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Ökoeffiziente Milch aus der Bio-Modellregion © SalzburgMilch

Christian Leeb

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Christian Leeb

Redaktion 05.07.2019

Ökoeffiziente Milch aus der Bio-Modellregion

Christian Leeb sprach im Interview über die „Reine ­Lungau Milch”, die Milchpreise und die bestätigte Ökoeffizienz.

Das Forschungsprojekt „Futterautarke Milch­erzeugung im Berggebiet am Beispiel des Salzburger Lungau” zeigt, dass die bäuerliche Milchproduktion für die Reine Lungau mit geringen Umweltwirkungen bei angemessenen Einkünften gelingt.

Leitspruch der Salzburgmilch-Initiative „Reine Lungau – Bio-Milch aus dem Biosphärenpark Lungau” ist, „Mit Vorhandenem auskommen”. Das Ziel der ersten Kooperation zwischen dem WWF und einer Molkerei ist es, den Bio-Anteil der Landwirtschaft in der Region Lungau deutlich zu erhöhen und längerfristig eine Bio-Modellregion Lungau zu verwirklichen. Gemeinsam werden Maßnahmen zur Steigerung der Biodiversität gesetzt.

Alle der 54 Reine Lungau- Biobauernhöfe liegen in einem Alpengebiet auf 1.150 m Seehöhe und setzen auf nachhaltiges Wirtschaften im Einklang mit der Natur, was ein maßgebliches Kriterium für die Bezeichnung eines Biosphärenparks ist. 94% des Futters sind Wiesenfutter. Der Nährstoffkreislauf von Stickstoff und Phosphor fördert indirekt die Artenvielfalt im Biosphärenpark; entsprechend gering ist die Lieferleistung an die SalzburgMilch mit einer Menge von 4.800 kg pro Kuh und Jahr. Die Fracht an Treibhausgasen ist vergleichsweise gering, und es besteht wenig fossile Energieabhängigkeit. Auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wird vollständig verzichtet.
Im Interview sprach Christian Leeb, Geschäftsführer der SalzburgMilch, über ehrliche Milchpreise und nachhaltige Verpackungen.


medianet:
Herr Leeb, die Reine Lungau-Bio-Milch ist führend in der Ökoeffizienz. Außerdem zahlen Sie den Bauern 70 Cent für einen Liter Milch – im Schnitt liegt der Milchpreis für Bauern in Österreich bei 34 Cent. Dies schlägt sich auch im Preis der Milch nieder – sind die Konsumenten bereit, so viel für Bio zu zahlen?
Christian Leeb: Die Reine Lungau-Bio-Milch ist seit Herbst 2017 am Markt und kostet für den Endverbraucher von Anbeginn an ca. zwei Euro pro Liter, bzw. ca. 1,50 Euro für die 750 ml-Packung. Das ist ein ehrlicher Milchpreis, der sich aus der Wertigkeit dieser einzigartigen Milch ergibt und den sehr viele Konsumenten bereit sind zu bezahlen, weil sie verstanden haben, was sie dafür bekommen. Wir müssen grundsätzlich raus aus dieser ständigen Preisdiskussion bei Lebensmitteln – es ist eine mehr als fragwürdige Entwicklung, dass landwirtschaftliche Produkte einem derartigen Preisdruck unterliegen.

medianet:
Die Standesvertretung der österreichischen Milchwirtschaft fordert mehr Kennzeichnung bei Milchprodukten. Glauben Sie ebenfalls, dass eine bessere Kennzeichnung die Konsumenten dazu bringt, hochwertigere Produkte zu kaufen?
Leeb: Wir haben bereits sehr umfassende Kennzeichnungsvorschriften für Lebensmittel, und jeder Konsument kann sich auf unseren SalzburgMilch-Produkten sehr ausführlich über die Herkunft und die Eigenschaften der Produkte informieren. Nur informierte Konsumenten können den Wert eines Produktes erkennen und schätzen.

medianet:
Gefordert wurde auch, dass sich Gastronomie und der Tourismus zu heimischen Produkten bekennen sollen. Sehen Sie dies als sinnvolle Forderung?
Leeb: Auf jeden Fall! Der Tourismus und somit auch die Gastronomie basieren zu einem großen Teil auf unserer herrlichen Natur- und Kulturlandschaft, und das zu allen Jahreszeiten. Die beliebten Freizeitflächen werden von den Bäuerinnen und Bauern bewirtschaftet und somit so erhalten, wie die Gäste es schätzen. Da liegt es doch auf der Hand, dass die Gastronomie die regionalen Bauern als wertvolle Partner sieht und deren Produkte für ihre Gäste verwendet – das wäre nebenbei auch für viele Gäste ein weiterer Anreiz für einen Urlaubsaufenthalt in Österreich.

medianet:
Die Reine Lungau-Bio-Milch-Produkte gibt es derzeit national nur bei Merkur, Interspar und Metro zu kaufen. Woran liegt das?
Leeb: Aufgrund der bekannten Handelskonzentration in Österreich und den damit verbundenen, langjährigen Handelsstrategien von Bio-Handelsmarkenprodukten war es leider nicht einfach, sich mit den Reine Lungau Bio-Produkten im nationalen Handel breit aufzustellen. In der Region sind wir sehr weit distribuiert.

medianet:
Die Reine Lungau-Bio-Milch gibt es derzeit nicht in der Mehrwegflasche. Würde dies das Konzept der Nachhaltigkeit nicht komplettieren?
Leeb: Es gibt aktuell nur eine Molkerei, die überhaupt Glasflaschen anbietet, aktuell sind das auch Einwegflaschen. Uns ist bewusst, dass die Glasflasche in der öffentlichen Meinung aktuell sehr gehypt wird und als der Inbegriff für ‚gute Verpackung' angesehen wird. Leider zeigen die Fakten ein ganz anderes Bild. Solange die Faktenlage nicht klar zeigen kann, dass die Glasflasche eindeutig bessere Gesamt-Umwelt-Eigenschaften aufweist (inkl. Transportproblem, Energieaufwand und Chemikalien beim Waschen, Retouren, Glasbruch und Splitterthematik) als der Getränkekarton, ist die Glasflasche für uns kein Thema. (gs)

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