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Teuerungen: Ankerbrot schlägt jetzt Alarm © Katharina Schiffl
© Katharina Schiffl

Redaktion 04.11.2022

Teuerungen: Ankerbrot schlägt jetzt Alarm

Eine Energiepreis-Deckelung ist unabdingbar und dringend notwendig, erklärt Ankerbrot. Holding-Geschäftsführer Walter Karger erklärt, warum.

••• Von Georg Sander

Die aktuelle Energiekrise macht auch vor den Bäckereien nicht Halt. Kleine wie große sind von der derzeitigen Krise massiv betroffen. Aus diesem Grund wandten sich Ankerbrot, Der Mann, Fischer Brot, Haubis, Resch&Frisch als Vertreter der Backbranche jüngst an die Öffentlichkeit, um auf die anhaltende, dramatische Kostenproblematik aufmerksam machen.

Sowohl die extrem gestiegenen Preise im Bereich der Rohstoffe als auch die Kostenexplosion auf dem Energiesektor führen laut der Aussendung zu größten Belastungen. Brot und Gebäck zu backen, benötige nun einmal große Hitze, der damit verbundene Energieeinsatz sei enorm. Alle Möglichkeiten, um im eigenen Betrieb noch effizienter arbeiten zu können, seien mittlerweile ausgeschöpft.

Weitere Verschärfung

Eine der ältesten Bäckereien Österreichs, die Bäckerei Weinhäupl, musste bereits Insolvenz anmelden. Die Situation wird sich weiter verschärfen. medianet hat mit Walter Karger, Geschäftsführer der Ankerbrot Holding GmbH, darüber gesprochen, was aus seiner Sicht die Hintergründe für den dramatischen Appell sind. Gefordert sind schnell und unmittelbar wirksame Maßnahmen, denn ­Energiezuschüsse im Nachhinein würden das jetzt auftretende Kostenproblem nicht lösen und Kurzarbeit sichere nicht den Versorgungsauftrag für die Bevölkerung.

„Wir haben diverse Optimierungen vorgenommen, die kurzfristig möglich waren. So wurden etwa Produktionsprozesse adaptiert, um Energie bestmöglich nutzen zu können”, so Karger im Gespräch. „Unsere Öfen, aber auch unsere Tiefkühlfroster – die sehr energieintensiv sind – haben wir umfangreich gewartet und teilweise auch erneuert.” Mittel- und langfristig gebe es aus Produzentensicht natürlich Möglichkeiten, vermehrt auf alternative Energieversorgung wie etwa Photovoltaik oder Biogas zu setzen. Das wolle man auch umsetzen, „kurzfristig, in der aktuellen Situation, hilft uns das aber nicht weiter.”

Im Detail

Die Branche beklagt Kostensteigerungen um 50%. Das betreffe nicht nur die Energie. Im Vergleich zu 2021 habe man beispielsweise folgende Kostenerhöhungen zu tragen: über 100% bei Mehl, rund 100% bei Zucker, rund 50% plus bei Karton- bzw. Papierverpackungen – auch bei Salz haben sich die Kosten um rund 30% erhöht.

„Die extrem gestiegenen Preise im Bereich der Rohstoffe, im Besonderen bei Mehl, haben zu großen Belastungen für die gesamte Backbranche geführt. Die aktuelle Kostenexplosion auf dem Energiesektor – die Energiepreise haben sich verzehnfacht – bedingt nun eine noch nie dagewesene Steigerung der Produktionskosten”, erklärt der Geschäftsführer.

Lieferkettenproblematik

Im Zuge des russischen Angriffs auf die Ukraine berichten viele Unternehmen auch von Lieferengpässen. Das sei hier nicht unmittelbar der Fall. „Wir sind hier indirekt betroffen”, meint er. Durch Engpässe, die aufgrund von Ernteausfällen in der Ukraine entstünden, gebe es auch Auswirkungen auf den Preis und die Verfügbarkeit österreichischer Rohstoffe. Ankerbrot selbst verwende allerdings ausschließlich österreichisches Mehl.

„Ein Beispiel für andere Rohstoffe, wo wir ebenfalls indirekt betroffen sind, das sind Sonnenblumenkerne. Hier sind wir derzeit mit Preisen konfrontiert, die sich mehr als verdoppelt haben, bei gleichzeitigen Lieferengpässen”, sagt Karger.

Dringender Appell

Als Grundnahrungsmittel müssten Brot und Gebäck jedoch für alle verfügbar und leistbar bleiben, spricht man in der Branche vermeintlich Selbstverständliches aus. Kargers Appell ist deshalb eindringlich: „Wenn nicht seitens der Politik schnell entsprechende Entlastungsmaßnahmen gesetzt würden, müssten weitere massive Preiserhöhungen an die Kunden weitergegeben werden. Um Energiekosten einzusparen, wäre es als Alternative nur möglich, Teile unserer Betriebe still zu legen, wodurch eine ausreichende Versorgung nicht mehr sichergestellt werden könnte.”

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