WIEN. Der Frauenanteil in den Vorständen der im Wiener Börse Index gelisteten Unternehmen liegt laut aktuellem Mixed Leadership Barometer von EY bei 13,8 Prozent. Mit Stichtag 1. Jänner 2026 sind 26 von 188 Vorstandsmitgliedern weiblich. Gegenüber August 2025 entspricht das keiner Veränderung.
Mehrheit ohne Frau im Vorstand
31 der 54 untersuchten Unternehmen verfügen weiterhin über keinen weiblichen Vorstand. Drei Unternehmen – BKS Bank, Marinomed Biotech und Oberbank – haben mehr als eine Frau im Vorstand. Wie bereits bei der letzten Erhebung steht keine Frau an der Spitze eines börsennotierten Unternehmens.
Von den 26 weiblichen Vorstandsmitgliedern verantworten zehn das Finanzressort, neun operative Bereiche, darunter zwei als COO. Zwei Frauen sind als Chief Risk Officer tätig.
Gesetzliche Vorgaben abgeschwächt
Der im Dezember 2025 geänderte Entwurf des Gesellschaftsrechtlichen Leitungspositionengesetzes sieht künftig eine verbindliche Mindestquote von jeweils 40 Prozent Frauen und Männern in Aufsichts- und Verwaltungsräten börsennotierter Unternehmen vor. Die Regelung gilt für Neuwahlen und Entsendungen nach dem 29. Juni 2026, die Quote ist bis spätestens 31. Dezember 2026 zu erfüllen. Für Vorstände enthält das Gesetz keine verbindlichen Vorgaben mehr.
Helen Pelzmann, Partnerin bei EY Law und Verantwortliche der Initiative Women. Fast Forward bei EY Österreich, sagt: „Der im Dezember beschlossene Gesetzestext ist im Vergleich zum ursprünglichen Entwurf spürbar verwässert worden. Die ursprünglich vorgesehene verbindliche Mindestbesetzung von Vorständen – mindestens eine Frau und ein Mann bei mehr als zwei Vorstandsmitgliedern – wurde ersatzlos gestrichen. Damit wird aus einem klaren Gleichstellungsinstrument eine weitgehend unverbindliche Empfehlung. Der politische Wille, auch auf operativer Führungsebene strukturelle Veränderungen durchzusetzen, ist im finalen Gesetz nicht mehr erkennbar.“
Aufsichtsräte nahe Mindestquote
In den Aufsichtsräten liegt der Frauenanteil aktuell bei 31,7 Prozent. 166 von 523 Mandaten sind mit Frauen besetzt. 46 der 54 Unternehmen verfügen über mindestens eine Frau im Aufsichtsrat, acht Unternehmen haben ein rein männlich besetztes Gremium. Mit der geplanten 40-Prozent-Quote steigt laut Aussendung der Handlungsdruck weiter.
Rosemarie König, Partnerin bei EY Österreich, erklärt: „Quotenregelungen sind – wie die Vergangenheit zeigt – ein notwendiger Impuls, aber keine alleinige Lösung. Es braucht weitergehende Maßnahmen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft – etwa bei Gehaltstransparenz, der Reform der Kinderbetreuung oder der gleichberechtigten Einbindung von Männern in Vereinbarkeitsmaßnahmen.“
Helen Pelzmann ergänzt: „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Quoten ein unerlässliches Instrument sind, um die Vertretung der unterschiedlichen Geschlechter in den Führungsgremien voranzutreiben. Ein deutliches diesbezügliches Signal auch auf Ebene des Vorstandes wäre ein wichtiger Schritt in Richtung Geschlechterdiversität gewesen und hätte geholfen, alte Netzwerke und die Similarity Attraction im Bestellungsprozess, die häufig für die Homogenität in den Entscheidungsgremien verantwortlich sind, zu durchbrechen. Gerade in einer Zeit, in der Wandel und Transformation unabdingbar sind, um wettbewerbsfähig zu bleiben, wäre es wichtig, die Diversität aktiv auch im Vorstand voranzutreiben, um auf diese Änderungen bestmöglich reagieren zu können. Die im derzeitigen Entwurf vorgesehene Quote von 40 Prozent im Aufsichtsrat bei sämtlichen börsenotierten Gesellschaften verschiebt die Zielgröße zumindest in diesem Gremium deutlich. Wie unsere Untersuchung zeigt, liegen derzeit noch viele Unternehmen wesentlich darunter. Unternehmen sind gut beraten, sich bereits jetzt nach geeigneten Kandidatinnen umzusehen. Davon gibt es zahlreiche. Viele von ihnen haben sich – im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen – sogar zusätzlich zu ihrer Qualifikation durch spezifische Lehrgänge für Aufsichtsratspositionen fachlich vorbereitet und weitergebildet.“
In eigener Sache verweist EY darauf, dass zum Stichtag 1. Jänner 2026 elf der 44 Partner bei EY Österreich Frauen sind. Auf Management-Ebene liege der Frauenanteil bei 44,19 Prozent, in der Gesamtbelegschaft bei 53 Prozent. (red)
