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Nespresso feiert zehn Jahre Kapselrecycling © Nespresso
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Paul Hafner 07.06.2019

Nespresso feiert zehn Jahre Kapselrecycling

Knapp jede dritte Aluminiumkapsel wird wiederverwertet, das Umweltbundesamt bescheinigt eine positive Ökobilanz.

••• Von Paul Hafner

Im Sommer 2009 startete Nespresso sein Recyclingprogramm in Österreich. Nun, zehn Jahre später, wurden am Mittwoch im Rahmen eines Jubiläumsevents in der Ovalhalle des MuseumsQuartiers nackte Zahlen präsentiert. Im Zentrum standen neben Ökobilanz und Meilensteinen des Recyclingprogramms auch Vorhaben und Ziele der übergreifenden und internationalen Nachhaltigkeitsstrategie „The Positive Cup”.

31 Prozent Recyclingrate

Österreichweit gelangten im Vorjahr 31 Prozent der verbrauchten Nespresso-Kapseln zur Verarbeitung zum Tiroler Entsorgungsunternehmen Höpperger, ein Plus von drei Prozent gegenüber 2017. Damit wird aktuell knapp ein Drittel der verbrauchten Kapseln recycelt, während der Großteil immer noch im Restmüll landet. Angesichts von 1.300 öffentlich zugänglichen Recyclingstellen und einer damit verbundenen Abdeckung von 97 Prozent der Bevölkerung spricht Sustainability Manager Richard Paulus von einem „großen Potenzial”, betont aber auch: „Ohne Mithilfe des Konsumenten geht es nicht.”

Die prinzipielle Bereitschaft scheint jedenfalls gegeben: Laut eigens erstellter Studie erachten 96 Prozent der Nespresso-Kunden die Mülltrennung als eine Selbstverständlichkeit.

Recycling via Blauer Tonne

Recycling ist eine Frage der Möglichkeiten und der Bequemlichkeit – das zeigt das Beispiel Linz. Seit Anfang 2018 können die Kapseln dort über die stadtweit rund 400 Blauen Tonnen entsorgt werden. Im Vorjahr wurden so insgesamt 3.700 Kilogramm Kapseln recycelt. Durch eine Kooperation mit der ARAplus ist eine Rückgabe über öffentliche Sammelbehälter für Metallverpackungen derzeit in landesweit insgesamt 14 Regionen möglich, darunter neben Linz auch Wien, Graz und Innsbruck.

Ökobilanz fällt positiv aus

Dass das Recyclingprogramm Nespressos keine Augenauswischerei ist, konnte mit Werner Pölz vom Umweltbundesamt auch von kritischer Seite bestätigt werden. Zwar wies er darauf hin, dass Kaffeekonsum ökologisch immer einen Luxus darstelle, doch rechnete er vor, dass die Ökobilanz eingerechnet des sammellogistischen Aufwands – insbesondere die Emissionen, die durch den Transport zu Höpperger nach Tirol entstehen – insgesamt deutlich positiv ausfällt: Bei der Wiederverwertung des Aluminiums werden nur fünf Prozent jenes Energieaufwands gebraucht, der bei der Gewinnung neuen Aluminiums anfällt. Recycelte Kapseln werden eingeschmolzen, und das Material kann so wiederverwertet werden. Eine Studie des Umweltbundesamts kommt zu einer gewichtigen Emissionseinsparung von 266 Tonnen CO2 für das Jahr 2017.

Mit dem Recyclingprogramm befinde sich Nespresso „sicher auf einem guten Weg”, so das abschließende Fazit von Pölz.

Kein Weg vorbei an Aluminium

Die Verwendung der Aluminiumkapseln steht indes nicht zur Debatte: „Nur der Aromatresor Aluminium sichert den Geschmack und die Qualität unseres Kaffees”, so Alessandro Piccinini, Geschäftsführer von Nespresso Österreich. Mit dem Recyclingprogramm wolle man die Umweltbelastung so gering wie möglich halten, sei dabei aber maßgeblich auf Kooperationen, Partner und nicht zuletzt auf die Kundschaft angewiesen.

Aus Kaffeesud wird Biogas

Von zentraler (ökologischer) Bedeutung ist die Wiederverwertung des Aluminiums, doch auch der Kaffeesud wird in Klärwerken zu Biogas und in weiterer Folge zu Treibstoff und Strom verarbeitet.

Herausforderungen

Wenngleich zwei Drittel der Österreicher Mülltrennung als „sehr wichtig” bezeichnen, behauptet weniger als die Hälfte der Österreicher, sich auch „sehr gut” mit Mülltrennung auszukennen. Es deutet also einiges darauf hin, dass der ausbaufähigen Quote beim Recycling der Aluminiumkapseln nicht mangelnde Bereitschaft seitens der Verbraucher zugrunde liegt, sondern es vielerorts an Wissen zu den Möglichkeiten des Recyclings fehlt.

Dafür könnte auch die Statistik zu den Sammelstellen sprechen, der zufolge die öffentlichen Sammelstellen – die Blaue Tonne – hinter die Boutiquen zurückfällt. Dazu ist allerdings zu ergänzen, dass diese Möglichkeit in vielen Städten erst innerhalb der letzten zwei Jahre geschaffen wurde.
Die Infrastruktur scheint gegeben – es liegt am Unternehmen und seinen Kunden, die Recyclingquote weiter anzukurbeln.

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