FINANCENET
Grün ist nicht mehr fad und ungeliebt © APA/AFP
© APA/AFP

Redaktion 30.11.2018

Grün ist nicht mehr fad und ungeliebt

Nachhaltige Investments wachsen zweistellig – Ausstieg aus der Carbon-Industrie gibt kräftigen Schub.

••• Von Reinhard Krémer

Die Zahlen sprechen für sich: Der Markt für nachhaltige Kapitalanlagen wächst – verglichen mit nicht-nachhaltig gemanagten Kapitalanlagen – überproportional stark. Die DACH-Region – Deutschland, Österreich und die Schweiz – spielt hier eine wichtige Rolle. Allein in diesen drei Märkten waren per Ende 2017 knapp 200 Mrd. € nachhaltig investiert.

Mit einem Anlagevolumen von rund 14,6 Mrd. € hat die Summe nachhaltiger Geldanlagen über Investmentfonds (inkl. Mandaten) auch in Österreich 2017 einen neuen Rekordwert und ein Plus von 16% erreicht; das entsprach einem Anteil von 8,4% am gesamten von heimischen Investmentfonds verwalteten Vermögen von 175,4 Mrd. €.

Rückenwind aus der EU …

Nachhaltige Geldanlagen insgesamt, bei denen ökologische, soziale und Governance-bezogene Kriterien explizit berücksichtigt werden, konnten in Österreich im Vorjahr erneut zweistellige Zuwachsraten verzeichnen und sind laut Erhebungen des Forums für Nachhaltige Geldanlagen (FNG) 2017 um zwei Mrd. € von 13,2 auf 15,2 Mrd. € beachtlich gestiegen.

24% der nachhaltigen Geldanlagen befinden sich im Besitz privater Investoren, die restlichen 76% halten institutionelle Anleger. Auch von Brüssel – und zwar sowohl von der EU-Kommission als auch vom EU-Parlament – gehen inzwischen starke Signale in Richtung Nachhaltigkeit im Finanzmarkt aus. Die EU-Kommission hat einen EU-Aktionsplan für ein nachhaltiges Finanzwesen entworfen und damit einen Fahrplan für eine stärker vernetzte und implementierte nachhaltige Finanzwirtschaft vorgelegt.

… für CO2-neutrale Wirtschaft

Damit hat die nachhaltige Finanzwirtschaft die Rolle für eine Transformation in eine CO2-neutrale Wirtschaft zugewiesen bekommen und nimmt dadurch einen wichtigen Platz bei der erfolgreichen Umsetzung dieser Zukunftsstrategie ein.

„Die Finanzwirtschaft steht in der Pflicht, beim Thema Nachhaltigkeit in Verantwortung zu gehen. Der Hebel der Finanzindustrie ist enorm, als nachhaltige Investments können Kapitalveranlagungen Positives bewirken und Unternehmen und Staaten zum Umdenken bewegen”, sagt Dieter Aigner, Geschäftsführer der Raiffeisen KAG. Bei Raiffeisen werden bereits zehn Prozent – oder rund 3,2 Mrd. € – des Gesamtvolumens nachhaltig ­gemanagt.

Neuer Megatrend braucht Zeit

Dass es in Zukunft nur noch nachhaltige Investments geben wird, ist derzeit noch eine Vision. Wenn die Entwicklung – unterstützt von der Politik – jedoch so weitergeht, könnte diese Vision in einigen Jahr(zehnt)en Realität werden.

Aigner: „Nachhaltigkeit ist keine Modeerscheinung, sondern ein Megatrend, der auch ins Asset Management Eingang gefunden hat. Fakt ist, dass schon derzeit in vielen traditionell gemanagten Fonds nachhaltige Investmentkriterien mit einfließen. Diese Entwicklung wird sich sicherlich weiter fortsetzen.” Der schlechte Ruf nachhaltiger Investments, nämlich geringere Renditen als traditionelle Finanzprodukte zu erzielen, ist längst passé: Mittlerweile widerlegen viele – auch langfristige – wissenschaftliche Untersuchungen dieses Vorurteil.

Nachhaltig ist gesund

„Ein grünes Investment sehen wir als genauso ertragreich an, wie eine herkömmliche Anlage. Denn aufgrund der zusätzlichen Informationen zur Nachhaltigkeit von Unternehmen kann – z.B. über eine genauere Risikoeinschätzung – die Performance mitunter sogar positiv beeinflusst werden”, sagt Wolfgang Pinner, Leiter Nachhaltige Investment in der Raiffeisen KAG.

Oft stelle sich Nachhaltigkeit sehr schnell als Qualitätsmaß für Unternehmen und Emittenten heraus, denn eine gute Bewertung bei der Stakeholder-Analyse, bei der überprüft wird, wie das Unternehmen mit Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten, der Umwelt, etc. umgeht, läuft sehr häufig parallel zu einer guten Bonität und einer gesunden Unternehmensentwicklung.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL