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So wird das Finanzjahr 2019 © PantherMedia/luca de polo
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Redaktion 14.12.2018

So wird das Finanzjahr 2019

Nur noch wenige Tage bis zum Jahreswechsel – wie geht es mit Konjunktur und Börse weiter? Ein Blick in die Glaskugel.

••• Von Reinhard Krémer

WIEN. Nicht nur Anleger werfen einen bangen Blick auf den Kalender und fragen sich, wie es mit den Märkten und der Wirtschaft nächstes Jahr nach den Turbulenzen der letzten Wochen weitergeht. medianet fragte Experten.

Keine Rezessionsgefahr

Bei der Erste Asset Management sieht man Anzeichen, dass die Weltwirtschaft im Jahr 2019 einen etwas langsameren Gang einlegt. Eine Reihe von wichtigen Frühindikatoren deutet auf eine graduelle Abschwächung des realen globalen Wirtschaftswachstums hin.

Das Niveau bleibe aber gut und mit einem prognostizierten Wert von etwa 3,25% über dem langfristig zu erwartenden Wert. Aktien bleiben der Favorit unter den Anlageklassen: „Die jüngste Kurskorrektur an den internationalen Aktienbörsen führt dazu, dass die Bewertungen im Vergleich zu den erwarteten Unternehmensgewinnen wieder fair sind”, sagt Erste AM-Anlage­chef Gerold Permoser.
Im Euroraum sieht er kein Umfeld stark steigender Leitzinsen. Mit Blick auf 2019 meint der Experte, dass die regionalen Unterschiede in der Performance abnehmen werden. Vieles spreche für eine breit diversifizierte, global ausgerichtete Aktienstrategie.
Zwar sei die Anzahl der Länder mit sinkendem Wachstum gestiegen, aber keine einzige Wirtschaft zeige ein negatives Wachstum seines Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die Gefahr einer Rezession im nächsten Jahr sei daher sehr gering, sagt Heinz Bednar, Vorsitzender der Geschäftsführung der Erste Asset Management.
Bei Aktien sind die Bewertungen nach dem jüngstem Rückschlag wieder realistisch, meint Marc Brütsch, Chefökonom Swiss Life. Der Ölpreis sorgt für niedrigere Inflationsraten: „Bis Ende Jahr kommt die Inflation in den USA und der Eurozone wieder unter zwei Prozent zu liegen.” Turbulenzen werden die Anleger auch im nächsten Jahr begleiten: Gerade in Europa bleiben die Märkte im Würgegriff der Politik, meint der Swiss Life-Experte.
China wird seine Stimulierung in den kommenden Monaten erhöhen, um eine weitere Abschwächung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt aufzufangen, so Bürtsch. Und: „Für 2020 erwarten wir nur ein moderates Wachstum der Weltwirtschaft.”

Die USA kühlen ab

„Die US-Wirtschaft wird 2019 an Schwung verlieren und voraussichtlich sogar in eine – wenngleich auch nur milde und kurze – Rezession zur Jahresmitte 2020 abrutschen. Dazu tragen ausufernde fiskalische Impulse bei, aber auch die schwächere Investitionsdynamik aufgrund des niedrigeren Ölpreises sowie der Außenhandel angesichts eines stärkeren US-Dollars”, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer.

Die Erwartung ist, dass das Wirtschaftswachstum in den USA im Jahresdurchschnitt 2020 auf nur 0,7% zurückgehen wird, nach 2,4% 2019.

Starker Konsum in Österreich

„Österreich begegnet der globalen Abschwächung mit einer soliden Binnennachfrage, insbesondere einer anhaltenden Stärke des Konsums, und wird für die kommenden zwei Jahre die Wachstumsdynamik sowohl im Euroraum als auch in Deutschland übertreffen”, meint UniCredit Bank Austria-Ökonom Walter Pudschedl. „Nach fast zwei Prozent 2019 erwarten wir für 2020 ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent. Damit wird der Anstieg des BIP erstmals seit vier Jahren Hochkonjunktur wieder knapp unter Potenzial zum Liegen kommen.”

Die gute Nachricht für alle Kreditnehmer: „Es wird kaum Spielraum für eine Straffung der Geldpolitik im Euroraum geben: Nur eine Anhebung des Leitzinssatzes 2020 auf 0,25 Prozent durch die EZB ist zu erwarten”, so Bruckbauer.

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