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Clubhouse: So gelingt die Moderation © Die Schule des Sprechens

Tatjana Lackner

© Die Schule des Sprechens

Tatjana Lackner

Redaktion 28.01.2021

Clubhouse: So gelingt die Moderation

Sprachexpertin Tatjana Lackner verrät in neun Tipps, wie die nächste Moderation auf „Clubhouse“ zum Erfolg wird.

WIEN. Seit einigen Tagen erobert die neue Audio-App aus den USA auch den deutschsprachigen Raum. „Clubhouse“ lässt die Grenze zwischen Sender und Empfänger verschwimmen. Jeder kann sich aktiv einbringen, der etwas zum Thema beizutragen hat. Besonders wichtig ist auch hier, die Zuhörer mit einer gelungenen Moderation und spannenden Talks im Raum zu halten. „Die Schule des Sprechens“ hat neun nützliche Tipps zusammengefasst, mit denen die nächste virtuelle Podiumsdiskussion zum Erfolg wird.

„‚Clubhouse‘ stellt die Sprache in den Mittelpunkt und ist damit am Puls der Zeit. Im Gegensatz zum professionell aufgezeichneten Podcast lebt das Medium von Interaktion und Live-Charakter. Täglich kommen mehr User dazu. Moderatoren müssen auch sprachlich aus der Masse hervorstechen, um zu begeistern“, sagt Sprachexpertin Tatjana Lackner.

Sie empfiehlt allen Usern der App, einige Regeln für den gelungenen Auftritt zu beachten. In „Clubhouse“ kann jeder in die Diskussion einsteigen und zum Co-Moderator oder Experten werden. Der aktuelle Hype bietet den Usern die Möglichkeit, an hochkarätigen Expertenrunden teilzunehmen und sich selbst samt ihrem Wissen zu präsentieren. Damit das gelingt, braucht es rhetorisches Rüstzeug.

Lackner, die selbst sehr erfolgreiche Podcasts publiziert, startet ihren ersten „Clubhouse“-Talk am 12. Februar 2021, um 18 Uhr. Gemeinsam mit Interessierten diskutiert sie unter dem Titel „Sprache: Unsere Biografie ist hörbar“.

1. Die eigene Sprache

Es ist immer schwieriger, sich Reden schreiben zu lassen. Fremde Formulierungen klingen selten authentisch. Deswegen ist es sinnvoll, sich ein Brainskript anzufertigen und Stichworte in der eigenen Erzählsprache zu machen. Vor allem bei den kurzen Vorstellungsrunden muss die Einführung sitzen. Auch in der reinen Audio-App gibt es keine zweite Chance für den ersten Eindruck.

„Konzipieren Sie Ihre Rede selbst und verwenden Sie Ihre Erzählsprache. So bleiben Sie authentisch und vermeiden Versprecher oder Blackouts“, rät „Die Schule des Sprechens“-Gründerin Tatjana Lackner.

2. Mut zur Vereinfachung

Oft passiert der Fehler, dass Moderationen zu detailverliebt, verschachtelt und zu wenig knackig sind. Dem Publikum fällt es dann schwer, aktiv zuzuhören und es verlässt im schlechtesten Fall vorzeitig die Diskussion. Wird das Wichtige an den Satzanfang gestellt, erweckt man die Aufmerksamkeit der Zuhörer und entgeht der Gefahr, sie zu verlieren.

3. Lesen, sprechen, hören!

Übung macht den Meister! Eine gute Übung ist, sich im Internet ein Medienportal zu suchen und kleine Anmoderationen von Inhalten zu proben. Zur Abwechslung die Zusammenfassung eines Artikels in nur sieben Sätzen trainieren. Das Gehirn lernt schnell, inhaltlich zu vergrößern und geistig zu positionieren. Pointierte Zusammenfassungen vermitteln Kompetenz und stärken die Expertenrolle in der Diskussion.

4. Kurze Anfangsmoderation

Die Begrüßung (Intro) und die Verabschiedung (Outro) sind das A und O und müssen in sämtlichen Situationen sitzen. Ob im Gehen, Stehen oder beim „Talk unterwegs“. Gerade bei „Clubhouse“ kommt es darauf an, auch während des Lockdown-Spaziergangs schnell in eine Diskussion einzusteigen und die richtigen Worte zu finden.
5. Zahlen, Daten und Fakten in Bilder umwandeln

Wer durch Statistiken oder harte Fakten moderiert, sollte sich vorher alle Inhalte genau angesehen haben. „Clubhouse“ bietet keine visuelle Unterstützung durch Charts oder Multimedia-Content. Sperrige Inhalte müssen sprachlich prägnant und bildhaft rübergebracht werden. Eine vorbereitete Statistik wird besser in anregende Storytelling-Elemente umgewandelt und damit leichter verständlich. Es empfiehlt sich, mehr zu wissen als gesagt wird, um noch Munition für die Beantwortung auftretender Fragen im rhetorischen Köcher zu haben.

