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Industriestandort mit Reinraum-Ambitionen © Infineon
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Redaktion 17.01.2020

Industriestandort mit Reinraum-Ambitionen

Eine Umfrage der Industriellenvereinigung Kärnten deckte Unzufriedenheit auf, zeigte aber auch positive Aspekte.

••• Von Paul Christian Jezek

Mehr als 40% der Kärntner Industrie­unternehmen können der Standortpolitik im Bun­des­land nichts abgewinnen. „Das Standortmarketing wird sogar von über 60 Prozent negativ beurteilt”, legt Timo Springer, Präsident der Industriellenvereinigung Kärnten, das Ergebnis einer Umfrage unter Mitgliedsbetrieben (51 Firmen mit 12.704 Beschäftigten) auf den Tisch.

Das sei eines hoch entwickelten Industriestandorts unwürdig – umso mehr, als die Bewertung der Standortpolitik gegenüber der letzten derartigen Umfrage 2016 noch einmal deutlich schlechter wurde.

Der „Zentralraum” fehlt

Gar nicht zufrieden sind die befragten Unternehmen laut Springer mit den Chancen der Standortentwicklung im Sinne eines attraktiven, überregional ausstrahlenden wirtschaftlich-industriellen Zentrums.

Alarmierende fast zwei Drittel finden, dass Kärnten keinen solchen Zentralraum besitzt. Das könne leider auch nicht durch überragend gute Werte in den Bereichen gesellschaftliche Stabilität und gute Lebens- bzw. Arbeitsbedingungen (jeweils fast 100% Zustimmung!) wettgemacht werden – Kärntens negative Wanderungsbilanz spreche da eine deutliche Sprache.
Springer fordert daher erneut eine offensive Zentralraumstrategie der „Twin-City” Klagenfurt-Villach ein.
Jene Zeiten, als man sich verzettelte, seien vorbei. Nur ein starker, urban geprägter Zentralraum werde die Subzentren in den Bezirken überlebensfähig machen; Springer sieht hier konkreten Handlungsbedarf in zunächst drei Bereichen:

• In Bildung und Forschung durch Etablierung eines Uni-FH-Campus und der Konzentration der angewandten Forschung im Zentralraum
• Im Öffentlichen Verkehr über einen kundenfreundlichen Verkehrsverbund
• In der Betriebsansiedlung durch u.a. den Ausbau von Wertschöpfungsketten und ein Start-up Ökosystem.

Es gibt auch gute Nachrichten

Springer räumt allerdings auch ein, dass es Bereiche gebe, in denen deutliche Fortschritte erzielt wurden. Offenbar zeigen Ankündigungen und Bemühungen, Verfahren zu beschleunigen bzw. die Verwaltung servicefreundlicher zu gestalten, Wirkung: 43% der befragten Betriebe finden, dass Verfahren rasch abgewickelt werden; 2016 lag dieser Wert noch bei 15%, also bei weniger als der Hälfte.

Bei der Infrastruktur habe sich vor allem die Verkehrsanbindung im Bereich „Straße” dramatisch verschlechtert, so Springer. „Optimal” sehen sich nur noch 37% der Betriebe versorgt, 2016 lag der Wert noch bei 72%. Leicht schlechter wird die Bahn gesehen, ebenso das Breitband-Internet. Die Flugverbindungen werden sogar leicht besser eingeschätzt als in der letzten Befragung.

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