INDUSTRIAL TECHNOLOGY
Industrie-Forderung: Forschung outputorientierter ausrichten © Günther Peroutka

Georg Kapsch

© Günther Peroutka

Georg Kapsch

Paul Christian Jezek 31.08.2017

Industrie-Forderung: Forschung outputorientierter ausrichten

"Wir müssen immer die ganze Innovationskette betrachten", fordert Georg Kapsch.

ALPBACH. „Österreichs Unternehmen – und hier vor allem die Leitbetriebe – sind wesentlicher Treiber für Innovationen im Land“, betonte der Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Georg Kapsch, bei den Alpbacher Technologiegesprächen. „Allein die 270 Leitbetriebe leisten rund die Hälfte der privaten Investitionen in Forschung und Entwicklung in Österreich; damit sichern sie einerseits qualitativ hochwertige Arbeitsplätze im Land und andererseits fungieren sie als Innovationslokomotiven und Türöffner, die KMU und Start-ups erfolgreich mitziehen.“

Da der internationale Wettbewerb ständig steigt, sei es umso wichtiger für attraktive Standortfaktoren – auch im Zukunftsbereich Forschung, Technologie und Innovation – zu sorgen. Mit der Erhöhung der Forschungsprämie habe die Politik ein richtiges und wichtiges Signal gesetzt. „Dennoch: Ich bin überzeugt davon, dass Österreich mehr kann. Wir müssen uns intensiver auf unsere Stärkefelder fokussieren. Das Land braucht noch weitere forschungsintensive Unternehmen“, so Kapsch. Wesentliches Ziel müsse daher sein, den Standort attraktiv zu gestalten, um neue und zusätzliche internationale Betriebe nach Österreich zu bringen.

Weg vom „Input-Fetischismus“
Kritisch sieht der IV-Präsident, dass Kreativpotenziale oftmals nicht umgesetzt werden. Um bessere und stabilere Brücken zwischen Grundlagen- und angewandter Forschung zu schaffen, um Ideen erfolgreich auf den Markt zu bringen, plädiert die Industrie für eine weitere Verbesserung der Kooperation zwischen Hochschulen und Unternehmen sowie zwischen den Forschungseinrichtungen untereinander. Ebenso müsse die Profilbildung der Universitäten vorangetrieben werden.

„Außerdem muss sich die Forschungspolitik von ihrem ‚Input-Fetischismus‘ verabschieden und den Output mehr in den Mittelpunkt ihrer Strategie stellen. Wichtiger ist, Gelder zielgerichtet zu investieren“, erklärte Kapsch. Bei der Forschungsfinanzierung kritisiert die Industrie die Fragmentierung und Kleinteiligkeit. „Österreich benötigt kritische Programmgrößen und Initiativen mit internationaler Sichtbarkeit sowie ein innovationsförderndes Ökosystem“, bemängelte der IV-Präsident die falsche politische Schwerpunktsetzung in Österreich: „Nicht das Geld fehlt, wir haben ein strukturelles Problem. Wir müssen einen deutlich stärkeren Fokus auf zukunftsbezogene Staatsausgaben – wie Forschung und Bildung – setzen, anstelle vergangenheitsbezogene Ausgaben immer weiter zu erhöhen.“

Keine digitalen Horrorszenarien
„Die Digitalisierung entwickelt sich seit 20 Jahren; neu ist die Dynamik, die sie bekommen hat“, betonte der IV-Präsident. „Die Frage, die wir uns dabei stellen müssen, ist, wie die Wertschöpfungsketten künftig, in einer vernetzten Welt, aussehen werden und wie die Klein- und Mittelbetriebe erfolgreich eingebunden werden können. Zusätzlich müssen wir kritisch hinterfragen, wie attraktiv der Wirtschaftsstandort Österreich ist und sein wird. Denn gerade mobile Unternehmen investieren viel in Forschung und Entwicklung, leisten hohe Investitionen und schaffen Arbeitsplätze, die es in Österreich zu halten gilt“, plädierte Kapsch dafür, dass die Digitalisierung nicht in Horrorszenarien verfallen dürfe. „Wir müssen sie als Chance für Europa verstehen. Denn Länder mit einem hohen Digitalisierungsgrad weisen eine weit niedrigere Arbeitslosigkeit auf, als Länder mit einer geringen Digitalisierung.“ (pj)

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