DESTINATION
© APA/AFP/OceanGate Expeditions/Handout

Die Titanic-Expedition mit dem Mini-U-Boot „Titan” endete tödlich. Die Risiken waren weitgehend bekannt.

Redaktion 30.06.2023

Urlaub mit „Kick”

Everest, Titanic & Co: Extrem-Urlauber suchen den Adrenalin-Kick und setzen dabei ihr Leben aufs Spiel.

WIEN. Wohlfeile 250.000 USD pro Person kostete die drei zahlenden Kunden des implodierten U-Boots „Titan” ihr Ticket in den Tod. Dass es sich bei dem Tauchboot um ein experimentelles Vehikel ohne jegliche unabhängige Sicherheitszertifizierung handelte, war den Teilnehmern bewusst. Ebenso hatten sie unterschrieben, in Kauf zu nehmen, dass es jederzeit zu einem (tödlichen) Unfall kommen könnte. Das Geschäft mit dem Thrill, in diesem Fall unmittelbar vor dem verrosteten Bug der Titanic zu schweben, wird wohl weitergehen. Etwa zehn einschlägige Anbieter gibt es weltweit.

Big Business Everest

Man kann aber auch günstiger Todesgefahr verspüren: Eine Besteigung des Mount Everest gibt es schon ab 50.000 €, nach oben ist das Preislimit offen – denn nicht jeder, der auf das Dach der Welt will, muss über Erfahrung beim Extrembergsteigen verfügen. Manch Gipfelaspirant muss von Sherpas geradezu auf den Berg und wieder herunter getragen werden. Heuer erhielten beinahe 500 Bergsteiger die Lizenz zum Erklimmen des Everest, für jede einzelne wandern 10.000 € in die nepalesische Staatskasse. Das Geschäft mit wohlhabenden Extrem-Touristen ist für die lokale Bevölkerung längst zum Überlebensfaktor und zur Arbeitsplatzgarantie geworden. Auch wenn das Basislager optisch an einen vermüllten Slum erinnert, werden sich weiterhin Hundertschaften auf den Weg in 8.848 Meter Höhe machen. Mehr als 300 Bergsteiger blieben bisher in der Todeszone zurück.

Dark Tourism im Trend

Urlaub an Orten mit dunkler Geschichte und die Besichtigung der Folgen von Natur- oder Umweltkatastrophen bieten den (billigeren) Thrill für die „Normalos” unter den Adrenalin-Junkies. Der Besuch der Atomruine von Tschernobyl samt Stadtspaziergang durch die Ghost Town Pripjat rangierte laut travelbook.com vor dem Ukraine-Krieg auf Platz 1 der beliebtesten Dark Tourism-Destinationen. Dicht gefolgt von den Gedenkstätten des Völkermordes in Ruanda inkl. mumifizierter Opfer, und den Überresten von Plymouth, der Hauptstadt von Montserrat. Sie wurde nach einem Vulkanausbruch 1995 verlassen und zum Teil zerstört. Ebenfalls top: das ehemalige Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen in Berlin. (ah)

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL