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Skilift-Betreiber sind für den Winter gewappnet © Panthermedia.net/AlexGukBO
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Redaktion 25.09.2020

Skilift-Betreiber sind für den Winter gewappnet

Franz Hörl, WKÖ-Obmann Fachverband Seilbahnen, über die konsequent erledigten Hausaufgaben.

••• Von Helga Krémer

WIEN. In der Sommersaison funktionierten die Covid-19-Maßnahmen der Seilbahnen erfreulich gut. Nun steht die Wintersaison vor der Tür und die Situation ist bedenklicher denn je. medianet bat Franz Hörl, Obmann des Fachverbandes der Seilbahnen in der Wirtschaftskammer Österreich, zum Interview und sprach mit ihm über das Thema Nummer 1.

medianet:
Die Wintersaison steht vor der Tür und Corona ist leider immer noch Thema Nummer 1. Sind die Seilbahnen vorbereitet?
Franz Hörl: Wir sind bereit. Aus den Erfahrungen der Sommersaison haben wir unsere Handlungsleitlinien für den Winter weiterentwickelt. Damit können unsere Betriebe einen sicheren und möglichst uneingeschränkten Betrieb gewährleisten. Auch wenn manches anders sein wird, wird Skifahren auch im ­kommenden Winter Spaß machen.

medianet:
Im Vergleich zur vergangenen Saison, also zur Zeit vor Corona: Was wird sich ändern? Worauf wird sich der Seilbahnbenutzer einstellen müssen? Oder einstellen dürfen, es geht ja auch um seine Sicherheit …
Hörl: Neben der notwendigen Hygiene-Infrastruktur – wie ausreichende Desinfektionsmöglichkeiten – geht es vor allem um die klassischen Verhaltens- und Sicherheitsregeln. Das Tragen eines Mund-NasenSchutzes ist in Seilbahnanlagen verpflichtend. Hier kommt uns zugute, dass ein Großteil der Beförderungen in Österreich draußen – sprich in Sessel- und Schleppliften – stattfindet und in Kabinenbahnen die kritische Zeitdauer so gut wie nicht überschritten wird. Daneben wird es Abstandsregelungen an den Stationen und bei Kassen geben. Insgesamt orientiert sich die Branche an jenen Regeln, die auch im öffentlichen Verkehr gelten. Grundsätzlich setzen wir auf Entzerrung, sprich: die rasche Verteilung der Menschen im Skigebiet und das Vermeiden von Warteschlangen an den Bahnen.

medianet: Wie wird die Sicherheit des Seilbahn-Personals bzw. der Seilbahn-Mitarbeiter gewährleistet sein?
Hörl: Hier wird es neben den üblichen Hygienevorschriften unterschiedliche Zusatzmaßnahmen geben, die von Skigebiet zu Skigebiet variieren können. Dazu zählt zum Beispiel die Möglichkeit regelmäßiger Testungen am Arbeitsplatz. Der Vorteil ist, dass in modernen Seilbahnanlagen der Kontakt zwischen Passagieren und Mitarbeitern stark eingeschränkt ist. So ist es ja heute nicht mehr notwendig, dass sich ein Mitarbeiter während der Fahrt in der Kabine befindet.

medianet:
Gondel, Sessellift, Schlepplift – haben alle das gleiche Sicherheitskonzept? Oder gibt es da doch Unterschiede?
Hörl: 85 Prozent unserer Fahrbetriebsmittel sind offen (Sessellifte, Schlepplifte, etc.) Für alle Anlagen gilt aber, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes verpflichtend ist. Ansonsten gibt es keine Reglementierungen, da zum Beispiel der Betrieb von Seilbahnen jenem von öffentlichen Verkehrsmitteln gleichgestellt ist. Sprich: Es gilt grundsätzlich die Maskenpflicht und ein Meter Abstand.

medianet: Was kann eigentlich alles als Mund-Nasen-Schutz dienen? Ich denke da an Skihelme, aber auch an den über die Nase gezogenen Rollkragen-Pulli.
Hörl: In der Branche wird intensiv an der Vermarktung und Bekanntmachung von nützlichen Tools gearbeitet. Dazu zählen vor allem die sogenannten Buffs, also Schlauchschals, die die Funktion von Masken perfekt erfüllen. Hier kommt uns zugute, dass sich diese modisch perfekt ins Skioutfit integrieren und somit weniger als Störfaktor wahrgenommen werden. Zudem bieten sie zugleich Schutz vor Schnee, Wind und Kälte.

medianet:
Wie streng wird das Vorhandensein bzw. falsches Tragen des Mund-Nasen-Schutzes kontrolliert werden? Beziehungsweise wie streng geahndet? Kommt man mit einer Ermahnung davon oder wird’s teuer? Es werden ja zwar immer öfter Masken getragen, aber schlampig, mit herausschauender Nase …
Hörl: Wir gehen davon aus, dass sich die Gäste im eigenen Interesse an die Maskenpflicht halten werden. Sollte sich jemand allerdings beharrlich weigern, so wird es die Möglichkeit geben, die Beförderung zu verweigern.

medianet: Was würden Sie ‚Ihren' Seilbahn-Fahrgästen gern mit auf die Piste, mit auf den Weg geben?
Hörl: Genau das, was sonst wichtig ist. Es wird nur gut funktionieren, wenn wir alle auf uns selbst und somit auch auf andere schauen. Möglichst viel soll im Bereich der Eigenverantwortung bleiben. De facto sind wir eine Outdoor-Branche, was die Situation sicher entschärft. In den Bahnen werden die Mitarbeiter aber mit Sicherheit konsequent auf die Einhaltung der Regeln einwirken.

medianet: Im Vergleich zu anderen Berg- oder Skinationen – was machen Österreichs Seilbahnanlagen aus?
Hörl: Österreich hat – gerade auch mit Blick auf die Covid-19-Situation – einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Dank der topmodernen Anlagen sind unsere Skigebiete noch sicherer. Denn die Gäste werden rasch und ohne lange Wartezeiten befördert. Die durchschnittliche Beförderungszeit unserer Anlagen liegt bei acht Minuten und ist damit deutlich unter der von den Experten als kritisch genannte Zeitspanne von 15 Minuten.

Das heißt, mehr Sicherheit durch geringere Wartezeiten und eine rasche Verteilung der Menschen auf den Skipisten.

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