HEALTH ECONOMY
Pandemie bremst Vorsorgemedizin © PantherMedia/FancyStudio

Regelmäßige Koloskopien könnten pro Jahr 4.500 Darmkrebserkrankungen verhindern.

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Regelmäßige Koloskopien könnten pro Jahr 4.500 Darmkrebserkrankungen verhindern.

Redaktion 02.04.2021

Pandemie bremst Vorsorgemedizin

Monatsschwerpunkt Magen- & Darmgesundheit – Teil 1: Die Zahl der Krebs-Vorsorgeuntersuchungen ist gesunken.

••• Von Katrin Pfanner

WIEN. Durch regelmäßige Koloskopien wären an die 4.500 Darmkrebserkrankungen jährlich in Österreich vermeidbar. Angesichts der Tatsache, dass rund jeder zweite Darmkrebs-Patient an der Erkrankung stirbt, seien das rund 2.250 Menschenleben, die gerettet werden könnten, betont die Selbsthilfe Darmkrebs. In Zeiten von Corona sei die Bereitschaft zur Darmkrebs-Vorsorge noch weiter gesunken.

Vorsorge ab 50 wichtig

Für Menschen ab dem 50. Lebensjahr werden die Kosten der Vorsorge-Koloskopie von den Krankenkassen übernommen. Allerdings nehmen nach wie vor nur rund zehn Prozent der Österreicher im betreffenden Alter das Angebot auch wahr, hieß es. Hinzu kommt nun die Coronavirus-Pandemie. „Wir müssen leider damit rechnen, dass die Anzahl der Vorsorge-Darmspiegelungen im Jahr 2020 um etwa 40 Prozent zurückgegangen ist –das ist eine aus unserer Sicht inakzeptable Entwicklung”, warnte Helga Thurnher, Präsidentin der Selbsthilfe Darmkrebs.

„Vor allem im ersten Lockdown ab März 2020 wurden generell nur Notfälle behandelt und auch Koloskopien nur bei Vorliegen eines konkreten Verdachts im Einzelfall durchgeführt”, sagte der Wiener Endoskopie-Spezialist Friedrich Anton Weiser. „Wir gehen dementsprechend davon aus, dass eine große Zahl krankhafter Veränderungen, die wir sonst hätten entdecken können, nicht aufgefunden wurde.”
Aufgrund organisatorischer Vorkehrungen sowie der Einhaltung strikter Hygienemaßnahmen seien Aufenthalte in Arztpraxen und Spitälern auch in Corona-Zeiten weitestgehend sicher. „Nehmen Sie Vorsorgeuntersuchungen wahr und kommen Sie auch während der Pandemie zu Ihren Behandlungen”, appellierte Leopold Öhler, Leiter der 1. Medizinischen Abteilung für Onkologie und Hämato-Onkologie im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Wien. „Erkennung und Entfernung von Darmkrebs-Vorstufen und frühen Darmkarzinomen können Leben retten”, betonte auch die Chirurgin Katayoun Tonninger-Bahadori, die Leiterin des Endoskopie-Referats der Ärztekammer für Wien ist.

Früherkennung rettet Leben

Mehr als 10.000 Frühkarzinome oder deren unmittelbare Vorstufen konnten in den vergangenen Jahren endoskopisch entfernt und damit vielen Menschen aufwendige Therapien, Kummer und Leid erspart werden, berichtet die Österreichische Krebshilfe, die seit 19 Jahren mit der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH) an Österreichs Frauen und Männer appelliert, die Darmkrebsvorsorge ab 50 ernst zu nehmen. Die Krebshilfe hat nun die beiden Gratis-Broschüren „Darmkrebsvorsorge” und „Darmkrebs” neu aufgelegt.

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