HEALTH ECONOMY
Im Lockdown gingen viele krank zur Arbeit © PantherMedia/Elnur
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Redaktion 25.09.2020

Im Lockdown gingen viele krank zur Arbeit

Aus Angst vor Jobverlust haben während des Lockdowns bis zu 60% der erkrankten Menschen dennoch gearbeitet.

••• Von Martin Rümmele

WIEN/LINZ. Während der heißen Phase des Lockdowns sind bis zu zwei Drittel der Beschäftigten trotz gesundheitlicher Beschwerden arbeiten gegangen. Das zeigt der Österreichische Arbeitsklima-Index. Dazu kommt: Viele Beschäftigte nehmen aufgrund der hohen Belastungen Medikamente, um überhaupt zur Arbeit gehen zu können, berichtet Johann Kalliauer, Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich, die die Analyse regelmäßig macht. Kalliauer fordert: „Wer krank ist oder Symptome aufweist, soll ohne Angst um den Job daheimbleiben können.”

Spitzen von April bis Juni

Das Phänomen ist an sich nicht neu: In Krisenzeiten neigen die Beschäftigten eher dazu, krank zur Arbeit zu gehen. Schon während der Wirtschaftskrise in den Jahren 2008 bis 2010 sind zwischen 37 und 45% der Beschäftigten krank zur Arbeit gegangen. Doch diesmal war es besonders arg: In den Monaten Jänner bis März 2020 gaben 47% der Beschäftigten an, in den vergangenen sechs Monaten trotz eingeschränkter Gesundheit gearbeitet zu haben, zwischen April und Juni waren es sogar 65%. Erst seit der Jahresmitte ist wieder ein Rückgang auf 32% zu vermerken. Am öftesten gehen Beschäftigte in Pflegeberufen und im öffentlichen Dienst sowie Techniker und Büroangestellte krank zur Arbeit; hier liegt der Anteil bei mehr als 60%.

Die gesundheitlichen Folgen: Viele der Betroffenen haben Muskelverspannungen, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und Schlafstörungen. Um trotz gesundheitlicher Beeinträchtigungen zur Arbeit gehen zu können, griffen im bisherigen Verlauf des heurigen Jahres drei Viertel aller Arbeitnehmer in Österreich zu Schmerzmitteln, 14% nahmen Schlaf- und Beruhigungsmittel, rund sechs Prozent leistungssteigernde Substanzen. Während Frauen und ältere Arbeitnehmer eher Schmerzmittel nehmen, greifen Männer und Jüngere häufiger zu Aufputsch- und Beruhigungsmitteln. Häufigste Gründe, Medikamente zu nehmen, sind psychische Belastungen, Zeitstress und lange Arbeitszeiten. Wer psychisch belastet und gestresst ist, greift deutlich häufiger zu Medikamenten als Personen ohne psychische Belastungen und Zeitstress.

Homeoffice ohne Einfluss

Kaum Einfluss auf den Medikamentenkonsum hatte das Homeoffice während der heißen Phase der Coronakrise. Einzig Beschäftigte, die von zu Hause arbeiteten und Kinder zu betreuen hatten, griffen deutlich häufiger zu Medikamenten als alle anderen Beschäftigten. „Auf Dauer kann es nicht gut gehen, dass die Menschen krank zur Arbeit gehen oder sich mit Medikamenten vollpumpen, um den Arbeitsalltag zu bewältigen warnt Kalliauer.

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