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Milliarden-Geschäft Die heimische Kfz-Industrie erlöste im vergangenen Jahr rund 18,5 Mrd. € – immerhin um 3,9% mehr als 2021.

Redaktion 07.04.2023

Es geht aufwärts

Studie: Österreichs Kfz-Industrie kann 2023 mit Zuwächsen rechnen, erreicht aber das Vorkrisenniveau erst 2024 wieder.

WIEN. Österreichs Kfz-Industrie war in den vergangenen Jahren eine der wachstumsstärksten Branchen im europäischen Vergleich. Die Einbußen im Zulieferbereich wurden zum Teil mit den Erfolgen in der Herstellung fertiger Fahrzeuge kompensiert. 2022 konnte sich die Branche der schwachen europäischen Autokonjunktur aber trotzdem nicht entziehen. „Wir erwarten, dass die Kfz-Industrie in Österreich 2023 weiter wachsen wird, aber frühestens 2024 das Vorkrisenniveau wieder erreicht. Die Branche steht vor erheblichen strukturellen Herausforderungen, sollte aber auch in Zukunft von der wirtschaftlich stabilen Position der deutschen Premiumhersteller profitieren”, so UniCredit Bank Austria Ökonom Günter Wolf in einer aktuellen Branchenanalyse.

Konjunktur vorerst abgekühlt

Bis 2021 hat die Kfz-Industrie in Österreich demnach ihren Wachstumsvorsprung gegenüber den meisten EU-Ländern ausgebaut. Erst 2022 blieb das Produktionsplus mit 0,5% hinter dem EU-Ergebnis von 4,5%. Auch das Umsatzwachstum ist 2022 mit 3,9% auf 18,5 Mrd. € langsamer als 2021 gestiegen.

Anfang 2023 ist die Branchenkonjunktur dann weiter abgekühlt, wobei das Produktionsminus zugleich mit den höheren Auftragseingängen im Jänner ein Hinweis auf noch vorhandene Materialengpässe ist. Die Lieferengpässe bei Vormaterialien, vor allem fehlten Halbleiter, waren 2022 für rund drei Viertel der Unternehmen der Branche in Österreich das größte Produktionshindernis, im ersten Quartal 2023 traf dies noch auf mehr als die Hälfte der Unternehmen zu. Auf EU-Ebene haben sich die Lieferengpässe 2023 sogar verschärft.

Nachfrage zieht langsam an

In den großen Herstellerländern Deutschland, Frankreich und Tschechien berichten laut der aktuellen Analyse rund 80% der Unternehmen der Kfz-Industrie von Produktionsbehinderungen durch fehlende Vormaterialien. In weitere Folge haben sich auch die Produktionserwartungen der Kfz-Industrie eingetrübt, in Deutschland Anfang März und in Tschechien, Frankreich, der Slowakei und Spanien schon im Februar. Österreichs Kfz-Zulieferer können daher erst in der zweiten Jahreshälfte 2023 mit einer stärkeren Nachfrage aus den europäischen Standorten ihrer wichtigsten Kunden rechnen.

Automärkte legen wieder zu

Trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds sollte sich der EU-Automarkt 2023 positiv entwickeln. Aktuelle Erwartungen reichen von einem Anstieg der Pkw-Neuzulassungen von fünf Prozent in der EU vom europäischen Herstellerverband ACEA, bis zu einem niedrigen zweistelligen Plus in der EU und den USA laut Ernst&Young. In beiden Märkten soll der Absatz von E-Fahrzeugen um mehr als 50% zulegen.

Mit der fortschreitenden Abwanderung der Kfz-Industrie aus Europa verringern sich die Absatzmöglichkeiten heimischer Zulieferer. In die EU werden aktuell 64% und nach Deutschland 35% aller Exporte geliefert. Von 2008 bis 2022 ist die Pkw-Produktion in der EU um 25% gesunken, in Deutschland sogar um 37%. Weltweit wurden im selben Zeitraum hingegen um 16% mehr Pkw erzeugt.

Experte zieht Bilanz

„Österreichs Kfz-Zulieferindustrie kann sich dem Strukturwandel natürlich nicht entziehen. Die heimischen Unternehmen werden auf Grundlage ihrer Innovationsstärke allerdings ihre Marktanteile zumindest halten beziehungsweise von den steigenden Einkommen in vielen, zunehmend gesättigten Automärkten profitieren”, analysiert Wolf abschließend. (red)

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