„Wir rollen den Markt der Mitarbeiter-Benefits auf”
© Edenred Österreich
CAREER NETWORK Redaktion 17.05.2024

„Wir rollen den Markt der Mitarbeiter-Benefits auf”

Drei Jahrzehnte schlummerte das Business von Edenred, eine „Corona-Reform” lässt es nun endgültig abheben.

••• Von Oliver Jonke

Die österreichische Zweigstelle des französischen Konzerns Edenred, Weltmarktführer bei steuerfreien Benefits, gibt es schon seit beinahe drei Jahrzehnten. Das Geschäftsprinzip: Arbeitgeber können ihren Angestellten kostenfrei Essensgutscheine zur Verfügung stellen. Diese sind zudem für den Arbeitnehmer steuerfrei. Doch die bis vor drei Jahren übliche Papierform machte die Ausgabe von Gutscheinen mühsam, ein enges steuerliches Korsett machte sie unattraktiv. Die Coronapandemie eröffnete dann ganz neue Möglichkeiten, erklärt Christoph Monschein, Geschäftsführer von Edenred Österreich, im Gespräch mit medianet-Herausgeber Oliver Jonke.


medianet:
Wie ist Edenred in Österreich positioniert?
Christoph Monschein: Wir sind in Österreich ein wenig bekannter Player, der sehr stark wächst und den Markt der digitalen Mitarbeiterbenefits geradezu aufräumt. Wir sind so etwas wie der schnell wachsende Underdog und haben Ende des Jahres 2020 den Turbo gezündet. Dieser Effekt ist im Rückblick auf die vergangenen drei, vier Jahre deutlich sichtbar.

medianet:
Was ist dann in den ersten Jahrzehnten passiert?
Monschein: Unser Konzern ist in 45 Ländern vertreten und wir gehen in jene Märkte, in denen steuerfreie Benefits für Mitarbeiter möglich sind. In Österreich gab es lange Zeit den Zuschuss zum Mittagessen und zu Lebensmitteln in einer sehr, sehr konservativen, Old School-Art. In der Umsetzung waren Papiergutscheine und das gesamte Handling sehr reglementiert.

In den ersten etwa 27 Jahren war das ein reines Geschäft mit dem Staat. Die Gutscheine bekamen Staatsbedienstete aller Art, im Privatsegment waren sie so gut wie gar nicht vorhanden. Das lag daran, dass die Abwicklung unglaublich kompliziert und keine Marktdurchdringung möglich war. Ende 2020, als Teil einer Corona-Regelung im Rahmen des damaligen Wirtshaus-Pakets, als auch der Umsatzsteuersatz in Restaurants vorübergehend gesenkt wurde, hat man die Regelung für steuerfreie Benefits in Österreich komplett überarbeitet. Es wurde digitalisiert, die Freibeträge wurden erhöht und die Einlösbarkeit verändert, um nur einiges zu nennen. In diesem Moment hat der Konzern entschieden, in Österreich zu investieren.


medianet:
Welche Benefits für Mitarbeiter haben Sie im Portfolio?
Monschein: In Österreich gibt es drei Produkte. Das sind der steuerfreie Zuschuss zum Mittagessen in Restaurants, für Lebensmittel und der steuerfreie Geschenkgutschein. Früher waren wir ein Papiergutschein-Dinosaurier, jetzt sehen wir uns, auch global, als Fintech. Statt physischer Produkte bieten wir nun digitale Produkte an.

Der erste Schritt der Digitalisierung ist eine aus 100 Prozent recyceltem PVC hergestellte Prepaid-Karte, eine Mastercard. Der zweite Schritt ist eine rein virtuelle Karte, also Bezahlen mit dem Smartphone. Je nach Produkt ist die Einlösbarkeit eingeschränkt. Wenn es der steuerfreie Zuschuss für Restaurantbesuche ist, kann Edenred nur in Lokalen, in Restaurant-artigen Betrieben, wie Fastfood oder ein Fleischer, der Mittagsangebote bietet, und bei Lieferdiensten verwendet werden.


medianet:
In wie vielen Restaurants kann Edenred verwendet werden?
Monschein: In Österreich verfügen wir über etwa 4.000 Partner-Restaurants, mit denen wir sehr eng zusammenarbeiten. Da sind sehr große, aber auch kleine Betriebe dabei, wir sind hier sehr regional aufgestellt. Edenred kann auch bei kleinen Dorfwirten benutzt werden. Wir sind eine Partnerschaft mit foodora, Österreichs größtem Lieferdienst, eingegangen. Das sind nochmals zusätzlich 6.000 Restaurants, die genutzt werden können.

medianet:
Und was präferieren die Nutzer?
Monschein: Das ist sehr unterschiedlich und es gibt ein Stadt-Land-Gefälle. Wir können ­beobachten, dass Wien bereits anders als Graz ist. Wenn ein Unternehmen sehr viel Home­office anbietet, dann ist der Lieferdienst sehr gefragt. Wenn ­viele Mitarbeiter ins Büro kommen, kann die Kantine beliebter sein, oder das Restaurant ums Eck.

Eine der wesentlichsten Änderungen im Steuergesetz im Jahr 2020 war, dass dieser Zuschuss nicht zu Mittag und im Rahmen von acht Euro pro Tag konsumiert werden muss. Heute kann er angesammelt und für einen Restaurantbesuch, etwa mit der Familie, verwendet werden. Das ist jetzt auch am Wochenende möglich. Eingelöst werden kann auch im Lebensmittelhandel, allerdings liegt der Steuerfreibetrag dann nicht bei acht Euro, sondern bei zwei Euro.


medianet:
Welche Unternehmen sind Ihre Zielgruppe?
Monschein: Im Prinzip ist Edenred für jedes Unternehmen, völlig unabhängig von der Mitarbeiteranzahl, relevant. Die einzige Bedingung ist, dass es unselbstständig Beschäftigte geben muss und von denen gibt es in Österreich etwa vier Millionen. Sie alle können die steuerfreien Benefits in Anspruch nehmen – vom Start-up mit einem Mitarbeiter bis zum Großkonzern mit 20.000 Angestellten.

Die Kontaktaufnahme läuft bei großen Betrieben oft über den Betriebsrat, bei kleineren, bis etwa 1.000 Mitarbeitende, über die Personalabteilung und im KMU-Bereich oft über die Geschäftsführung. Unsere Kernzielgruppe sind Personalmanager und Personalverantwortliche. Deshalb sind wir überall dort sehr präsent, wo HR-Manager anzutreffen sind. Allerdings liegt ein Problem bei der Bekanntheit dieser steuerfreien Benefits – vor zwei Jahren ergab eine Studie in unserem Auftrag, dass nur 50 Prozent der Personal­entscheider wissen, dass es diesen Steuerfreibetrag überhaupt gibt. Gerade in Zeiten einer sehr hohen Inflation und Kollektivabschlussdiskussionen sind steuerfreie Benefits aber eine sehr attraktive Lösung.


medianet:
Wie sehr vereinfacht die Umstellung auf digitale Gutscheine Ihr System?
Monschein: Dadurch wird unser Produkt extrem attraktiver, da eingelöste Gutscheine wie eine ganz normale Mastercard abgerechnet werden. Das betrifft vor allem kleinere Restaurants, die bereits über eine Mastercard-Anbindung verfügen, und hier könnten wir relativ rasch von 4.000 auf mehr als 10.000 Restaurant-Partner wachsen. Dabei möchten wir die Einlösbarkeit bis hin ins kleinste Dorf garantieren.

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