PRIMENEWS
22.04.2015

Neue Ära im Kunsthandel

Hiscox-Report Der weltweite Kunstmarkt weist „fast schon unverschämte” Wachstumsraten auf, auch im Netz

Virtuelle Kunstplattformen machen Auktionshäusern Konkurrenz, sofern diese nicht auch schon online sind.

Wien/London. Der weltweite Kunstauktionsmarkt boomt allen wirtschaftlichen Widrigkeiten zum Trotz: Laut Jahresbericht des Kunstinformationsdiensts Artprice ist der durch Versteigerungen – etwa bei Christie’s oder Sotheby’s – erzielte Umsatz weltweit 2014 mit 15,2 Mrd. USD (13,7 Mrd. €) auf ein neues historisches Hoch gestiegen. Das entspricht einer Steigerung um 26% gegenüber 2013 – eine „fast schon unverschämte Wachstumsrate”, wie es im Bericht heißt. Die höchsten Auktionsergebnisse wurden laut Artprice im Vorjahr für Giacomettis Skulptur „Chariot”, Barnett Newmans „Black Fire” und Andy Warhols „Triple Elvis” (sihe Bild re.) erzielt.

Kunst als Investment

Auch online geht Kunst weg wie die warmen Semmeln: Zum dritten Mal veröffentlicht jetzt der Spezialversicherer Hiscox den „Online Art Trade Report”. Die Ergebnisse, die am Dienstag vorgestellt werden, untermauern den Trend: Der Online-Kunstmarkt ist innerhalb eines Jahres um 68% angewachsen und setzt momentan umgerechnet geschätzte 2,49 Mrd. € um. Das sind etwa 4,8% des geschätzten Gesamtumsatzes von rund 55,2 Mrd. USD (50 Mrd. €) am globalen Kunstmarkt. Basierend auf diesem Wachstumskurs, könnte der Handel auf den virtuellen Kunstplattformen im Jahr 2019 ein Marktvolumen von 6,3 Mrd. USD (5,9 Mrd. €) erreichen. Beispiele für diese Kunsthandelsplattformen sind etwa die Kooperation von Sotheby’s und eBay (www.ebay.com/sothebys), Auctionata (auctionata.de), Artsy (www.artsy.net) und Artspace (www.artspace.com).Auch Social Media gewinnt an Bedeutung: Postings von Museen, Galerien und Künstlerateliers üben einen direkten Einfluss auf die Kaufentscheidung fast jedes vierten Befragten aus, heißt es. Robert Read, Head of Fine Art bei Hiscox, erklärt: „Der Online-Kunstkauf hat sich schneller entwickelt, als wir noch im vergangenen Jahr prognostiziert hatten. Kunstsammler kaufen zunehmend online und Social Media gewinnt an Bedeutung. Traditionelle Galerien und Auktionshäuser können daher nicht länger isoliert agieren und müssen sich neuen Wegen öffnen.”Für 63% ist vor allem der Kapitalertrag der Kunstsammlung entscheidend. Der Kunstkauf ist mittlerweile für die Mehrheit eine Investition. Diese Einstellung gegenüber Kunstgegenständen könnte dazu führen, dass Online-Marktplätze reine Plattformen für Transaktionen werden, warnt Hiscox. Die Konsequenz wäre die Neustrukturierung einer Branche, die traditionell auf der Beziehung zwischen Verkäufer und Käufer basiert. Read: „Dabei haben sicher diejenigen Geschäftsmodelle mit einer vertrauenswürdigen Marke, einer Präsenz in der ‚realen Welt’ und einem Onlinegeschäft einen großen Vorteil.” Den Report finden Sie hier: https://www.hiscox.de/wp-content/­uploads/2015/04/Hiscox-Online-Art-Trade-­Report-2015.pdf (sb)

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