INDUSTRIAL TECHNOLOGY
Weltneuheiten und Patente © Knapp AG
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Redaktion 22.03.2018

Weltneuheiten und Patente

Niederösterreichs Textilindustrie setzt auf Innovation und Nachhaltigkeit

ST. PÖLTEN. Um der starken Konkurrenz aus dem Ausland zu trotzen, setzt die Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Lederindustrie (TBSL) auf Spezialisierung und Qualität. „Im letzten Jahr ist unsere Produktivität in Österreich um rund sechs Prozent gestiegen, obwohl wir in Niederösterreich ein leichtes Minus an Betrieben und Mitarbeitern hinnehmen mussten. Bei den Lehrlingszahlen verzeichnen wir ein leichtes Plus“, erklärt Helmut Müller, Fachvertretungsvorsitzender in der NÖ Wirtschaftskammer und Plant Manager der Firma Huyck Austria GmbH in Gloggnitz. Dies zeige auch, „dass in letzter Zeit eine Erneuerung des Maschinenparks stattgefunden haben muss, ansonsten wäre eine Produktionssteigerung nicht möglich gewesen“.

Die Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Lederwarenindustrie in Niederösterreich besteht derzeit aus 46 Betrieben, die 3.249 Mitarbeiter beschäftigen, wovon 46 in Ausbildung stehende Lehrlinge sind. „Obwohl sich die Wirtschaft wiederbelebt und auch die Kaufkraft steigt, überwiegt in unserer Branche nach wie vor der Import den Export“, sagt Müller. Die ausländischen Erzeuger, insbesondere aus den Billiglohnländern, würden stark auf den europäischen und damit auch österreichischen Markt drängen. Auch der schwankende Dollarkurs trage das Seine zum starken Konkurrenzdruck bei.

Intelligente Textilien

„Entscheidend ist daher, dass sich die Branche noch mehr spezialisiert und Nischenprodukte herstellt“, betont der Wirtschaftskammer-Experte. Als Beispiel nennt er die Smart Textiles Plattform Austria - www.smart-textiles.com. „Hier handelt es sich um intelligente Textilien, die etwa bei Sportlern die Herzfrequenz übertragen oder die im Krankenhaus erkennen können, wenn sich jemand eingenässt hat“. Damit habe die österreichische Textilindustrie Alleinstellungsmerkmale gewonnen, die ihr am internationalen Markt eine Vorreiterrolle verschaffen. So konnte zwischen dem österreichischen Bundesheer und dem Fachverband TBSL ein Kooperationsvertrag unterzeichnet werden. Er regelt den Informationsaustausch über den jeweiligen Stand der technischen Entwicklungen, der Produktion und der Qualitätssicherung in der Bekleidungs- und Textiltechnik.

Als wichtigen Faktor für die Zukunft nennt Müller auch die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter. So hat die HTL- Spengergasse in Wien 5, Abteilung Wirtschaftsingenieur -Technisches Management ab dem Schuljahr 2017/18 eine Zusatzqualifikation eingeführt, die in Modulen abläuft. Was die Lehrlingsausbildung und den Lehrlingsstand betrifft, der um sechs Lehrlinge oder 15 Prozent gestiegen ist, „werden wir noch mehr in die Schulen gehen und den jungen Menschen die Augen dafür öffnen, dass ein Beruf in der Textilindustrie reich an Aufstiegsmöglichkeiten ist“, so Müller.

Gute Gründe für eine Lehre

Einen Paukenschlag setzt die Wirtschaftskammer branchenübergreifend mit dem Projekt www.lehre-respekt.at. Hier werden vier gute Gründe für eine Lehre angeführt.
• Rein ins Leben – Weniger aus Büchern, mehr vom Leben lernen: 80 % der Lehrausbildung spielen sich in der betrieblichen Praxis ab
• Jobeinstieg statt Schulalltag – Vom ersten Tag Berufserfahrung, mit jedem Jahr mehr Verantwortung
• Einkommen statt Taschengeld – Leistung bringen, die honoriert wird
• Fachkarriere statt Akademikerschwemme – Fast jede 3. Führungskraft in Österreich hat mit einer Lehre angefangen

„Schauen wir doch bei Zeiten, dass der Fortbestand unserer Unternehmen durch qualifizierte Mitarbeiter gesichert ist“, wünscht sich Müller. „Denn wenn ich in Zukunft keine geeigneten Mitarbeiter habe, muss ich auf kurz oder lang meinen Betrieb schließen.“ Mit Bezug auf seine Branche stellt er fest, dass die österreichische Textilindustrie zu den traditionsreichsten Industriezweigen zählt und internationaler Innovationsführer in hoch spezialisierten Bereichen ist. „Wir entwickeln regelmäßig Weltneuheiten und Patente“, sagt er. Beispielweise das erste energiesparende Handtuch der Welt, das 36 Prozent Wasser und Strom sowie 30 Prozent Prozesschemie einspart. Gewebt wurde es im Waldviertel. (pj)

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