INDUSTRIAL TECHNOLOGY
Die 5G-Pionierband-„Schlacht” ist geschlagen © SPÖ/Christian Fürthner

Live-Betrieb Wiens Bürgermeister Michael Ludwig testete 5G am Drei Firmengelände in Wien-Floridsdorf. Links Drei-CEO Jan Trionow.

© SPÖ/Christian Fürthner

Live-Betrieb Wiens Bürgermeister Michael Ludwig testete 5G am Drei Firmengelände in Wien-Floridsdorf. Links Drei-CEO Jan Trionow.

PAUL CHRISTIAN JEZEK 29.03.2019

Die 5G-Pionierband-„Schlacht” ist geschlagen

Sieben Bieter erhalten Nutzungsrechte um rund 188 ­Mio. Euro; 2020 folgt des Schauspiels nächster Teil.

••• Von Paul Christian Jezek

Die EU sieht 80 bis 100 MHz als effizienten Wert an, um drahtlose, breitbandige 5G-Dienste einzuführen. Bei der soeben finalisierten Pionierband-Vergabe von 3,4 bis 3,8 GHz haben die drei heimischen Mobilfunker A1 (140 MHz), T-Mobile (110 MHz) und Drei (100 MHz) durchgehende Frequenznutzungsrechte in allen zwölf ausgeschriebenen Regionen gewonnen.

„Wir sind damit in der europäischen 5G-Spitzengruppe, was Zeitpunkt der Vergabe, Frequenzmenge und Ausstattung der Betreiber angeht”, kommentiert Johannes Gungl von der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR). „Das war ein erster, sehr erfolgreicher Schritt in Richtung einer raschen Umsetzung von 5G in Österreich.”
Knapp drei Wochen dauerte die Ermittlung des Marktwerts der Frequenznutzungsrechte: Dieser beträgt 187,7 Mio. €, die Bieter investieren zwischen 1,8 und 64,3 Mio.
Laut Gungl sorgte das gewählte Vergabedesign „für eine Stärkung des Wettbewerbs im Telekommunikationssektor”. Ein Anbieter von Mobilfunkdiensten, der sich bislang nur in fremde Netze einmietete (Mass Response, 30 MHz), sicherte sich Nutzungsrechte an Frequenzen in Niederösterreich und im Burgenland, und drei regionale Breitbandanbieter erhielten Lizenzen in OÖ (Liwest, 80 MHz), Salzburg (Salzburg AG, 40 bzw. 80 MHz) und in der Steiermark (Holding Graz, 40 bzw. 50 MHz).

Erfolgreiche Konsultationen

Gerade das Band 3,4 bis 3,8 GHz sieht Gungl für die regionale Versorgung sehr gut geeignet: „Wir wollten den Wirtschaftsstandort stärken und die Endkunden schnell und gut anbinden. Und dazu leisten unterschiedliche Anbieter auch schon bisher ihren jeweiligen Beitrag.” Der zweite Schritt, der für die Versorgung entscheidend ist, beginnt mit der Multibandvergabe 2020.

„Mit der heurigen 5G-Pionierband-Vergabe konnten wir die Faktoren Innovation, Wirtschaftsstandort und Wettbewerb stärken. Die Multibandvergabe im Frühjahr 2020 bringt 5G dann in die Fläche”, verweist Gungl auf die aktuell schon intensiven Vorarbeiten zu dieser zweiten Vergabe. Wie schon bei der nun abgeschlossenen Vergabe, bei der zwei sehr intensive Konsultationen mit Stakeholdern aus der Branche durchgeführt wurden und die auch maßgeblich das Vergabedesign beeinflussten, will die RTR auch bei der Multibandvergabe stark auf Dialog setzen.
„Österreich ist eines der ­ersten Länder, das den neuen Mobilfunkstandard ausrollt”, sagte Digital- und Wirtschaftsministerin Margarete ­Schramböck bei einer Pressekonferenz am 26. März. „Das ist wichtig, um bei der Digitalisierung an die Spitze zu kommen. Neue Technologie zieht immer auch zusätzliche Wertschöpfung und Innovation an. Gerade für unsere Start-up-Landschaft ist das ein wichtiger Impuls. Wir haben von unserer Vorreiterrolle beim 3G-Standard profitiert und wir wollen auch bei 5G vorne statt nur dabei sein.”

A1 & T-Mobile sind schon aktiv

Den höchsten Anteil am vergebenen Spektrum hat sich mit rund 29% die A1 Telekom Austria AG gesichert. „Wir entwickeln bereits jetzt gemeinsam mit Partnern und Experten Dienste, welche die Technologie von 5G nutzen und Wirtschaft und Bevölkerung einen deutlichen Mehrwert bringen”, sagt dazu Marcus Grausam, CEO von A1 Österreich. Den Kaufpreis von mehr als 64 Mio. € finanziert A1 aus dem laufenden Cashflow. „Wir setzen auf den langjährigen Partner Nokia, mit dem wir bereits in der Vergangenheit zahlreiche Großprojekte erfolgreich umgesetzt haben. Nun ist der Startschuss für den österreichweiten Ausbau das A1 5G-Netzes gefallen, das neue Anwendungswelten eröffnen und Geschäftsmodelle transformieren wird.”

Nach intensiven technischen Tests hat A1 5G-Anwendungen für die Industrie präsentiert und Österreichs erstes Campus-Netzwerk für den Flughafen Wien implementiert.
In Gmünd, der ersten 5G-Stadt Österreichs, wurde bereits im Jänner die erste Datenübertragung im A1 Netz durchgeführt.

5G-Pionier-Gemeinden

T-Mobile Austria mit rund 28% des Spektrums hat bereits die ersten 5G-Mobilfunkstationen in Betrieb genommen.

Die 5G-Pionier-Gemeinden sind dabei Feichtendorf (Kärnten), Hochstrass, Hohenau an der March (beide NÖ), Innsbruck (Tirol), Kaindorf an der Sulm, Kalsdorf bei Graz, Kapfenberg (alle drei Steiermark), Kirchbichl (Tirol), Loosdorf (NÖ), Oberhofen am Irrsee (OÖ), Pirka (Steiermark), Ried im Innkreis (OÖ), Seefeld, Serfaus, St. Johann in Tirol (alle drei Tirol), Villach (Kärnten) und Wartberg im steiri­schen Mürztal.

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