Krieg trifft Pharma
© APA/AFP/Murtaja Lateef
Durch die massiv gestiegenen Erdölpreise explodieren die Transportkosten für die täglichen Medikamentenauslieferungen.
HEALTH ECONOMY Redaktion 27.03.2026

Krieg trifft Pharma

Der Krieg im Nahen Osten könnte auch Lieferketten bei Arzneimitteln treffen. Gleichzeitig starten KV-Gespräche.

•• Von Martin Rümmele

WIEN. Am Dienstag fand die erste Verhandlungsrunde für die rund 50.000 Beschäftigten der Chemischen und Pharmazeutischen Industrie statt. Sie stehen unter schwierigen Voraussetzungen. Die Arbeitgeber sehen die Industrie seit mehreren Jahren unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Hohe Energiepreise, gestiegene Arbeitskosten und eine schwache Konjunktur hätten dazu geführt, dass sich Teile der Branche bereits seit längerer Zeit in einer schwierigen wirtschaftlichen Phase befinden, teilt der Fachverband der Chemischen Industrie mit. „Geopolitische Spannungen beeinflussen Energie- und Rohstoffmärkte, gleichzeitig führen globale Überkapazitäten und internationale Handelskonflikte zu weiterem Wettbewerbsdruck.

Die Gewerkschaften sehen das anders: „Trotz dem angespannten allgemeinen wirtschaftlichen Umfeld, weisen die Kennzahlen auf eine Stabilisierung der Branche hin. Sowohl die Wertschöpfung als auch die Produktionsleistung und Auftragslage haben sich positiv entwickelt“, betonen die Verhandler der Arbeitnehmerseite. Gleichzeitig nehmen aber Warnungen vor den Folgen des Krieges im Nahen Osten zu. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) weist auf erhebliche Störungen bei Luft- und Seetransporten hin und warnt, dass sich daraus ein erhöhtes Risiko für Arzneimittelengpässe entwickeln kann. Gemeinsam mit den Mitgliedstaaten überwacht die EMA laufend die Versorgungslage.

Großhandel rüstet sich
In Österreich bereiten sich deshalb die Arzneimittel-Vollgroßhändler für den Fall eines länger andauernden Konflikts vorsorglich auf Unterbrechungen und Verzögerungen in der Lieferkette vor. „Unsere 23 Arzneimittellager sind aktuell mit über 14 Millionen Packungen sehr gut gerüstet. Jeder Betrieb hat Notfallpläne. Diese sind wichtig, weil wir Teil der kritischen Infrastruktur in Österreich sind“, sagt Phago-Generalsekretärin Monika Vögele. Die erste unmittelbare Betroffenheit durch den Krieg im Nahen Osten zeigt sich bereits: „Durch die massiv gestiegenen Erdölpreise explodieren uns gerade die Transportkosten für die täglichen Medikamentenauslieferungen an die Apotheken.“

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