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Die Inflation ist zurück – was Anleger tun können © PantherMedia / Andrey Popov
© PantherMedia / Andrey Popov

Redaktion 06.05.2022

Die Inflation ist zurück – was Anleger tun können

Experten sagen, wie es nun weitergehen könnte und wie man den Wertverlust des Ersparten bremst.

••• Von Reinhard Krémer

WIEN. Was während der letzten Jahrzehnte schon fast völlig in Verges­senheit geraten war, kam nun mit voller Wucht zurück: Die Inflation ist wieder auferstanden. Im März wurde der höchste Wert seit 40 Jahren in Österreich gemessen, gleichzeitig verharren die Zinsen auf einem tiefem Niveau.

Die Experten der Raiffeisen Centrobank (RCB) nehmen das aktuelle Umfeld zum Anlass, Möglichkeiten aufzuzeigen, die zur Verfügung stehen, um einerseits den Wertverlust des Ersparten zu bremsen und andererseits Marktchancen zu erkennen und zu nutzen.
„Das Niedrigzinsumfeld der vergangenen Jahre hat sein Übriges dazu beigetragen, um Gelder auf Sparbüchern oder -konten anzuknabbern. Was wir allerdings jetzt sehen, ist die höchste Inflation seit Jahrzehnten”, sagt Heike Arbter, Mitglied des Vorstands der Raiffeisen Centro Bank (RCB).
„Das führt dazu, dass Erspartes sprichwörtlich aufgefressen wird. Wer beispielsweise vor zehn Jahren 10.000 Euro auf einem Sparkonto angelegt hat, hat heute einen Wert von 8.121 Euro zur Verfügung. Der reale Wertverlust ist enorm”, so die RCB-Expertin.

Gekommen, um zu bleiben

Hinzu kommt nunmehr die noch weiter steigende Inflation, die sich nach Ansicht der RCB noch länger halten wird. Selbst ein prognostizierter Anstieg des Zinsniveaus kann daher die Inflation nicht zur Gänze abfedern.

Die Zinsen werden weiterhin unter der Inflationsrate bleiben. Auch die gestiegene Unsicherheit – ausgedrückt in einer erhöhten Volatilität – an den Aktienmärkten kann so manchen Anleger nervös machen. Für Zertifikate gilt in solchen Phasen jedoch, dass sich besonders interessante Möglichkeiten ergeben können.

Zertifikate als Polster

„Gerade für Anleger, die in der Vergangenheit Berührungsängste mit Wertpapieren hatten, ist die Zeit gekommen, sich mit Produkten vertraut zu machen, die den realen Wertverlust des Angesparten stoppen können. Zertifikate zählen für mich zu jenen Produkten, die es lohnt, sich näher anzusehen – egal ob mit der Bankberaterin oder dem Bankberater des Vertrauens oder in Eigenrecherche. Wichtig ist, den Zeitpunkt zu handeln nicht zu übersehen”, sagt ­Arbter.

Wie’s jetzt weitergeht

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat in ihrer jüngsten Notenbanksitzung bekräftigt, die Geldpolitik ab dem dritten Quartal 2022 zu normalisieren. Der Einlagezins liegt auf seinem bisherigen Niveau von minus 0,5% und die Leitzinsen bei 0%.

Die weitere Entwicklung der Konjunktur und die jeweils aktuelle Datenlage werden von der EZB als Barometer für weitere Entscheidungen herangezogen. Es wird vor allem davon abhängen, ob es zu einem Energieembargo gegen Russland und somit zu einer Rezession durch eine Energiekrise kommt, meinen die Analysten des Salzburger Bankhauses Spängler.

Keine harte Landung

So ist trotz hoher Inflation die zögerliche Haltung der EZB zu erklären. Man möchte eine Zinserhöhung in einer wirtschaftlichen Abschwächung möglichst vermeiden. Die EZB plant weiterhin ein Ende der Nettoanleihekäufe für das dritte Quartal. Höhere Leitzinsen sind derzeit erst nach dem Ende der Anleihekäufe geplant und dies auch in Abhängigkeit von der Datenlage.

Das Dilemma der EZB

Der europäischen Notenbank ist jedoch bewusst, dass die Kerninflation mit drei Prozent mittlerweile deutlich über der zwei Prozent-Marke liegt. Dies bestärkt sie, die Anleihekäufe auch wirklich zu beenden.

Die hohe Inflation spricht eigentlich für eine schnelle Straffung der Geldpolitik. Dies könnte allerdings die durch den Ukrainekrieg ohnehin belastete Wirtschaft weiter schwächen, was eher für eine Fortsetzung der lockeren Geldpolitik sprechen würde.

Kommt nun die Stagflation?

Einige Ökonomen warnen ­bereits vor einer Stagflation, also einer Kombination aus hoher Inflation und wirtschaftlicher Stagnation.

Sollte es zu keiner Energiekrise und einer Rezession kommen, sind Zinserhöhungen im dritten und vierten Quartal 2022 sowie im ersten Quartal 2023 möglich.
Über diesen Zeitpunkt hinaus könnte es zu einer Zinspause kommen, da eine sichtbare Konjunkturverlangsamung und eine geringere Inflation den Zinsanhebungsdruck abschwächen. Das Abwarten der Europäischen Zentralbank ist erklärbar, jedoch auch riskant, denn die Inflation kann trotz einer schwachen Konjunktur weiter steigen, wenn die Geldpolitik zu expansiv ist.
Mit Blick auf die gestiegene Unsicherheit in Europa durch den Angriff Russlands auf die Ukraine hält sich die EZB alle Optionen für eine flexible Geldpolitik offen, sind die Spängler-Experten überzeugt.

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