INDUSTRIAL TECHNOLOGY
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Redaktion 15.12.2023

„Ängste abbauen und klare Wege aufzeigen”

Christiane Noll, Country Managerin Avanade Österreich, im Interview über Technologie und Innovationskraft.

••• Von Oliver Jonke und Helga Krémer

Avanade wurde vor mehr als 20 Jahren als Joint Venture von Accenture und Microsoft gegründet und ist heute einer der weltweit führenden Anbieter von Technologielösungen auf Basis von Microsoft-Produkten. Jeden Tag setzen 60.000 Mitarbeiter – davon rund 300 in Österreich – mit ihrer Branchenkenntnis, ihrer technologischen Expertise und einer Vielzahl unterschiedlicher Services Kundenwünsche um. Im Interview lässt Christiane Noll, Geschäftsführerin für Österreich, einen Blick hinter die Kulissen des erfolgreichen Unternehmens zu.


medianet:
Sie konnten unzählige Preise für Ihre Software- und Technologielösungen gewinnen. Wie hat alles mit Avanade begonnen?
Christiane Noll: Das Unternehmen gibt es international seit dem Jahr 2001 und wurde unter anderen von Mitarbeitern von Microsoft und Accenture in Seattle gegründet. Microsoft wünschte sich ein Unternehmen, das sich ausschließlich auf Microsoft-Technologie spezialisiert, die Implementierung übernimmt und den Mehrwert des Produkts maximiert. Accenture ist sehr stark in der Strategiearbeit verankert, und so ergab sich eine Win-Win-Situation.

medianet:
Wie ist dabei Ihr persönlicher beruflicher Hintergrund?
Noll: Ich war sieben Jahre bei Microsoft in der Geschäftsführung und bin eher aus Zufall seit der Gründungsphase von Avanade Österreich dabei. Microsoft hat eine derart riesige Palette an Möglichkeiten und so viel Funktionalität. Die Aufgabe war, dass der End-User den Mehrwert nutzen kann. Avanade Österreich gibt es jetzt seit sieben Jahren.

medianet:
Welche Zielgruppen und Branchen sprechen Sie mit Ihren Lösungen an?
Noll: Großkonzerne und große Unternehmen, die besonders innovativ oder sehr stark international tätig sind. Wir sind hauptsächlich in vier Bereichen tätig, im Resources-Bereich, also im gesamten Energie-Bereich, im Product-, Heathcare- und Public Sector und in der Finanzdienstleistungsbranche. Zu unseren Kunden gehören Raiffeisen, die Volksbank und die Hypo Bank, aber auch das SOS Kinderdorf.

medianet:
Wie sieht Ihr Beratungsansatz bei Kunden aus?
Noll: Das hängt von den jeweiligen, meist sehr umfangreichen Projekten ab. Unser Kernthema ist, dass wir die gesamte Palette anbieten können. Für uns ist es wichtig, nicht auf sehr vielen Hochzeiten zu tanzen, sondern uns auf einen Kunden zu konzentrieren, und ihn, seine Sprache und seine Schwerpunkte zu verstehen. Derzeit arbeiten wir an vielen Themen zur Künstlichen Intelligenz und wie sie sinnvoll in Unternehmen eingesetzt werden kann.

medianet:
Die Anzahl von 300 Mitarbeitern in Österreich lässt auf sehr viele Projekte schließen.
Noll: Da wir in vier Branchen tätig sind, arbeiten wir auch mit Offshore- und Near Shore zusammen und verfügen über einen Pool an zusätzlichen Mitarbeitern in der Slowakei, Indien und den Philippinen, auf den wir zugreifen können. Für unsere Kunden ist es wichtig, dass wir skalieren und rasch Lösungen finden und implementieren können.

medianet:
IT-Fachkräfte sind Mangelware. Wo rekrutieren Sie Ihre Spezialisten?
Noll: 50 Prozent der neuen Mitarbeiter kommen auf Empfehlung von bestehenden Mitarbeitern zu uns, die uns als Arbeitgeber an Freunde und Verwandte weiterempfehlen. Und wir sind natürlich in Social Media stark vertreten. Damit können wir eine Unternehmenskultur halten und wir wissen genau, wer zu uns passt und zu welchem Mitarbeiter wir passen. Deshalb sind die Werte, die wir vertreten, und das Miteinander ein wertvolles Gut. Das ist ein freundlicher und respektvoller Umgang, jeder hat bei uns alle Chancen, sich weiterzuentwickeln und Karriere zu machen.

