung von Lebensmitteln sei es aber auch nicht gekommen. Laut AMA-Marktforschungsleiterin Micaela Schantl seien die Preise lediglich um 1,4% gestiegen. Der LEH habe auf Qualität und gute Lebensmittel gesetzt - eben anstatt einer „Preisschleuderei”.

Und was wurde nun in der Krise gekauft? Altbewährtes: „Produkte zum Einlagern, zum Kochen und zum Einfrieren wie Huhn oder Faschiertes haben am meisten gewonnen”, sagte Schantl. Ein paar „fast totgesagte” Waren wie Sauerrahm oder Schmelzkäse erlebten eine Renaissance, ebenso Ravioli aus der Dose und Packerlsuppen.
Erstaunlich stabil blieb überdies der Bioanteil nach dem Lockdown, nämlich im März bei konstant 9,9%.

Problemfall Gastronomie

Trotz der guten Zuwächse im LEH (siehe Grafik) fehlte die Gastronomie als Abnehmer. Etwa ein Viertel der Umsätze bzw. Wareneinsätze entfallen auf Gastronomie und Hotellerie. Besonders betroffen war Frischfleisch, denn rd. die Hälfte davon wird außer Haus konsumiert.

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