Der Chefsessel ist eine reine Männerdomäne
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FINANCENET Redaktion 27.02.2026

Der Chefsessel ist eine reine Männerdomäne

Unter den 55 im WBI enthaltenen österreichischen Unternehmen steht keine einzige Frau an der Spitze.

•• Reinhard Krémer

Frauen sind in den Füh­rungseta­gen österrei­chi­scher börsen­notier­ter Unternehmen weiterhin deutlich unterrepräsentiert. 2026 steht kein einziges Unternehmen im ATX unter weiblicher Führung. Auch im erweiterten Kreis der im Wiener Börse Index (WBI) gelisteten Unternehmen findet sich keine Frau als CEO. Der eben präsentierte erste Merit-Report macht sichtbar, wie langsam sich gemischte Führung in Österreich entwickelt. Anders gesagt: Strukturelle Muster wirken stärker als gute Vorsätze.

Vorstände oft ohne Frauen
Ausgangspunkt der Analyse war eine einfache Frage: Wie kann es sein, dass es im ATX keine Frau als CEO gibt? Die Erwartung, zumindest im größeren Kreis der börsennotierten Unternehmen weibliche Vorstandsvorsitzende zu finden, erfüllte sich nicht. Die Auswertung zeigt:  Unter den 55 im WBI enthaltenen österreichischen Unternehmen steht keine Frau an der Spitze.  Darüber hinaus gibt es weiterhin zahlreiche Unternehmen, in deren Vorstand keine einzige Frau vertreten ist. Bezeichnend auch ein Detail am Rande: Peter ist der häufigste Vorname unter Österreichs Vorstandsmitgliedern. „Wir wollen mit Daten und Diskurs dafür sorgen, dass gemischte Führung schneller Realität wird. Denn wir können es uns nicht leisten, auf die Hälfte der Talente zu verzichten“, sagt Ulrike Farnik, Gründerin und Vorstand von  Merit Austria.

Der Bericht dokumentiert die Geschlechterverteilung in Vorständen und Aufsichtsräten der 55 im WBI enthaltenen österreichischen börsennotierten Unternehmen – darunter auch die ATX-Gesellschaften. Als besonders öffentlichkeitswirksame Unternehmen kommt ihnen eine Vorbildfunktion für den Wirtschaftsstandort Österreich zu.

Belastbare Ausgangsbasis
Mit dem erstmals veröffentlichten Ranking liegt nun eine belastbare Ausgangsbasis vor, anhand derer die Entwicklung in den kommenden Jahren systematisch nachvollzogen werden kann. Der Bericht soll künftig jährlich erscheinen.
„Seit vielen Jahren zeigen seriöse Studien, dass gemischte Teams in der Wirtschaft auf allen Ebenen nachweislich erfolgreicher performen. Merit will mit einer regelmäßigen Bestandsaufnahme nicht nur Bewusstsein schaffen, sondern auch gezielt Unternehmen ansprechen. Das unterstütze ich als Beirätin“, sagt Maria Rauch-Kallat, ehemalige Bundesministerin und Beirätin von Merit Austria.

Transparenz auf einen Blick
Für Klarheit sorgt die Einteilung der Merit-Liste in grüne, gelbe und rote Bereiche. Sie macht auf einen Blick deutlich, welchen Unternehmen die Umsetzung gemischter Führung bereits gelingt und wo noch deutlicher Aufholbedarf besteht. Die Systematik orientiert sich an der Methodik der AllBright-Stiftung und ermöglicht damit eine Vergleichbarkeit mit Deutschland und Schweden.

Die Analyse basiert auf öffentlich zugänglichen Informationen von Unternehmenswebseiten, Geschäftsberichten und Pressemitteilungen. Im Rahmen der Qualitätssicherung wurden sämtliche im Bericht erfassten Unternehmen kontaktiert, um die Richtigkeit der unternehmensbezogenen Angaben zu überprüfen.

Meritokratie als Zielbild
Merit Austria setzt sich für Meritokratie in Führung ein – also dafür, dass Führungspositionen nach Leistung, Kompetenz und Potenzial vergeben werden. Ziel sind ausgewogene Führungsteams aus Frauen und Männern als Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg und gesellschaftliche Zukunftsfähigkeit.

„Gemischte Führungsteams sind kein Selbstzweck, sie verbessern Entscheidungen, erhöhen die Resilienz von Organisationen und machen es wahrscheinlicher, dass die besten Talente bleiben und wachsen können“, so Jakob Ehrenbrandtner, Vorstand von Merit Austria. Der erste Merit-Report markiert dafür einen Ausgangspunkt – und legt zugleich offen, wie groß der Handlungsbedarf weiterhin ist.

Download des Berichts unter:
https://merit-austria.at/report

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