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Marktkonzentration im LEH steigt © Panthermedia.net/Adisa
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Redaktion 01.04.2016

Marktkonzentration im LEH steigt

Wifo-Studie: Marktkonzentration im heimischen LEH steigt seit der Zielpunkt-Insolvenz, und der Oligopolmarkt fördert den Missbrauch marktbeherrschender Stellungen.

WIEN. Die Zielpunkt-Pleite hat zu einem beträchtlichen Anstieg der in Österreich ohnehin hohen Marktkonzentration im Lebensmittelhandel geführt, lautet das Ergebnis einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) über den österreichischen Handel. Der Effekt auf die Marktmacht der verbliebenen Anbieter ist aus Sicht der Studie groß, obwohl Zielpunkt nur drei Prozent Marktanteil hatte.

„In den letzten Jahren festigte sich die Marktposition der Marktführer in Österreich (Rewe International AG, Spar Österreichische Warenhandels-AG, Hofer KG, Lidl Österreich GmbH) wegen der Verringerung der Ladendichte, und die Marktkonzentration erhöhte sich weiter. Dieser Trend wird durch die Insolvenz der Zielpunkt GmbH Ende 2015 und den damit verbundenen Marktaustritt von Zielpunkt beschleunigt, zumal die Marktanteile von Zielpunkt zu einem großen Teil den vier Marktführern zufallen werden”, heißt es im Bericht.
„Die Übernahme von Vermögenswerten der Zielpunkt GmbH durch andere Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels ist kein horizontaler Unternehmenszusammenschluss im herkömmlichen Sinn”, so der Bericht. Denn Gegenstand der Übernahme ist nicht das insolvente Unternehmen (oder Teile davon), sondern bloß einzelne Standorte, „nicht aber das Warenlager oder das Geschäftslokal, das durchwegs von Zielpunkt selbst nur angemietet war”.

Österreich hat präventiv versagt

Nach der Zielpunkt-Insolvenz würde sich am engen Oligopolmarkt mit vielen Nachfragern und wenigen Anbietern eine Konstellation ergeben, „die den Missbrauch marktbeherrschender Stellungen vielfältigster Art fördert”.

Österreich habe hier präventiv „vollständig versagt”. Es seien wettbewerbspolitische Versäumnisse der Vergangenheit, die eine derartig hohe Marktkonzentration überhaupt erst ermöglichten, heißt es im Bericht. Auch sei das Kartellgesetz zu spät an die EU-Standards angepasst worden.

Höhere Lebensmittelpreise

Die Studie nahm auch die Lebensmittelpreise unter die Lupe und kommt zu dem bereits bekannten Schluss, den die Arbeiterkammer (AK) immer wieder kritisiert, nämlich, dass Lebensmittel und alkoholfreie Getränke hierzulande im EU-Vergleich teurer sind. Einzig Dänemark, Schweden, Irland und Finnland hätten höhere Preise vorzuweisen. Alkoholische Getränke und Tabak seien hingegen „deutlich billiger als im Durchschnitt”.

Zahlungsbereitschaft

Dass Österreich höhere Lebens­mittelpreise als zum Beispiel Italien und Deutschland hat, führt das Wifo aber mehr auf höhere Steuern und Arbeitskosten zurück, als dass Spar, Rewe, Hofer und Lidl rund 80% des Handels besetzen.Österreicher seien außerdem bereit, für Produkte mit besonderen Attributen wie Frische, regionale Herkunft, tiergerechte Haltung und biologische Produktionsweise mehr zu bezahlen. „Milch ist deshalb im typischen Einkaufskorb in Österreich höherwertig (Vollmilch frei von Gentechnik, gekühlt, frisch und häufig biologisch produziert) als in Vergleichsländern (nicht gekühlte, konventionell produzierte Haltbarmilch in Packungen ohne Schraubverschluss)”, heißt es im Bericht.

Ein weiterer Grund für die höhreren Preise liege in der höheren Dichte an kleinen Filialen hierzulande. Einfluss auf die Preise habe aber auch der etwas geringere ­Anteil von Eigenmarken, der etwa 29% beträgt. In Deutschland nehmen Eigenmarken etwa 35% ein. (red)

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