HEALTH ECONOMY
Österreicher spielen mit im globalen Pharmakarussell
Martin Rümmele 10.04.2015

Österreicher spielen mit im globalen Pharmakarussell

Übernahmen Weitere Milliardendeals heizen Konzentrationsprozess in der Arzneimittelbranche an

Wiener Biotech-Firma Nabriva Therapeutics sammelte rund 110 Mio. Euro bei Investoren ein.

Die Pharmaforschung wird zunehmend aufwendig; Konzerne setzen deshalb auf Kooperationen und Zukäufe.

Wien. Einmal in Gang gesetzt, gibt es im globalen Übernahmekarussell der Pharmabranche derzeit offenbar kein Halten. Viele Unternehmen haben die Kassen prall gefüllt, versuchen Steuern zu sparen und gleichzeitig die teilweise noch immer dürftigen Forschungspipelines zu füllen. Davon profitieren nun auch österreichische Unternehmen. Das Wiener Biotech-Unternehmen Nabriva Therapeutics hat nun rund 120 Mio. USD (110,6 Mio. €) bei Investoren eingesammelt. Die Finanzierungsrunde habe aus zwei Tranchen bestanden, teilte die Anwaltskanzlei Wolf Theiss am Mittwoch mit. Wolf Theiss hat mit der US-Kanzlei Cooley die Investoren bei der Transaktion beraten.

Spezielle Antibiotika

Mit dem Geld soll das Produkt Lefamulin in die dritte klinische Testphase gebracht, und weitere Medikamente entwickelt werden. Die Nabriva Therapeutics AG ist auf die Entwicklung von Pleuro-mutilin, eine neue Art von Antibiotika, spezialisiert. Mit dem Mittel sollen ernsthafte Infektionen, die durch resistente Bakterien ausgelöst werden, bekämpft werden können.Angeführt wurde die Finanzierungsrunde von den US-Investoren Vivo Capital und Orbimed, die damit auch in den Nabriva-Aufsichtsrat einziehen werden. Zu den weiteren Geldgebern zählen EcoR1 Capital, Boxer Capital von Travistock Life Sciences sowie die bereits präsenten Investoren HBM, Phase 4 Partners, Wellcome Trust, GLSV und Novartis Venture Fund.Nabriva wurde 2006 von der Novatis-Tochter Sandoz abgespalten. Vorläufer war das 2001 von Sandoz gegründete Wiener Antibiotika-Forschungszentrum „Antibiotic Research Institute” (ABRI). In einer ersten Finanzierungsrunde vor neun Jahren wurden 42 Mio. € von mehreren internationalen Inves-toren eingesammelt. Parallel kann der Schweizer Pharmakonzern Roche mit einem Zukauf in den USA sein Krebsgeschäft ausbauen: Die Schweizer sicherten sich nun die Mehrheit an der Gentest- und Analysefirma Foundation Medicine (FMI). Die FMI-Eigner boten Roche 62,8% aller Anteile zum Kauf an; davon will der Basler Konzern nun gut 80% zum Preis von 50 USD je Aktie erwerben. Nach einer geplanten Kapitalerhöhung kommen die Schweizer dann auf einen Anteil von knapp 57% an FMI. An der Börse ist die Gesellschaft insgesamt gut 1,3 Mrd. € wert.

Merck und Pfizer kooperieren

Dem deutschen Pharma- und Chemiekonzern Merck wiederum winken zusätzliche Erlöse aus seiner Zusammenarbeit mit Pfizer bei Krebsmedikamenten. Merck und der US-Pharmariese einigten sich auf die Grundlagen zur gemeinsamen Vermarktung des Pfizer-Krebsmittels Xalkori.Im zweiten und dritten Quartal solle diese in den USA, Kanada, Japan und fünf europäischen Ländern, darunter Deutschland, beginnen, im kommenden Jahr folgen China und die Türkei. Merck erhalte in diesem Jahr eine Kos-tenerstattung für seine Vermarktungsaktivitäten. Ab 2016 wird das Unternehmen zu 20% an den Gewinnen beteiligt und diese in seinen Gesamterlösen verbuchen.Merck und Pfizer hatten Ende 2014 eine milliardenschwere Allianz bei Krebsmitteln geschmiedet. Die beiden Unternehmen wollen zusammen Medikamente auf den Markt bringen, die das körpereigene Abwehrsystem dazu bringen sollen, bösartige Tumore zu bekämpfen. Die sogenannte Immuntherapie gilt derzeit als eines der heißesten Felder der Krebsmedizin.

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