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Der Standort wurde schon besser bewertet © dpa/Rainer Jensen
© dpa/Rainer Jensen

Georg Sander 26.04.2019

Der Standort wurde schon besser bewertet

Mit schlechten Noten im Bildungsbereich gehen Probleme wie digitaler Nachholbedarf und Fachkräftemangel einher.

••• Von Georg Sander

Wie schlägt sich Österreich im weltweiten Vergleich? Diese Frage stellt Deloitte im Radar 2019 und attestiert zu Beginn: „Den Österreicherinnen und Österreichern geht es gut. Wir behaupten uns als wohlhabende Volkswirtschaft, erfolgreiche Exportnation mit hoher Produktivität und Weltmeister hinsichtlich Lebensqualität. Erfolg ist aber auch eine Frage der Zukunftsperspektive und wird in Relation zu anderen gemessen.”

Insgesamt wurden sieben Themenbereiche beleuchtet. Daraus ergeben sich sieben Standortfaktoren. Neben dem politischen und makroökonomischen Umfeld, der Unternehmensstruktur und dem Umfeld sowie dem regulatorischen Umfeld sind die Punkte Kosten und Verfügbarkeit höchst entscheidend. Diese Punkte bedürfen einer genaueren Betrachtung.

Verfügbarkeit von Arbeitskraft

In diesem Punkt verteilt Deloitte zwei von fünf möglichen Punkten, mit einem gleichbleibenden Ausblick. Man attestiert einerseits Erfreuliches, wie etwa die Trendwende am Arbeitsmarkt. Dem gegenüber stünde aber weiterhin ein evidenter Fachkräftemangel. Hierbei rät man: „Qualifikation ist ein wesentlicher Schlüssel; aber auch mehr Chancengleichheit sowie eine aktive, seriöse Migrationspolitik sind dringend notwendig, um diesem Trend entgegenzuwirken.”

Positiv zu bewerten ist laut der Autoren weiters die Arbeitszeitflexibilisierung, die seit September 2018 gilt. Diese mache es der „exportorientierten Industrie möglich, flexibler auf Auftragsspitzen zu reagieren und wettbewerbsfähig zu bleiben”.
Durchwegs positiv bewertet werden zudem das duale Ausbildungssystem, welches als international vorbildlich angesehen wird, sowie der sich positiv entwickelnde universitäre Sektor.
Als größte Herausforderung bleibt aber der schulische Bereich, vor allem im Elementarbereich, bestehen. Deloitte schließt: „Leider wurde in diesem wichtigen Feld oft zu ideologisch diskutiert und Bildung zu häufig ‚vererbt'. Damit verknüpft sind wichtige Themen wie Teilzeitfalle und Chancengleichheit, digitale Kompetenzen oder Fachkräftemangel. In diesen Punkten hat Österreich weiterhin Handlungsbedarf.”

Die Kosten

Ebenfalls viel Luft nach oben sieht man im Bereich der Kosten. Die Abgabenquote ist anhaltend hoch: Nach einer Erhebung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist zwar die Quote von 42,2% auf 41,8% leicht zurückgegangen, allerdings rangiert Österreich damit in allen Rankings auf den letzten Plätzen. Dazu kämen noch die Sozialbeiträge, die im OECD-Schnitt 26% betragen, in Österreich bei 35% liegen. Die von der Regierung geplante Senkung auf eine Abgabenquote von 40% wäre hilfreich – das soll bekanntlich bis 2021 in mehreren Schritten geschehen. Auch die Körperschaftssteuer wäre in der Nachbarschaft nur in Deutschland und Italien höher.

Ausruhen dürfe man sich aber keinesfalls, auch wenn es Ankündigungen gibt, etwa im Bereich der kalten Progression. Denn: „Durch die demografische Entwicklung entsteht ein akuter Handlungsbedarf. Vor diesem Hintergrund und der abflachenden Konjunktur läuft Österreich Gefahr, dass sich das Zeitfenster für eine Steuerentlastung bald wieder schließt.”
Ein gutes Zeugnis gibt es in den beiden letzten Standortfaktoren, der Digitalisierung und der Lebensqualität. Hier erreicht Österreich dann doch noch vier bzw. 4,5 Punkte. Insgesamt ergibt das einen Durchschnittswert von 3,1 von 5 Punkten – es gibt eben noch einiges an Luft nach oben.

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