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„Es gibt absolute Tabuzonen“ © Michael Jeuter

Am Podium (v.l.): Maxim Podoprigora, mehrfacher Öst. Meister und Vizeweltmeister im Brustschwimmen, Dominik Beier, Laola1, Andrea Schmitz-Dohnal, Unicredit Bank Austria, MCÖ-Präsident Georg Wiedenhofer, Sebastian Pernhaupt, Rapid Wien, Andreas Wolfertsber

© Michael Jeuter

Am Podium (v.l.): Maxim Podoprigora, mehrfacher Öst. Meister und Vizeweltmeister im Brustschwimmen, Dominik Beier, Laola1, Andrea Schmitz-Dohnal, Unicredit Bank Austria, MCÖ-Präsident Georg Wiedenhofer, Sebastian Pernhaupt, Rapid Wien, Andreas Wolfertsber

Redaktion 28.02.2018

„Es gibt absolute Tabuzonen“

150 Mitglieder folgten der Einladung des Marketing Club Österreich (MCÖ) zum Clubabend beim SK Rapid Wien im Allianz Stadion; am Programm stand eine Führung durch das Stadion und eine Diskussion rund um Sportmarketing.

WIEN. Stationen der Führung durch das Stadion waren der bekannte interreligiöse Andachtsraum mit der Statue des Heiligen Luigi Scrosoppi, Schutzpatron aller Fußballer, das Medienzentrum, die Kabinen und die Schlachtrufe an den grünen Wänden am Weg Richtung Rasen. Die MCÖ-Besucher trotzten den Minusgraden und ließen sich dabei erzählen, dass die eigene Mannschaft auf beheizten Sitzen auf ihren Einsatz warten darf, während Gäste - leider - ohne beheizte Sitze auskommen müssen.

Im Bühnenbereich mit Bar im ersten Stock fand die Podiumsdiskussion statt. Es diskutierten rund um das Thema Sportmarketing & Sponsoring Sebastian Pernhaupt, Marketing Rapid Wien, Andrea Schmitz-Dohnal, Head of Marketing & Brandmanagement Unicredit Bank Austria, Dominik Beier, Head of Advertising & Sponsorship Sales von Laola1, Andreas Wolfertsberger, Leiter Business Cooperations & Market Management Allianz Group, und Maxim Podoprigora, mehrfacher österreichischer Meister und Vizeweltmeister im Brustschwimmen über 200 Meter (2001), moderiert von Rapid-Stimme und Clubservice-Leiter Andy Marek.

Wie finanziert man ein Stadion?
In Österreich fanden 2017 rund 1.300 Sportevents statt mit einem Gesamtwerbewert von rd. 950 Mio. € (Focus). Geschäftsführer Christoph Peschek informierte darüber, wie die 54 Mio. € für den Stadionbau finanziert wurden und werden - etwa über eine Förderung der Stadt Wien von 20 Mio. oder drei Millionen durch ein höchst erfolgreiches Crowdfunding. Der Verein steht gut da: Alljährlich werden rund 30 Mio. € über den Ticketverkauf im Stadion eingenommen, Spielertransfers bringen Geld, wie auch Teilnahmen an Europa- und Champions League Spielen.

Laut Rapid-Marketer Pernhaupt sympathisieren rund 900.000 Österreicher mit den Hütteldorfern, 43% aller jährlichen Besucher von Fußballspielen kämen zu Rapid-Spielen. „Rapid ist Emotion, Rapid ist Leidenschaft und manchmal Herausforderung“, wie Peschek feststellt. Womit man beim Thema Imagetransfer war – einer der wichtigsten Punkte im Sponsoring. Von diesem profitieren laut Pernhaupt Hauptsponsor Wien Energie und die weiteren Premiumpartner die Allianz, Ottakringer tipp3, adidas, card complete, cashback world T-Mobile und Wiener Zucker.

