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Profi allein zu Hause … © Vitra

Mit dem Vitra-Sitzsystem Soft Work rückt das Sofa ins Zentrum der Arbeitswelt (o.). Die Soundsticks von Offecct sorgen für Schallabsorption (r.). Zum Reflektieren gedacht: der Hängesessel Colgante von Viva Mexico Chair (o.r.).

© Vitra

Mit dem Vitra-Sitzsystem Soft Work rückt das Sofa ins Zentrum der Arbeitswelt (o.). Die Soundsticks von Offecct sorgen für Schallabsorption (r.). Zum Reflektieren gedacht: der Hängesessel Colgante von Viva Mexico Chair (o.r.).

Jürgen hoffmann 02.10.2020

Profi allein zu Hause …

Homeoffice ist plötzlich in aller Munde – und sorgt für vielfältige Lernprozesse. Hilfreich dabei: flexible Büromöbel.

Wien. Es gibt Kollegen, die fragen sich schon: Wieso liefert der Mann so schnell? Was hat er, was wir nicht haben? Die Antwort: Ich arbeite aus dem Cockpit heraus. Das sorgt auch im Homeoffice für so manche Poleposition, und für den einen oder anderen Start-Ziel-Sieg. Das Cockpit heißt auch genau so: Cockpit. Es handelt sich um einen Bürosessel aus der Riege „Gemeinsam stärker”. Denn er entstammt einer Kooperation von Poltrona Frau mit Ferrari, was sich erstens als spannende Symbiose zweier unterschiedlicher Design-DNAs und zweitens in Form vielfältiger Details niederschlägt.

Beispiel Verstellmechanismus der Rückenlehne und der Sitzhöhe: Die Schwenkvorrichtung interpretiert mechanische Komponenten des Lenkrades. Der mittlere Sitzbereich weist wieder die typische Form von Autositzen auf, und Außenschalen aus gegossenem Carbon entstammen der automobilen Welt. Farbtöne und Finish-Lösungen der Lederpols­terungen wurden ebenfalls mit den Vorgaben des Ferrari Design Centers abgestimmt und basieren auf dem maßgeschneiderten Personalisierungsprogramm Tailor Made, deren Haute Couture-Konfigurationen Ferrari-Fahrer längst zu schätzen wissen. Und nun eben auch Homeoffice-Hengste. Einen dazu passenden Executive-Traum von Desktop empfehle ich übrigens auch: Die sinnlich-cleane Cartesiano von i4Mariani, der auch zu Hause zeigt, wo der Chef wohnt.

Startpunkt Open Office

Um besonders luxuriöse Ausreißer innerhalb des Homeoffice handelt es sich dabei aber schon. Gilt es hier in der Regel doch, eine taugliche Gratwanderung zwischen privater Wohnumgebung und den Funktionalitäten der Bürowelt zu schaffen. Dass über die letzten Jahre das Open Office im Mittelpunkt stand, kommt diesem Anspruch ein gutes Stück weit entgegen. Open Office, das inkludiert fluide Designkonzepte, weich gerundete Kanten und Ecken, nahtlose Übergänge von dynamischer Bewegung, kommunikativen Zonen und konzentriertem, gut abgeschirmtem Rückzug. So fügen sich – eigentlich für Großraum gedachte – Bucht-Lösungen und nonterritoriale Konzepte nun auch perfekt in private Wohnbereiche. Beispiel Bene: Während etwa eine Kollektion wie Delta by Bene dank sympathischer Holzunterkonstruktion und strukturierender Farbkonzepte wohnliche Funktionalität betont, kommen weitere intelligente Ideen dem vielleicht doch beengtem Platzangebot des Homeoffice entgegen. So verfolgt Designer Thomas Feichtner die Verschmelzung von Privatem und beruflichem Alltag im Rahmen des bewährten Programms Studio by Bene mittels „Double Top” – dem Prinzip der doppelten Tischplatte. Das erweitert nicht nur die Ablagefläche, sondern bedient auch die Doppelexistenz von Job und Privat – unter Berücksichtigung des psychologischen Ausnahmezustands – unter einen Hut, sprich: auf zwei sauber getrennte Tischplatten zu bringen. Weil Individualität auch mit individueller Organisation und Strukturierung zu tun hat, unterstützen Studio Accessoires eine persönliche Form der Ordnung.

Retro-Romantik

My way: Zum Mantra der Individualisierung, der im privaten Umfeld besonders intensiv gehuldigt wird, passt auch die Neuvermählung von Designklassikern und Heimarbeitsplatz. Stylishe Sitzmaschinen wie Cosm führen dann das Erbe des Aeron-Erfinders Herman Miller weiter, und aktuell überarbeitete Klassiker wie Marc Newsons kompromissloser Aluminium Chair outen sich als gut stapelbares Büro-Backup. USM Haller setzt lieber auf „Bundles” – Produktkombinationen, mit denen das ikonische Schweizer System in Zeiten der Pandemie Homeoffice-Pakete propagiert und den Kitos M-Schreibtisch mit klassischem Sideboard aus dem USM-Möbelbausystem Haller verbindet. Eine Welt für sich stellt auch Thonets jüngster Tisch „Hommage à Marcel Breuer” dar. Designer Jörg Schellmann dazu: „Gefragt, ein Thonet-Möbel neu zu interpretieren, fiel meine Wahl sofort auf den Breuer-Stahlrohrschreibtisch S 285 mit seiner perfekt ausbalancierten Asymmetrie. Ich entschied mich, ihn zu updaten, indem ich seinen Schubladenkorpus durch drei einfache gewerbliche Kunststoffboxen ersetzte.”

Nur die Ruhe

Und selbstverständlich macht eine innovative Herangehensweise an das Thema Homeoffice auch vor Raumkojen und Akustikmöbeln nicht halt – was die Einbettung in den vielleicht hektischen Familienalltag wesentlich erleichtern kann. Dann spielen Möbel wie Eleven High Back Work von Alias ihre Vorzüge aus: ein kleines Sofa samt Bürokapsel, die das auf Office spezialisierte Designer-Duo PearsonLloyd nach dem Vorbild der weichen Sitzmöbel in modernen Lounge-Räumen von Flughäfen und Hotels entwickelte. Wobei der Korpus aus gebogenem Holz und die MDF-Fläche mit Cable Management ausgestattet ist. Vitale Farben und Formen und Ruhe schaffen aber auch diese beiden Akustikmöbel: Botanica von Hersteller Caimi Brevetti erinnert an die Membranwirkung von Baumkronen und beschert dem Homeoffice sanftes Blätterrauschen. Die ebenfalls beliebig arrangierbaren Akustik-Raumtrenner Soundsticks vom schwedischen Hersteller Offecct hängt man besser ein wenig höher; ihre „Heimbürokollegin”, die Zimmerkatze, könnte die stoffbezogenen Röhren nämlich leicht mit einem Kratzbaum verwechseln!

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