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„Diverse” Perspektiven © Panthermedia.net/Rawpixel
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Susanne Wechsler 15.06.2018

„Diverse” Perspektiven

Diversität zwingt Unternehmen dazu, Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen. Das Team von Babbel.com kommt aus 52 Nationen.

Gastbeitrag ••• Von Susanne Wechsler

BERLIN. Nicht nur aufgrund des Fachkräftemangels, sondern auch durch eine stärkere internationale Ausrichtung werden die Belegschaften immer heterogener. Bei Babbel arbeiten beispielsweise aktuell Kollegen aus 52 Nationen.

Auch die Kunden werden internationaler und erwarten eine Ansprache und einen Service, die ihrem Kulturraum entsprechen. Um überhaupt die Diversität und Meinungen aller erfassen zu können, geschweige denn eine Diskussion auf Augenhöhe zu ermöglichen, sind Anpassungen im Unternehmen nötig. Allerdings ist es mit der Umstellung der Unternehmenssprache auf Englisch nicht getan; auch auf 52 Nationen stolz zu sein, reicht nicht aus.

Diversität auch im Team

Konkret stellt sich plötzlich und immer wieder die Frage, „Auf welche Werte und Normen einigen wir uns?” Diese Frage stellt sich oft in Unternehmen mit geringerer Diversität nicht. Bei Babbel wird diese Frage immer wieder auf Unternehmens- und Teamebene gestellt und gemeinsam beantwortet: Diversität zwingt Unternehmen dazu, Implizites zu hinterfragen.

Diese interne Vereinbarung, zum Beispiel Unternehmenswerte und Kommunikationsstandards explizit zu machen, haben wir als großen Gewinn wahrgenommen. Auch auf sprachlicher Ebene entwickelt Babbel die internen Trainingsangebote ständig weiter, beispielsweise aktuell als Blended-Learning-Format zwischen App und Klassenzimmer.
Unsere Kunden berichten zudem von Herausforderungen, wie das Training sein sollte: zugänglich für alle, das heißt skalierbarer als das althergebrachte Klassenzimmer, nutzbar im Innen- und Außendienst, effizient, fair, kontrollierbar, flexibel und individuell, um nur einige Anforderungen zu nennen.

Neue Lebensrealitäten

Neben den grundlegenden Vorteilen, die sich darin zeigen, dass sich Kollegen inhaltlich austauschen können, bietet sprachliche Vielfalt noch etwas, was deutlich über den Wert von wirtschaftlichem Gewinn hinausgeht: Sprache ist zentral dafür, wie wir die Welt als Individuen wahrnehmen und wie wir uns durch sie bewegen. Sprache formt uns und prägt, wie wir unsere Erfahrungen interpretieren. Die Erkenntnis, dass die eigene Perspektive nicht immer die einzig Gültige ist, zeigt sich an folgendem Beispiel: Im Englischen beziehen wir kurzfristige Zustände direkt auf uns: I am hungry, I am tired. Im Spanischen behandeln wir beide Tätigkeiten als etwas, was wir haben: tengo hambre, tengo sueño. Im Türkischen „trinkt” man die Suppe wiederum und im Hebräischen „fällt” Regen.

Vieles hängt vom Kontext ab

Nur wenn wir mehr als eine Sprache sprechen, verstehen wir, dass feste Vorstellungen und Meinungen, die wir haben, in Wahrheit zutiefst kontextabhängig sind. Unsere Perspektive ist nur eine unter vielen. Neue Sprachen schaffen einen neuen Raum für Individuen, indem sie neue Perspektiven auf Themen, Neugier sowie Empathie und Kreativität fördern. Wir sehen die Welt mit anderen Augen und erweitern unsere Vorstellungskraft.

Multiple (linguistische) Perspektiven machen also auf jeder Ebene einen Unterschied. Es ist unser kleiner Beitrag zu einer Gesellschaft, in der das Interesse an der jeweils anderen Sichtweise und die Freude am Erforschen der Unterschiede und Gemeinsamkeiten überwiegt.

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