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Damenspitz und Freunderlwirtschaft
Redaktion 11.11.2022

Damenspitz und Freunderlwirtschaft

Das, was durch Thomas Schmids Handy bekannt wurde, war doch vermutbar, oder?

Kommentar ••• Von Dinko Fejzuli

SCHLAWINER. Die Österreicher sind Weltmeister darin, Dinge, die in Wahrheit völlig daneben sind, nicht ok sind, oder gar völlig inakzeptabel sind, gerne in harmlos klingende Namen zu verpacken. Dann klingt das Ganze gleich nicht mehr so verboten, unethisch oder gar kriminell.

Wir sagen nicht Suff, sondern lieber Damenspitz und Korruption nennen wir lieber Freunderlwirtschaft, das klingt gleich netter und durch die Verniedlichung gleich auch noch etwas lieb; harmlos, also quasi ein Bubenstreich.
Übrigens auch so ein Wort, welches etwa die ehemalige Ministerin Maria Rauch-Kallat für die Vorgänge und Packeleien, die durch die Chats von Thomas Schmids Handy öffentlich bekannt wurden, verwendete, und sie in einer Sendung so herzig eben „Bubenstreiche” nannte.

Dass das eine ehemalige Politikerin, jetzt Unternehmerin und Unternehmensberaterin, sagt, verwundert dann doch einigermaßen, denn das waren sie natürlich nicht. All das, was in den Chats aufgetaucht ist, zeigt, wie sich ein paar Männer den Staat, den wir übrigens alle mit unseren Steuergeldern – und diese Herrn auch gleich alle mit – finanzieren, unter den Nagel gerissen haben.

War das immer schon so?

Die Frage ist nun, ob das immer schon so war, oder ob diese Art, den Staat als Selbstbedienungsladen zu sehen, erst mit den Boys in ihren Slim-Fit-Maßanzügen aufgekommen ist, und ob es früher eben doch nicht so war und die Empörung, die sich nur breit macht, berechtigt ist.

Übrigens auch, was die Interventionen im ORF und anderen Medien betrifft, wobei man fairerweise nicht nur jene im ORF benennen muss, denn es gab ja auch dieses Interview mit Kanzler Kurz, auf Puls4, wo eine Passage, in der er die Moderatorin patzig angeht, nachträglich herausinterveniert wurde und erst nach Protesten vollständig, aber nur online zu sehen war.

Und die Causa Nowak & Schrom? Hier stellt sich nur die Frage, ob wir etwas daraus lernen werden. Meine Befürchtung ist, eher nicht.

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