••• Von Dinko Fejzuli
Kürzlich präsentierte die RTR Medien eine neue Studie zur gesellschaftlichen Rolle des nichtkommerziellen Rundfunks in Österreich. Die qualitative Untersuchung mit dem Titel „Nichtkommerzielle Rundfunkveranstalter: Was sie tun und was sie leisten“ wurde vom Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg im Auftrag des Fachbereichs Medien der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH erstellt. Studienautoren sind Felix Kramer und Manuela Grünangerl (beide Uni Salzburg); präsentiert wurde die Studie von von Josef Trappel (ebenfalls Uni Salzburg) und Felix Kramer.
Die Untersuchung geht der Frage nach, welche Funktionen freie Radios und Fernsehsender für Demokratie, Medienvielfalt und gesellschaftliche Teilhabe erfüllen. Dabei kommt sie zu dem Schluss, dass der nichtkommerzielle Rundfunk als eigenständige demokratische Medieninfrastruktur zu verstehen ist.
Anders als öffentlich-rechtliche oder kommerzielle Medien richtet sich sein Angebot nicht primär an ein möglichst großes Publikum, sondern ermöglicht Menschen, selbst Medieninhalte zu produzieren und damit Öffentlichkeit herzustellen.
RTR-Medien-Geschäftsführer Wolfgang Struber betonte bei der Präsentation die besondere gesellschaftliche Rolle des Sektors. „Der nichtkommerzielle Rundfunk erfüllt eine breitere gesellschaftliche Rolle – als demokratische Infrastruktur, die den Menschen Beteiligung, Medienkompetenz und mediale Öffentlichkeit unter Vermittlung journalistischer Grundwerte ermöglicht“, so Struber.
Mit dem Nichtkommerziellen Rundfunkfonds unterstütze die RTR gemeinsam mit Bundesländern freie Radios und Fernsehsender. Gleichzeitig würden diese Förderungen jedoch immer wieder unter Hinweis auf geringe Nutzungszahlen diskutiert. Die Studie solle daher dazu beitragen, das Leistungsspektrum dieser Medienform besser verständlich zu machen.
Betrachtung der anderen Art
Im Unterschied zu klassischen Medienanalysen verzichtet die Untersuchung bewusst auf eine rein quantitative Betrachtung von Reichweiten oder Nutzungszahlen. Stattdessen setzt sie auf einen qualitativen Forschungsansatz. Grundlage sind Interviews mit fünfzehn Vertreterinnen und Vertretern von sieben nichtkommerziellen Radio- und TV-Sendern sowie der Archivplattform CBA.
Ein zentrales Konzept der Studie ist der Begriff der „aktivierenden Reichweite“. Anders als klassische Reichweitenmessungen, die vor allem auf Einschaltquoten oder Klickzahlen fokussieren, beschreibt dieser Ansatz die Fähigkeit freier Medien, Menschen zur aktiven Teilnahme an medialen und gesellschaftlichen Kommunikationsprozessen zu befähigen.
Studienautorin Manuela Grünangerl erläuterte dazu: „Unsere Studie zeigt, dass die Reichweite der Nichtkommerziellen nicht primär an Einschaltquoten oder Klickzahlen gemessen werden kann, sondern an deren Aktivierungspotenzial. Sie befähigen Menschen, selbst Öffentlichkeit herzustellen, Kompetenzen aufzubauen und dauerhaft an demokratischen Kommunikationsprozessen teilzuhaben.“
Ein „Möglichkeitsraum“
Die Studie beschreibt mehrere zentrale Wirkungsbereiche des nichtkommerziellen Rundfunks. Dazu zählt zunächst seine Funktion als demokratischer „Möglichkeitsraum“. Freie Sender eröffnen Menschen und Gruppen Zugang zu medialer Öffentlichkeit, die in kommerziellen Medien oft wenig Sichtbarkeit erhalten. Statt nur über Themen zu berichten, können Beteiligte dort selbst Inhalte produzieren.
Ein weiterer Bereich betrifft die Vermittlung von Medienkompetenz. Durch die Mitarbeit an Sendungen und Produktionen lernen Beteiligte, wie journalistische Inhalte entstehen, welche technischen und redaktionellen Schritte notwendig sind und wie Medien kritisch beurteilt werden können.
Darüber hinaus fungieren freie Radios und Fernsehsender laut Studie auch als Bildungs- und Diskursräume. Dialogische Formate, gemeinsame Produktionsprozesse und informelle Lernformen ermöglichen gesellschaftliche Reflexion und fördern kritisches Denken über Medien und Öffentlichkeit.
Ein weiterer zentraler Aspekt ist die infrastrukturelle Rolle dieses Sektors, denn ichtkommerzielle Medien stellen technische und organisatorische Strukturen bereit, die zivilgesellschaftliche Kommunikation und Vernetzung ermöglichen. Dazu zählen etwa Archive und Plattformen, über die Inhalte dauerhaft zugänglich bleiben.
Zugang für alle ermöglichen
Für Studienleiter Josef Trappel liegt darin eine zentrale demokratiepolitische Bedeutung. „Der nichtkommerzielle Rundfunk ist eine demokratische Basisinfrastruktur, die Teilhabe, Selbstermächtigung und zivilgesellschaftliche Öffentlichkeit strukturell ermöglicht“, sagte Trappel. Seine Leistungen gingen deutlich über die bloße Produktion von Medieninhalten hinaus.
Laut der Studie entwickeln viele Beteiligte durch ihre Mitarbeit Fähigkeiten, die auch in beruflichen, pädagogischen oder zivilgesellschaftlichen Kontexten weiterwirken. Dazu zählen journalistische Kompetenzen ebenso wie organisatorische Fähigkeiten und Erfahrungen in öffentlicher Kommunikation.
Die Autoren sehen den nichtkommerziellen Rundfunk daher als wichtige dritte Säule des Mediensystems neben öffentlich-rechtlichen und kommerziellen Anbietern. Seine Bewertung dürfe sich nicht ausschließlich an klassischen Reichweitenkennzahlen orientieren, sondern müsse auch seine demokratischen, bildungsbezogenen und infrastrukturellen Leistungen berücksichtigen.
Vor diesem Hintergrund verstehe man die Studie auch als Beitrag zur medienpolitischen Diskussion über die zukünftige Förderung des Sektors. Sie solle eine Grundlage dafür liefern, die gesellschaftliche Bedeutung freier Radios und Fernsehsender besser einzuordnen und ihre Rolle im österreichischen Mediensystem langfristig zu sichern.
