HEALTH ECONOMY
Die Pharmabranche hat eine neue Nummer eins © PantherMedia/billiondigital
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Redaktion 14.02.2020

Die Pharmabranche hat eine neue Nummer eins

Pharmariesen legen ihre Bilanzen vor und präsentieren nicht nur Rekorde. Es gibt auch einen Wechsel an der Spitze.

••• Von Martin Rümmele

Es gibt eine neue Nummer eins am Pharmamarkt: Das Schweizer Unternehmen Roche hat mit einem kräftigen Umsatz- und Gewinnsprung im abgelaufenen Jahr den US-Riesen Pfizer überflügelt, der umgekehrt Verluste hinnehmen musste. Insgesamt zeigt sich, dass die Branche im Vorjahr großteils kräftige Zuwächse erreichte und auch 2020 gut Aussichten hat.

Der Schweizer Pharmakonzern Roche ist dank seiner jüngeren Medikamente im Geschäftsjahr 2019 weiter gewachsen und hat den Gewinn markant gesteigert. Der Umsatz stieg 2019 um 8% auf umgerechnet 57,3 Mrd. €. Zu konstanten Wechselkursen ergab sich ein Plus von 9%, wie Roche mitteilte. Dabei wuchs vor allem der Umsatz der Pharmasparte – er legte um 10% zu. Das gute Abschneiden verdankt Roche vor allem den neueren Produkten wie dem MS-Mittel Ocrevus, dem Immun-Therapeutikum Tecentriq und auch Hemlibra zur Behandlung der Bluterkrankheit. Sie alle haben 2019 mit Umsätzen von teilweise deutlich mehr als einer Mrd. € einen Blockbuster-Status erreicht.

Druck auf alte Produkte

Unterdessen setzten Nachahmerprodukte dem ehemaligen Dreiergespann MabThera/Rituxan, Herceptin und Avastin weiter zu, deren Umsatz eingebrochen ist. Die kleinere der beiden Sparten, das Diagnostics-Geschäft, setzte 2019 rund 13 Mrd. CHF um, ein Plus von 1%. Auf der Gewinnseite konnte Roche ebenfalls zulegen. So stieg der Konzerngewinn um 32% auf 14,1 Mrd. CHF.

Stark gewachsen ist auch der Baseler Konkurrent Novartis. Im Vorjahr betrugen die Erlöse 43,1 Mrd. € – ein Plus von 9%. Unterm Strich stand aber mit 11,7 Mrd. USD um 7% weniger Gewinn. Zurückzuführen ist das unter anderem darauf, dass 2018 ein Spartenverkauf Geld gebracht hatte. Novartis profitierte vor allem von kräftig anziehenden Erlösen beim Mittel Cosentyx gegen Schuppenflechte – der mit 3,6 Mrd. USD inzwischen umsatzstärksten Arznei – und dem Herzmedikament Entresto: Sie schnellten währungsbereinigt um 28 und 71% hoch. Die Generika-Tochter Sandoz, der zuletzt Preisdruck für Nachahmer-Medikamente in den USA zu schaffen gemacht hatte, fasste wieder Fuß: Der Umsatz wuchs um 2% auf 9,7 Mrd. USD.

Abspaltungen als Trend

Im abgelaufenen Jahr steigerte auch die britische GSK den Umsatz um zehn Prozent auf 33,75 Mrd. £. Der Überschuss stieg um 28% auf mehr als 4,6 Mrd. £. Bereinigt um Sondereffekte, hätte er gut 4% betragen. Für 2020 rechnet der Konzern aber mit einem Minus – die teure Entwicklung neuer Arzneimittel werde das Ergebnis belasten. Außerdem soll die Abspaltung des Geschäfts mit rezeptfreien Medikamenten GSK bis zu 824,7 Mio. € kosten.

Der US-Pharmakonzern Merck & Co will ebenfalls mehrere Bereiche in ein neues Unternehmen ausgliedern. Der Fokus soll künftig auf den wichtigsten Wachstumssäulen liegen. Dazu gehört auch das Geschäft mit Frauengesundheit sowie das mit Nachahmermedikamenten.
Die Neuaufstellung soll bis zum Ende des ersten Halbjahres 2021 abgeschlossen sein. Merck will dabei weiter vom Wachstum bei Krebsmedizin, Impfstoffen und Tiergesundheit profitieren.
Das Vorgehen ist in der Branche nicht neu: Im vergangenen Jahr gliederte Pfizer im Rahmen eines ähnlichen Schritts einige seiner älteren Blockbuster-Medikamente in einem neuen Unternehmen aus und tat sich dabei mit dem Generikariesen Mylan zusammen. 2019 setzte Merck & Co 46,8 Mrd. USD um – ein währungsbereinigtes Plus von 13%.
Der französische Pharma­riese Sanofi wiederum setzte im Jahr 2019 mehr als 36 Mrd. € um, das ist ein Plus von fast 3%.
Die Franzosen hatten Ende vergangenen Jahres einen Strategiewechsel in ihrem Diabetesgeschäft angekündigt, nachdem Sanofi den Markt für Insulin fast zwei Jahrzehnte dominierte. Seit Jahren kämpft das Unternehmen aber mit hohem Preisdruck in dem Geschäft, weshalb die Forschung im Bereich Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingestellt werden soll. Im Gegenzug soll etwa das Geschäft mit Krebsmedikamenten ausgebaut werden.

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