VIP-Logen
Die Vermarktung der VIP-Logen laufe höchst erfolgreich. Aber Rapid sei auch sozial, informierte Pernhaupt, so gab es eine "schöne Kooperation mit Uber und der Gruft um die Weihnachtszeit". Und, merkte er an, "für uns gibt es drei absolute Tabuzonen – Vereinsname, Wappen und die Vereinsfarben“. Am Trikot gibt es derzeit sechs Partner plus die Eigenmarke Rapid Mobil. Das wird international anders gehandhabt. So sind in Deutschland maximal zwei Sponsoren am Trikot erlaubt, doch dort seien die Sponsoringbudgets auch deutlich höher.

Unicredit Bank Austria fokussiert auf Tennis
Andrea Schmitz-Dohnal von der Bank Austria indessen erzählt von ihrem neuen und aktuellen Fokus auf Dominik Thiem und den Tennissport nach David Alaba, der sichtlich "zu viele Marken gleichzeitig bedient hatte": "Wir planen im Tennis ein längerfristiges Engagement." Schmitz-Dohnal bestätigte, dass der Werbewert eines Sportlers relevant sei, dass man aber mitwachsen wolle und auch für den Sportler einiges getan werde.

Andreas Wolfertsberger von der Allianz lobte Partner SK Rapid: „Versicherungen sind nicht so imageträchtig, daher haben wir uns im Sponsoring für etwas Großes entschieden: Das Stadion und Rapid Wien“. Das sei bis zur Polizze mit Rapid-Wappen sichtbar, bemerkte Moderator Andy Marek. „Ja“, so Wolfertsberger, „wir dürfen den grünen Kult transportieren und erhalten dafür sehr gutes Feedback.“

Pernhaupt nannte später Preise für kleinere Sponsorships: „Rund 3.000 Euro ist es wert, eine Minute lang on Screen mit Logo oder Kurzspot an den Banden des Stadions sichtbar zu sein. Ein vorübergehendes Trikot-Sponsorship am Ärmel für zwei Spiele plus Begleitung via LED-Bande kostet zwischen 25.000 und 45.000 Euro.“ Dominik Beier von Laola1 gab Tipps für die Auswahl von Sportart und Testimonial und empfahl Agenturen als Partner und informierte über die Gepflogenheit, dass viele Unternehmensentscheidung im Sponsoring international gesteuert werden.

„Wie in einer großen Familie“
Dass es für Randsportarten in Österreich nicht ganz so einfach sei, bestätigte der ehemals sehr erfolgreiche Brustschwimmer Maxim Podoprigora. Er war mehrfacher österreichischer Meister und vor rund 15 Jahren Vize-Weltmeister über 200 Meter Brust. „Bei mir war es ein Glücksfall, mein langjähriger Sponsor Ströck ist damals an mich herangetreten“, erinnert er sich lachend, „um 7 Uhr früh mit Mehl an den Händen. Wir fühlten uns bei Ströck wie in einer großen Familie“.

Für die Vermarktung waren jedoch nicht nur Titel und Erfolge relevant: „Gutes Storytelling ist in jeder Hinsicht ein Muss für Randsportler.“ Sein Management musste Podoprigora selbst übernehmen. Heute arbeitet er bei der Public Affairs-Agentur Create Connections. Zum Abschluss schmunzelt er: „In Australien, wo Schwimmen ein Volkssport ist, hätte ich bereits ausgesorgt. Aber mit dem Aufwand, mit dem ich das Schwimmen trainiert habe, hätte ich vielleicht ein sehr guter Fußballer werden können“.

Heute sei die digitale Welt mit ihren Möglichkeiten ein Segen für jeden Sportler, so Podoprigora. Dies bestätigen auch Beier, Wolfertsberger und Schmitz-Dohnal, die in der digitalen Welt sehr gute Möglichkeiten orten, nicht nur die junge Zielgruppe auf außergewöhnlichen Wegen gut zu erreichen. (red)

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