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Der Finanzmarkt wird weiblicher © Panthermedia.net/SIphotography

Bei Investments setzen die Österreicherinnen nach wie vor auf Sparbücher, Girokonten, Bausparverträge und Lebensversicherungen – auch wenn sie keine Rendite mehr bringen.

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Bei Investments setzen die Österreicherinnen nach wie vor auf Sparbücher, Girokonten, Bausparverträge und Lebensversicherungen – auch wenn sie keine Rendite mehr bringen.

Redaktion 30.10.2020

Der Finanzmarkt wird weiblicher

Hello Financial Future Report Women zeigt: Österreichs Frauen werden beim Thema Finanzen jetzt aktiver.

••• Von Reinhard Krémer

WIEN. Die finanzielle Situation der Österreicherinnen – Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Investment – ist mit jener der Männer nicht vergleichbar: Denn 20% haben ein monatliches Netto-Einkommen von 1.000 € und darunter, leben also am Existenzminimum.

Anderseits heißt das aber auch: 62% haben aktuell oder künftig Geld für Investments, zum Beispiel durch Ersparnisse. Denn: Rund einem Drittel der Frauen bleibt jeden Monat etwas von ihrem Einkommen übrig.

Geld zur Seite legen

Und 14% würden bei einer kleinen Einschränkung Reserven haben. Weitere 14% brauchen ihre gesamten Ersparnisse auf bzw. müssen sich verschulden. Der finanzielle Status quo der Österreicherinnen sieht damit so aus: Sechs von zehn Frauen können regelmäßig Geld zur Seite legen – zehn Prozent sogar höhere Geldbeträge. Vier von zehn haben jedoch zu wenig zum Sparen bzw. Investieren.

Diese Ergebnisse lieferte der „Hello Financial Future Report | Women”, eine repräsentativen Umfrage der Hello bank!, durchgeführt von Ipsos Austria im September 2020 unter 1.000 Österreicherinnen zwischen 18 und 55 Jahren.

Mehrheit hat eigenes Konto

Im Hinblick aufs Konto zeigen sich die Österreicherinnen emanzipiert: Immerhin haben 84% der befragten Frauen ihr eigenes Konto, auch wenn sie in einer Partnerschaft leben.

Über Geld sprechen Frauen im engeren Familien- und Freundeskreis. Je älter Frau ist, desto eher spricht sie mit niemandem darüber. Jüngere sind hier offener und ungezwungener. 66% der Österreicherinnen, die in einer Partnerschaft leben, treffen finanzielle Entscheidungen gemeinsam mit dem Partner/der Partnerin. 37% entscheiden alleine über ihre Finanzen. Und 29% machen das sogar ganz ohne Beratung.

Zeit fürs Geld aufwenden

Nach eigener Einschätzung beschäftigen sich Frauen monatlich eine Stunde und 40 Minuten mit ihren Finanzen, das sind 3,3 Minuten pro Tag. 58% sind der Meinung, dass sie damit genau richtig liegen.

Aber satte 31% wissen, dass sie hier noch Aufholbedarf haben – keine große Überraschung: 48% derer, die unzufrieden mit ihrer Geldanlage sind, beschäftigen sich auch zu wenig damit.
Österreichs Frauen legen Wert auf finanzielle Selbstständigkeit: 86% sind der Meinung, dass sie über ihre Finanzen selbst bestimmen sollten. Und 81% sind überzeugt, dass die Geldanlage sicher sein muss. Risikofreudiger sind hier die Jungen. Für 80% bedeutet Geld Freiheit und Unabhängigkeit. 58% haben jedoch ein Vertrauensproblem, wenn es um die Beratung bei Geldfragen geht. 38% würden ihr Geld anders investieren, wenn sie mehr Wissen zu Finanzthemen hätten.

Wenn Wissen Macht ist

Alarmierend: Das eigene Know-how in puncto Geld schätzen nur 17% als sehr gut oder gut ein – 14% der Generation X (Jahrgänge zwischen 1965 und 1975) und 24% der Generation Z (Jahrgänge zwischen 1997 und 2012).

36% wissen, dass ihre Bildung in Bezug auf Finanzen und Investments weniger gut bzw. gar nicht gut ist. Dies liege an traditionellen Rollenbildern und mangelndem Interesse an Wirtschaftsthemen. Sechs von zehn Frauen würden gerne mehr übers Sparen, Anlegen und Investieren wissen, bei den jüngeren sogar acht von zehn. Und 38% der Frauen sagen, dass sie ihr Geld anders investieren würden, hätten sie mehr Know-how punkto Finanzen.
Österreichs Frauen sind mit ihren Aktivitäten hinsichtlich einer Zukunfts-gerichteten Geldanlage mittelmäßig zufrieden. Zufriedener sind Berufstätige, jene, die sich etwas zur Seite legen können und Frauen mit mehr Finanzwissen.

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