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Mit Weiterbildung zum unternehmerischen Kantersieg Kurt Keinrath
Kurt Keinrath

Redaktion 09.06.2016

Mit Weiterbildung zum unternehmerischen Kantersieg

Gastkommentar von Wifi Österreich-Kurator Markus Raml.

WIEN. Lebenslanges Lernen – das ist längst kein Randthema mehr. Wie jüngste Umfragen zeigen, sind 94% der Österreicherinnen und Österreicher über 16 Jahren vom Wert stetiger Weiterbildung überzeugt. Immerhin ändern sich die beruflichen Kompetenzanforderungen laufend, sodass wir heute nicht wissen können, was wir morgen wissen müssen. Strukturelle Veränderungen und technologischer Fortschritt bringen mit sich, dass es bis zu 50% der heutigen Berufe in 20 Jahren nicht mehr geben wird. Und trotzdem hapert es beim lebenslangen Lernen nach wie vor an der Umsetzung: Laut Strukturindikator liegt die Weiterbildungsbeteiligung der Bevölkerung in Österreich mit nicht einmal 15% in den letzten vier Wochen vor Befragung deutlich unter der Zielquote von 20%, die wir bis spätestens 2020 erreicht haben sollten.

Zug zum Tor stärken
Wie können wir es also schaffen, die Menschen verstärkt zum Weiterlernen zu bringen und im Doppelpass Österreich als Innovations- und Wirtschaftsstandort nachhaltig zu stärken? Auf Nachfrage nennen die Österreicher selbst zwei wichtige Hürden, die es zu umdribbeln gilt: Erstens die mangelnde Bildungsdurchlässigkeit, die es etwa Lehrabsolventen erschwert, weiterführende Ausbildungen zu absolvieren. Hier gibt es schon vielversprechende Lösungen wie Universitätslehrgänge auch für Personen ohne Matura oder Berufsakademien, die jedenfalls weiter ausgebaut werden müssen. Auch der neue Nationale Qualifikationsrahmen ist ein Schritt zu mehr Durchlässigkeit, macht er doch Abschlüsse aus Schule und beruflicher Weiterbildung für Unternehmen transparent und vergleichbar.
Und zweitens wünschen sich Weiterbildungswillige und Betriebe mehr und auch einheitlichere Förderungen, die es erleichtern, Beruf und Weiterbildung zu verbinden.

Trainer mit Schlüsselposition
Es gibt noch einen dritten Punkt: Im Kern lebt erfolgreiche Erwachsenenbildung, die der österreichischen Wirtschaft einen echten Wettbewerbsvorteil verschafft, von der Expertise ausgezeichneter Trainerinnen und Trainer. ÖFB-Teamchef Marcel Koller hat unsere Nationalelf zur EM 2016 gebracht. Top-Trainer der beruflichen Weiterbildung bringen Lernende mit lebendigen und nachhaltigen Lernmethoden zum Erfolg. Ihre Rolle ist heute vor allem die eines Coaches, der Ziele vorgibt und den Weg dorthin mit didaktischer Professionalität und Wertschätzung begleitet. "Aus der Praxis für die Praxis" ist dabei die spielbestimmende Taktik: Denn wir wissen, dass Erwachsene Kompetenzen am besten mit beruflichen Fallbeispielen und selbst erarbeiteten Lösungen für das eigene Umfeld aufbauen.

In der europäischen Königsklasse mitspielen
Was die betriebliche Ebene betrifft, befinden wir uns beim lebenslangen Lernen europaweit bereits im Spitzenfeld: 71% der Unternehmen bieten Weiterbildungskurse an, was deutlich über dem EU-15-Schnitt liegt und den sechsten Platz im Länderranking ausmacht. Wie die Makam-Studie "Weiterbildung 2015" ergab, investieren Österreichs Betriebe verstärkt in Weiterbildung, um die eigene Konkurrenzfähigkeit zu steigern und sich für den nächsten Wirtschaftsaufschwung zu rüsten. Das macht durchaus Sinn: Immerhin hängen laut Experten 40% des Erfolgs eines Unternehmens an der Personalarbeit. Eine über drei Jahre laufende Führungskräfte-Studie aus der Schweiz ergab sogar, dass man mit Weiterbildung pro Jahr eine Rendite von 12,6 % erwirtschaften kann. Dies wurde durch eine betriebswirtschaftliche Investitionsrechnung ermittelt, die auf die konkreten Bildungsausgaben – in diesem Fall Coachings und Schulungen in Social Skills und Führungskompetenz – angewandt wurde.

Jetzt handeln
Nutzen wir also die Chancen, die lebenslanges Lernen dem Wirtschaftsstandort Österreich und jedem Einzelnen bieten kann! Auch die Politik kann beitragen: Ein wichtiger Anreiz wäre die längst überfällige Einführung eines bundesweit einheitlichen Bildungskontos sowie die Wiederaufnahme des Bildungsfreibetrags bzw. der Bildungsprämie für Unternehmen.

www.wifi.at

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