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mAtthias ortner
christian novacek 03.04.2015

mAtthias ortner

Brauereien Im Lebensmittelhandel hält Ottakringer 6,5 Prozent Marktanteil; Steuerreform soll Kaufimpulse setzen

Neo-Ottakringer-Chef Matthias Ortner: „Das Wiener Original trifft den Geschmack aller Österreicher.”

Der neue Ottakringer-Chef will das Wiener Original sowohl im Export als auch in den Bundesländern stärker forcieren. Auch das Null Komma Josef soll in der Gastronomie – mit neuer Rezeptur – stärker reüssieren.

Wien. Neo-Ottakringer-Chef Matthias Ortner im medianet-Interview: Das Wiener Bier aus dem „16. Hieb” soll künftig auch den Nicht-Wienern schmecken.

medianet: Herr Ortner, worin wird sich Ihre Arbeit von der Ihrer Vorgängerin Christiane Wenckheim unterscheiden?Matthias Ortner: Christiane Wenckheim hat mir ein gut aufgestelltes Unternehmen hinterlassen, ich starte also unter guten Voraussetzungen. Ich selbst komme von der Handels- und Gastronomie-seite. Daher möchte ich auch mit Ottakringer eine konsequente Linie fahren. Und ich bin Salzburger – das heißt, ich sehe unsere Chancen mit einem Wiener Bier durchaus gesamtösterreichisch. Grundsätzlich gibt es zwischen Christiane und mir auf jeden Fall mehr Verbindendes als Trennendes, die Liebe zum Bier etwa und zur Biervielfalt teilen wir uns.medianet: Weil Sie sagen, dass Sie mehr aus Wien herausgehen – fällt das mit einem Wiener Original leichter?Ortner: Ich bin überzeugt, dass wir mit unserem Wiener Original den Geschmack von allen Österreichern treffen und überall Platz haben. Wenn wir damit neben dem jeweiligen örtlichen Biertyp stehen und eindeutig unterschieden werden kann, dass das Wiener Bier ist und das andere zum Beispiel das jeweilige regionale Märzenbier – dann haben wir eine Chance. Oder, aus der Export-Perspektive: Wenn künftig in Berlin jemand zu unserem Bier greift, dann deswegen, weil es typisch wienerisch ist.medianet: Was macht das Original originell?Ortner: Die Rezeptur ist über 100 Jahre alt und repräsentiert den Wiener Lagertyp. Dieser Biertyp hat in allen Ländern überlebt, nur nicht in Österreich ...medianet: Weil in Österreich das Märzen den Biergeschmack aller Biere gleichgeschaltet hat?Ortner: Unser Wiener Original trägt sicher dazu bei, dass sich das ändert. Das Tolle ist, dass wieder über unterschiedliche Biergeschmäcker diskutiert wird. Auch über Qualität wird geredet. Das schafft ein Bierklima, in dem Innovationen einen Platz haben. Für uns war das Wiener Original übrigens die beste Bierinnovation seit dem ‚Null Komma Josef'.medianet: Womit Sie ein Stichwort liefern: Um dem Mittagsbier zu alten Ehren zu verhelfen, haben die Brauereien einen Trend in Sachen alkoholfreies Bier initiiert. Wie sehen Sie das?Ortner: Das ist ein Boom, und wir entsprechen dem mit einer neuen Rezeptur bei unserem Null Komma Josef, die ab Mai verfügbar sein wird. Durch diese ist unser Alkoholfreies noch bieriger geworden. Technologisch gibt es auf dem Sektor alkoholfrei eine deutliche Weiterentwicklung: Das moderne alkoholfreie Bier hat 30 Prozent weniger Kalorien und wenn es dazu noch gleich schmeckt wie das normale Bier, ist das großartig. Das war unser Ziel für die Weiterentwicklung unseres Null Komma Josef.medianet: Biervielfalt, alkoholfreies Bier – wo bleiben die alten Trends ‚Radler und Bier für Frauen'?Ortner: Wir wissen, dass das klassische Märzenbier wie unser Ottakringer Helles nicht immer den Geschmack der Frauen trifft. Hier ist Wiener G’mischte eine ideale Alternative. Es ist runder und weicher, auf halbem Weg zum Märzen. Und der Radler-Absatz hat sich auf ein gutes Niveau eingependelt, wir sind mit unserem Citrus Radler vorn mit dabei – und ergänzen ihn alljährlich mit einer Sommersorte, diesmal lautet die auf Marille-Holler. Darüber hinaus zeigt sich auch, dass unsere Kreativbiere aus dem Brauwerk sehr interessant für Frauen sind und sich hier großer Beliebtheit erfreuen.medianet: Trotz aller Innovationen stagniert der Biermarkt in Österreich bei 105 Litern – läuft trotz aller Bemühungen etwas falsch?Ortner: Wir liegen damit sehr gut und an zweiter Stelle hinter Tschechien – kontinuierlich abgebaut haben aber die Deutschen. Wir als Ottakringer haben 2014 ungefähr die Menge des Bieres verkauft wie im Jahr zuvor, obwohl es aufgrund des verregneten Sommers kein berauschendes Bierjahr war.medianet: Mit der Preisentwicklung im österreichischen Handel sind Sie zufrieden?Ortner: Insgesamt hat sich das Bierpreisniveau leicht gehoben – das ist grundsätzlich positiv. Es hat sich eingebürgert, dass die Konsumenten heute gern mehrere Kisten mitnehmen, wenn der Preis passt. Die Warengruppe ist stark aktions- und promotiongetrieben, der Aktionsanteil liegt österreichweit bei rund 70 Prozent. Das ist eine Entwicklung, die man beobachten muss.medianet: Eine andere – für viele Beobachter besorgniserregende – Entwicklung ist das Faktum, dass der Handel zunehmend auf Eigenmarken setzt. Wie ist das beim Bier?Ortner: Bei Bier spielen die Eigenmarken fast gar keine Rolle. Bier braucht schon stark den Absender und die Brauerei dahinter.medianet: Wie ist die übrige Marktanteilssituation?Ortner: Die Brau Union konzentriert sich auf ihre großen Marken, und in den Regionen gibt es gute Alternativen von den Familienbrauern. Die dazugehörigen Marktanteile sind stabil. Wir möchten als Marke in Wien die Nummer eins sein, im Lebensmittelhandel halten wir gesamtösterreichisch gesehen bei 6,5 Prozent.medianet: Und wie ist die Umsatzsituation derzeit?

Ortner: Die ersten zwei Monate waren nicht so prickelnd. Der März war gut. Es gibt generell eine Konsumzurückhaltung, die ich aber nicht überbewerten möchte, denn in unserer Branche kommen solche Schwankungen öfters vor. In Wien ist auf den Umsatz bezogen ohnedies erst der Frühsommer entscheidend. Ein konsumfreundlicher Mai ist für uns wichtiger als der Hochsommer. In der Stadt wird das Draußen und der Garten immer wichtiger.medianet: Wie wichtig sehen Sie die Lohnsteuerreform?Ortner: Nirgends spart der Konsument schneller ein als in der Gastronomie, indem er einfach einmal in der Woche weniger ausgeht oder weniger konsumiert, wenn er unterwegs ist. Deshalb bin ich sehr froh, wenn signalisiert wird, dass es künftig mehr im Börsel gibt – ich bin überzeugt, das wird einen positiven Impuls geben und konsumfreundlich ausgehen.

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