6. Mit Teleprompter üben, üben, üben!

Authentische Erlebniskommunikation ist für die Sichtbarkeit von Unternehmen wichtig. Ein Teleprompter ist nur dann nützlich, wenn man die richtige Autocue-App für sich gefunden hat. Viele schwören auf „Parrot Teleprompter“. Sprachexpertin Lackner arbeitet selbst bei kurzen Texten am liebsten mit „BigVu“ oder „PromptSmart“. Die genannten Apps funktionieren sowohl mit iOS als auch mit Android. Wichtig ist hier, den Text vorher durchzulesen und zu kontrollieren, ob Schriftgröße und Tempo des Teleprompters richtig eingestellt sind. Bei „Clubhouse“ können sie optimal am zweiten Bildschirm genutzt werden, weil die App ausschließlich auf iOS läuft.

7. Mache Dir den Text untertan!

Unterteilt man den Text in übersichtliche Absätze und ergänzt Zitate mit Stichworten, dann kann man lesen und dazu frei formulieren. Schwierige Sätze, zusammengesetzte Hauptwörter und komplizierte Passagen sollten stets zerteilt werden. Das Pausenmanagement und die Sinnbetonungen sind schon bei der Vorbereitung mitzudenken. Eine Hilfe für sprachlich herausfordernde Redesituationen ist die „3L-Methode“: laut, logisch und langsam sprechen! Bei „Clubhouse“ kann es immer wieder zu kleinen Aussetzern durch Übertragungsprobleme kommen. „Speed kills“ gilt hier umso mehr, weil man davon ausgehen muss, dass die Tonqualität nicht so gut wie im Studio ist.

8. Inhalte improvisiert ergänzen

Beides ist wichtig: Die Dramaturgie und das Zeitmanagement im Überblick zu behalten und dazwischen frei formulieren! Es ist gut, wenn das Thema durch Beispiele ergänzt wird, die nicht durchwegs ausformuliert sind. Das zwingt zum freien Reden, denn eine Moderation ist keine Lesung. Die fehlende visuelle Komponente macht es besonders wichtig, trockene Inhalte durch Vergleiche zu ergänzen und mit Emotionen aufzuwerten.

9. Die Zuhörer anlächeln

Beim neuen Hype „Clubhouse“ gibt es zwar keine Zuseher, doch auch hier kann geübt werden. Sprechen Sie Ihre Zuschauer direkt an! Es geht nicht nur darum, fehlerlos durch die Moderation zu kommen: Zwischen den Zeilen gilt es Emotionen zu vermitteln. Gute Hosts werden daran gemessen, ob sie andere Menschen erreichen, berühren, informieren oder begeistern. Es wird nicht zum Selbstzweck moderiert, das Publikum sollte stets ins Zentrum der Moderation gestellt werden. Ein Lächeln ist immer hörbar! Die Talks auf „Clubhouse“ haben neben der reinen Informationen vor allem informellen Fun-Charakter.

Über die Schule des Sprechens
Die Schule des Sprechens wurde 1994 von Kommunikations- und Verhaltens-Profilerin Tatjana Lackner gegründet und ist die führende privatwirtschaftliche Ausbildungseinrichtung für Kommunikationsstrategien und Sprecherausbildungen. 46 Experten unterrichten und coachen in sieben Abteilungen. Lackner ist Autorin zahlreicher Bücher („Business-Rhetorik to go: Sprechen 4.0“, „Die Kommunikationsgesellschaft: Lackners Labor“, „Rede Diät – So halten Sie Ihre Rhetorik schlank“ oder „Be Boss – 33 Stolpersteine beim Führen und Kommunizieren“) sowie Vortragende und Gastdozentin an unter anderem Universität Wien, Donau Universität Krems und FH-Campus für Führung und Politik. 2014 wurde Sie vom Magazin „Training“ als „Trainerin des Jahres“ für Deutschland, Österreich und die Schweiz ausgezeichnet. (red)

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