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Eigentlich ist der Frauentag ein Witz
Redaktion 06.03.2020

Eigentlich ist der Frauentag ein Witz

Das Gegenteil von gut ist nicht böse, sondern gut gemeint. Über Gendermedizin und -mythen.

Leitartikel ••• Von Sabine Bretschneider

 

MÄUSEKRAM. Dass Diagnostik, Therapie und infolgedessen die gesamte medizinische Welt Frauen als vernachlässigbare Randgruppe behandelt, ist nicht unbedingt eine neue Erkenntnis. Dass aber selbst bei Erkrankungen, die zu einem größeren Teil Frauen betreffen, im Tierversuch an weiblichen Mäusen gespart wird (im Schnitt sind zwölf Prozent der Tiere Weibchen), ist nur mehr als skurril zu bezeichnen.

„Unsichtbare Frauen: Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert”, nennt sich der Bestseller von Caroline Criado-Perez, der jetzt auch auf deutsch erhältlich ist. Sie führt darin unter vielen anderen Beispielen den sogenannten Birka-Krieger an, ein Wikingerskelett aus dem 10. Jahrhundert, das 100 Jahre lang als männlich galt, obwohl die Form des Beckens gewisse – und sehr explizite – Anhaltspunkte geboten hätte. Allerdings waren der Toten ein Satz ­Waffen und zwei Pferde ins Grab gelegt worden … Diskussion beendet. Interessant wäre, welche geschlecht­liche Festlegung wir getroffen hätten, wäre Ötzi damals mit Perlenkette, Haarspange und einem vollständigen Satz an Keramiktöpfen ausgeapert. Auch Crashtest-Dummys, an denen die Sicherheit von Autos getestet wird (fünf Tests braucht ein in der EU zugelassener Pkw), haben übrigens ausschließlich männliche Maße.
Als zweischneidig beschreibt Criado-Perez auch vermeintlich frauenfördernde Kampagnen: „In Großbritannien gibt es eine Initiative, die Frauen für technische Berufe begeistern will”, erzählte sie kürzlich in einem Interview. „Fraglos eine gute Idee. Bis jemand zu mir sagte: Wir brauchen nicht nur mehr Frauen in der Wissenschaft – wir brauchen auch mehr Männer, die im Kindergarten arbeiten.” Stimmt.
Für diese und ähnlich geartete Initiativen könnte man übrigens den eigens dafür einzuführenden „Männertag” verwenden. Schon die Existenz eines „Frauentages” ist, eingeklemmt zwischen Weltgebetstag, Weltnierentag und Tag der offenen Töpferei, im 21. Jahrhundert ein Witz.

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