medianet:
Wie hoch ist der Frauenanteil bei Avanade?
Noll: Im Führungsteam haben wir 60 Prozent Frauen, insgesamt sind es 34 Prozent.


medianet:
Können Sie ein wachsendes Interesse bei ­Frauen an IT-Berufen erkennen?
Noll: Das Interesse ist da, man muss es nur fördern. Es ist wichtig, dass im Kindergarten und in der Schule das Interesse bereits dementsprechend gefördert wird. Die Welt der IT ist so groß, bunt und hat so viel Raum für Kreativität. Ansprechen, was IT eigentlich bedeutet, ist hier ein ganz wichtiger Punkt.

medianet:
Gibt es eine Zusammenarbeit mit österreichischen Hochschulen?
Noll: Ja, wir arbeiten mit allen bekannten Hochschulen zusammen und natürlich auch mit den Universitäten. Wir bauen derzeit in Innsbruck eine Niederlassung auf und arbeiten dort mit der Uni Innsbruck und dem MCI zusammen, wovon ich sehr begeistert bin.

medianet:
Viele haben Angst vor dem KI-Boom – zu Recht?
Noll: Man kann Ängste abbauen, indem man sich mit dem Thema auseinandersetzt. Viele meinen, dass uns die IT und die KI Arbeitsplätze wegnimmt. Wir wissen aber, dass sie Arbeitsplätze schafft. Wenn wir den Innovationsgedanken vorantreiben, dabei führend sind und uns nicht davon abhalten lassen, liegt es an jedem Einzelnen von uns, Ängste abzubauen.

medianet:
Das ist ja beinahe ein missionarischer Gedanke …
Noll: Es gehört zu unserem Job, aufzuklären, Informationen weiterzugeben, sich einzusetzen, Vorträge zu halten, Panel-Diskussionen zu veranstalten, in Schulen zu gehen und Themen auf den Punkt zu bringen. Mitarbeiter erklären dann Schülern, wie man mit KI umgeht. Es gibt noch immer Lehrer, die verlangen, dass KI in der Schule nicht verwendet werden darf. Aber welches Kind wird sich daranhalten? Der richtige Ansatz wäre, die Kinder aufzuklären. Was bedeutet KI und wie kritisch stehe ich ihr gegenüber? Wie setze ich KI intelligent ein, was ist der Mehrwert, der daraus entsteht, und wie kann ich KI sinnvoll in meinen Alltag einbauen?

medianet: Durch Ihre Tätigkeit haben Sie sicher einen guten Überblick, wie weit andere Länder bei der IT und KI sind. Wie steht Österreich im Vergleich da?
Noll: Wir haben die ganze Palette. Generell sehe ich Österreich mit den Kunden, mit denen wir zusammenarbeiten, definitiv weit vorne stehen. Vielleicht sind wir nicht in allen Bereichen schon so weit, aber ich glaube, das ist man in der IT wahrscheinlich nie. Wenn ich ein paar Kunden in meinem Kopf durchgehe und sehe, welche Visionen sie haben, die klare Wege aufzeigen und wissen, wohin sie gehen, dann sehe ich definitiv die Innovationskraft, die bei uns herrscht.

medianet:
Wer ist der wichtigste Treiber dieser Innovationen?
Noll: Die Innovationskraft wird immer von Menschen getrieben. Unternehmen müssen auch die Kraft aufbringen, um zu wissen, wohin sie gehen wollen, wie sie dorthin kommen, welche Technik man einsetzt und wie Mitarbeiter mitgenommen werden können. Ich setze hier sehr stark auf das Thema Change, denn es ist ein ganz wichtiger Punkt, um die Mitarbeiter mitzunehmen. Technologie einfach irgendwo einzuschalten und zu sagen, dass man jetzt ein neues System hat, ist nett. Aber wenn man sich nicht auskennt, wenn man nicht weiß, wie alle Values rauszuholen und alle Benefits mitzunehmen sind, wird es schwierig. Wir investieren in Change Management. Hier machen sicher die Offenheit von Unternehmen, Veränderungen zuzulassen, die Innovationskraft und die Mitarbeiterförderung den Unterschied aus.

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