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Self-Leadership © Daniel Novotny

Andreas Ihl Sein Forschungsinteresse liegt am Schnittpunkt zwischen der Anwendung von Information und digitalen Technologien und dem menschlichen Verhalten. Aktuell konzentriert er sich auf Verhalten und Erfahrungen von Usern digitaler Plattformen sowie von Arbeitnehmern und Konsumenten bei der Nutzung von Informations-Systemen.

© Daniel Novotny

Andreas Ihl Sein Forschungsinteresse liegt am Schnittpunkt zwischen der Anwendung von Information und digitalen Technologien und dem menschlichen Verhalten. Aktuell konzentriert er sich auf Verhalten und Erfahrungen von Usern digitaler Plattformen sowie von Arbeitnehmern und Konsumenten bei der Nutzung von Informations-Systemen.

Redaktion 17.06.2022

Self-Leadership

Sich selbst zu führen, ist in einer zunehmend digitalen Arbeitswelt eine essenzielle Fertigkeit.

••• Von Britta Biron

KREMS. Die Studie von Andreas Ihl vom Zentrum für Spezielle Betriebswirtschaftslehre an der Universität für Weiterbildung Krems über die Rolle, die Online-Plattformen spielen, um Freelancern die Organisation ihres Arbeitsalltags zu erleichtern (oder auch schwerer zu machen), wurde beim Academy of Management (AOM) Annual Meeting 2022 in Seattle (USA)als eines der besten Papers des Konferenzprogramms ausge­zeichnet.

medianet nahm das zum Anlass für ein Gespräch mit dem Verfasser.

medianet: Selbstmotivation war für Freelancer auch in der analogen Welt wichtig. Was ist jetzt anders?
Andreas Ihl: Mit dem Aufstieg der Gig Economy sind neue, rein digitale Arbeitssettings in Form von Online-Freelancing-Plattformen entstanden, wie Upwork, Fiverr oder Clickworker, die als Vermittler zwischen Freelancern und Auftraggebern agieren. Die gesamte Interaktion wird durch die Plattform (oder App) mediiert und findet, anders als früher, rein virtuell statt.

Diese geänderten Rahmenbedingungen bieten neue Chancen, aber auch Herausforderungen. Zum einen bieten die Plattformen maximale Autonomie bezüglich Arbeitszeit und Arbeitsort und einfachen und schnellen Zugriff auf verschiedenste Projekte von Auftraggebern aus der ganzen Welt.
Zum anderen müssen es auch unerfahrene Nutzer schaffen, mit dieser neuen Freiheit umzugehen. So erfolgt die gesamte Arbeit mit wenig oder gar keiner Interaktion mit Kunden, abgesehen von einer kurzen Projektbeschreibung. Es fehlen oft zentrale Ansprech- und Sparringspartner, was dazu führt, dass sich Freelancer oft distanziert und sogar isoliert fühlen.
Auch verschwimmen aufgrund der ständigen Verfügbarkeit der Projekte sowie der räumlichen Unabhängigkeit zunehmend die Grenzen zwischen Privat- und Berufsleben. Zudem arbeiten viele Freelancer nur an einem kleinen Teil eines größeren Projekts, ohne die Zusammenhänge zu sehen. Dies kann oft frustrierend sein.

medianet: Und wie sieht das Fazit der Studie aus?
Ihl: Die zentralen Erkenntnisse zeigen, dass unter Einbezug der Analyse des Verhaltens der Freelancer auf der Plattform mittels digitaler Analysetools sowie digitaler, aktiv gesteuerter Feedbackkanäle die Überlegungen zur Unterstützung der Selbstführung in das Design der Plattform übersetzt wurden. So bietet die Plattform Designelemente, die es den Usern ermöglichen, ihr eigenes Verhalten zu reflektieren und sich kritisch damit auseinanderzusetzen.

Auch wurden Online-Communities geschaffen, in denen die Möglichkeit gegeben wird, sich auszutauschen, Schwierigkeiten zu besprechen und sich gegenseitig zu unterstützen. Weiter wurde die Plattform dahingehend erweitert, dass es ein breites Angebot an Webinaren und Weiterbildungsmöglichkeiten gibt, die Einblick in Best Practices und den Umgang mit schwierigen Situationen im Arbeitsalltag geben.
Nicht zuletzt wurden auch spielerische Elemente wie bspw. Trophäen für bestimmte Ziele, integriert, um die Nutzung der Plattform so motivierend wie möglich zu machen

medianet: Gab es Dinge, die Sie überrascht haben?
Ihl: Ja, zum einen, wie klar es in der Vision der Verantwortlichen verankert ist, dass Freelancer gezielt durch das Design der Plattform unterstützt werden müssen. Zudem ist die Menge an Ressourcen, die für die Unterstützung von Selbstführung eingesetzt werden, beachtlich. So haben sich funktionsübergreifende Teams aus User Experience Management, Marketing, Verkauf, Entwicklung und Geschäftsführung gezielt mit der Umsetzung entsprechender Features im Rahmen von Workshops und täglichen Diskussionen befasst. Dies hätten wir in diesem Umfang nicht erwartet.

medianet:
Sind die Studien-ergebnisse auch für Remote Work außerhalb der Gig Economy relevant?
Ihl: Sehr! Denn auch dort wird Arbeit in einem zunehmenden Maße virtuell und remote. Dabei gibt es immer mehr Autonomie für Arbeitnehmer, wodurch die Relevanz von Selbstführung steigt. Wir müssen Wege finden, mit dieser neuen Freiheit umzugehen und mit neuen Herausforderungen, wie zum Beispiel weniger soziale Interaktionen und das Verschwimmen von Arbeit und Freizeit, zu leben.

Gleichzeitig wird unsere Arbeit immer mehr geprägt von der Nutzung virtueller Tools. Wir agieren täglich mit einer Vielzahl an digitalen Systemen, deren Abläufe einen Großteil unseres täglichen Arbeitsalltags bestimmen. Durch gezieltes Design kann hier geholfen werden, dass auch Arbeitnehmer, die sich mit einer höheren Autotomie und weniger persönlichen Interaktionen konfrontiert sehen, Hilfestellungen bekommen, die zur besseren Selbstführung beitragen.
Wie die Studie zeigt, ist es besonders wichtig, in einem digitalen Arbeitssetting Möglichkeiten zur Selbstbeobachtung, Selbstreflektion und persönlicher Entwicklung zu eröffnen. Auch die Anreicherung der Systeme mit kleinen spielerischen oder lustigen Elementen kann in einem passenden Kontext ein Ansatz sein, um die Motivation zu erhöhen.

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