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CRIF fragte nach © PantherMedia/Kiyoshi Takahase Segundo
© PantherMedia/Kiyoshi Takahase Segundo

Redaktion 21.09.2018

CRIF fragte nach

Der Betrug im Online-Handel in der DACH-Region nimmt weiter zu. Die Details der aktuellen CRIF-Studie.

WIEN. Mit der kontinuierlich steigenden Zahl an Online-Shops, der zunehmenden Nachfrage und dem wachsenden Umsatzvolumen geht auch eine Zunahme an professionellen und organisierten Betrugsversuchen einher. Diese sind meist schwer zu durchschauen, und die Auswirkungen für die Händler reichen von finanziellen Einbußen über hohe juristische Kosten bis hin zu Reputationsschäden.

Um das Ausmaß zu erfassen, hat CRIF eine Umfrage unter rund 130 Online- und Versandhändlern in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH-Region) zum Thema Betrug durchgeführt. Das traurige Ergebnis: Durchschnittlich 90% der Befragten gaben an, bereits einmal Opfer von Betrug bzw. eines Betrugsversuchs ­geworden zu sein; genauer waren es 97% in Deutschland, 93% in der Schweiz und 79% in Österreich.

Reale Bedrohung

Zwar gab es im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang um acht Prozentpunkte, das Ergebnis ist dennoch alarmierend und zeigt deutlich auf, dass Online-Betrug eine reale Bedrohung darstellt, die jeden treffen kann. Die Täter agieren zunehmend professionell, und der entstehende Schaden kann enorme Ausmaße annehmen. Potenzielle Betrüger anhand von verdächtigen Verhaltensmustern schon im Vorhinein identifizieren zu können, wird immer wichtiger werden.

Dazu gilt es, mit der Zeit zu gehen und entsprechende Methoden anzuwenden. Dass technische Tools wie der Device Fingerprint noch verhältnismäßig selten zum Einsatz kommen, zeigt, dass es in dieser Hinsicht noch Aufholbedarf gibt.

Betrugsfälle steigen an

Wirft man einen Blick auf die Entwicklung im letzten Jahr, so zeigt sich, dass etwa die Hälfte der Befragten aus Deutschland (52%) und Österreich (50%) während der letzten zwölf Monate einen Anstieg der Betrugsfälle erkennt. In der Schweiz teilt nur ein Viertel diese Einschätzung – während hier knapp die Hälfte (49%) kaum eine Veränderung sieht, sagen 19% der deutschen und 13% der österreichischen Online-Händler, dass die Betrugsfälle sogar stark zugenommen haben.

Verschiedene Betrugsformen

In der Schweiz (88%) und Deutschland (67%) stellt die Zahlungsunfähigkeit von Kunden das größte Problem dar; dabei ist es den Bestellern bereits beim Kauf einer Ware bewusst, dass sie die Rechnung nicht begleichen können (Zahlungsunfähigkeit) – in ­Österreich liegt hier der Anteil bei 43%.

Mit der Angabe verfälschter Namens- oder Adressdaten (Identität variiert) mussten sich bereits 63% der Befragten in der Schweiz, 62% der deutschen und 43% der österreichischen Unternehmen auseinandersetzen. Die befragten österreichischen Online- und Versandhändler sind am häufigsten von Identitätsdiebstahl betroffen. So war die Hälfte von ihnen bereits damit konfrontiert, dass sich ein Kunde als komplett andere reale Person ausgegeben hatte (Deutschland 51%, Schweiz 40%).

Enorme Schadenshöhe

Für den Großteil der befragten Unternehmen aus der DACH-Region lag – wie bereits im Vorjahr – der höchste, je erlittene Einzelverlustbetrag durch Betrugsfälle unter 5.000 EUR bzw. CHF (Schweiz 81%, Deutschland 70%, Österreich 50%).

Allerdings haben sowohl in Österreich (2018: 25%, 2017: 8%) als auch in Deutschland (2018: 20%, 2017: 12%) und der Schweiz (2018: 14%, 2017: 10%) heuer deutlich mehr Unter­nehmen angegeben, auch Verluste zwischen 5.000 und 10.000 EUR bzw. CHF erlitten zu haben.
Während im Jahr 2017 keiner der österreichischen Befragten den höchsten Verlust mit einem Betrag zwischen 10.000 und 25.000 EUR angab, waren es heuer 13%.
Gefragt nach der gesamten Schadenssumme, die in den letzten zwölf Monaten entstanden ist, lag diese für 74% der Schweizer, 50% der Österreicher und 34% der Deutschen unter 5.000 EUR bzw. CHF. Allerdings erlitten in Deutschland insgesamt 52% der Online-Händler einen Verlust von mehr als 10.000 EUR, in Österreich waren es 39% und in der Schweiz 10% .

Schwierigkeiten

Im Zuge der Umfrage wurden die Online- und Versandhändler auch nach den drei größten Schwierigkeiten in Bezug auf Betrug im Online-Handel gefragt. Dabei stellten sich insgesamt die Bestimmung von Methoden zur Betrugsvorbeugung, das Erkennen von Risiken und das Finden des richtigen Kosten-Nutzen-Verhältnisses als die größten Herausforderung für die Befragten heraus.

Das größte Problem für die Schweiz ist es heuer – mit 62% –, das richtige Kosten-Nutzen-Verhältnis zu finden. Im letzten Jahr lag der Wert nur bei 51%. Die Bestimmung von Methoden zur Vorbeugung gegen Betrug erweist sich sowohl für deutsche (46%) als auch für österreichische (50%) Online-Händler als größte Schwierigkeit.

Gesetzte Maßnahmen

In vielen Fällen können Betrugsfälle verhindert werden, vorausgesetzt, dass Auffälligkeiten rechtzeitig erkannt werden. Der Großteil der befragten Onlineshop-Betreiber führt deshalb Maßnahmen zur Erkennung von Online-Betrug durch – 97% in Deutschland und 96% in der Schweiz, in Österreich sind es nur 78%.

In allen drei Ländern ist es nach wie vor gängige Praxis, dass Mitarbeiter verdächtige Bestellungen manuell überprüfen (Schweiz: 79%, Deutschland: 64%, Österreich 50%). Zudem wird häufig mit eigenen Kundenlisten gearbeitet; Device Fingerprint und Transaktionstools kommen hingegen nur in vergleichsweise geringem Maße zum Einsatz.
Insgesamt geben rund 43% der befragten Online- und Versandhändler an, weitere Maßnahmen zur Betrugserkennung zu planen. In Österreich sind es 56%, gefolgt von Deutschland mit 53% und der Schweiz mit nur 19%. Einen Rückgang ­gegenüber dem Vorjahr gab es dabei in Österreich, nämlich um 27 Prozentpunkte und in der Schweiz um 29 Prozentpunkte. Mehr als die Hälfte der Händler in Österreich (56%) und der Schweiz (54%) führen die Maßnahmen zur Betrugs­bekämpfung firmenintern durch, in Deutschland sind es 30%.

Fazit für die Online-Händler

Durch eine Verknüpfung und Auswertung unterschiedlicher Kundendaten ist es möglich, gewisse Muster zu erkennen, die von der Norm abweichen und somit schon im Vorhinein auf etwaige Auffälligkeiten im Verhalten des Kunden hinweisen. Mit dem Credit Check Consumer und dem Fraud ­Prevention Kit verfügt CRIF über die passenden ­Werkzeuge, um unterschiedliche Typen von Betrügern in Echtzeit zu ­identifizieren. Das erlaubt es den Betreibern von Online-Shops, reagieren zu können, noch bevor ein Schaden entsteht.

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