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Frühlingserwachen mit prickelnden Zahlen © Schlumberger
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Redaktion 30.04.2021

Frühlingserwachen mit prickelnden Zahlen

Schlumberger-Chef Benedikt Zacherl über einen starken Start ins neue Jahr, Bio-Ambitionen und „Rabattitis”.

••• Von Paul Hafner

 

WIEN. Als Benedikt Zacherl im Jänner 2020 die Geschäftsführung von Schlumberger übernahm, konnte er die auf ihn zukommenden Herausforderungen nicht einmal erahnen. Im medianet-Interview spricht der nunmehrige Vorstandsvorsitzende der Schlumberger AG über die „herausforderndste Zeit” seiner beruflichen Laufbahn und Pläne für 2021.

medianet: Mit April haben Sie offiziell – und zusätzlich zur Geschäftsführung – den Vorstandsvorsitz von Arno Lippert übernommen. Was ändert sich damit an Ihrem Aufgaben- und Verantwortungsbereich?
Benedikt Zacherl: Nach der Übernahme der operativen Geschäftsführung der Schlumberger Wein- und Sektkellerei im Vorjahr hält die Bestellung zum neuen Vorstandsvorsitzenden der Schlumberger AG nun zusätzlich die spannende Aufgabe der langfristigen strategischen Weiterentwicklung der Geschäftsfelder der Schlumberger Gruppe im In- und Ausland bereit. Es freut mich sehr, dass der Aufsichtsrat mir dieses Vertrauen schenkt. Gleichzeitig bin ich stolz darauf, ein traditionsreiches Unternehmen wie Schlumberger in die Zukunft führen zu dürfen. Unser Fokus liegt auch weiterhin auf der Entwicklung des Österreich-Geschäfts und unseren eigenen Marken, national wie international. Daran ändert sich vorerst nichts.

medianet:
Bevor Sie im Jänner 2020 die Geschäftsführung übernahmen, waren Sie bereits zwölf Jahre lang bei Schlumberger tätig. Wie hat sich die Branche seit 2008 verändert?
Zacherl: In der Branche hat sich in dieser Zeit enorm viel getan. Um ein Beispiel zu nennen: Sekt hat sich dank zahlreicher Initiativen vom anlassbezogenen Getränk zum Ganzjahresgetränk gemausert und die gesamte Kategorie enorm positiv entwickelt. Das ist uns unter anderem durch Initiativen wie den ‚Tag des österreichischen Sekts' oder einem zweiten Saisonhöhepunkt, dem ‚Sparkling Spring', gelungen. Dadurch konnten wir dem heimischen Sekt sowohl auf Konsumenten- als auch Herstellerseite einen wesentlich größeren Stellenwert einräumen. Mit tollen Gastro-Aktionen, dem Setzen und Aufgreifen von Trends – zum Beispiel Rosé, aber auch den Ice Seccos – sowie einem großen Fokus auf die heimische Wertschöpfung haben wir Sekt wieder attraktiv gemacht – und das für alle Zielgruppen ab 18 Jahren. Wir haben unter Beweis gestellt, dass Sekt mehr kann als bloß zum Anstoßen gekauft zu werden. Darüber hinaus gab und gibt es immer neue Trendbewegungen in anderen Getränkekategorien, wie zum Beispiel den anhaltenden Gin-Trend oder einen generellen Trend zu bewussterem Alkoholkonsum und zu Premiumprodukten. Mit unserer österreichischen Vertriebstochter Top Spirit in führenden Marktpositionen in den Bereichen Schaumwein und Spirituosen prägen wir diese Entwicklungen maßgeblich mit.

medianet:
Nur wenige Monate nach der Übernahme der Geschäftsführung waren Sie mit der Coronakrise konfrontiert. Wie fällt Ihre Bilanz für das von Gastro-Schließungen und Lockdowns geprägte Corona-Jahr aus?
Zacherl: Die Corona-Pandemie ist sicherlich die herausforderndste Zeit, die ich in meiner beruflichen Laufbahn bisher erlebt habe. Dank unseres gut organisierten Krisenmanagements konnten wir rasch reagieren und die nötigen Maßnahmen in kurzer Zeit setzen. Besonders erwähnenswert finde ich an dieser Stelle den enormen Zusammenhalt unserer Schlumberger-Familie, alle Mitarbeitenden, die in jeder Phase dieser schwierigen Zeit mit überdurchschnittlich hohem Einsatz und außergewöhnlicher Motivation gemeinsam an einem Strang ziehen. So ist es uns gelungen, einerseits die größtmögliche Sicherheit unserer Mitarbeiter zu jeder Zeit zu gewährleisten, die Arbeitsplätze zu sichern und andererseits den laufenden Betrieb, die Warenverfügbarkeit und Lieferfähigkeit zu jeder Zeit aufrechtzuerhalten. In Anbetracht der Langzeit-Schließungen in der Gastronomie – das Plus im Handel konnte diesen Effekt bei Weitem nicht wettmachen – sind wir aufgrund aller genannten Maßnahmen bisher verhältnismäßig gut durch die Krise gekommen. Eine Krise bietet immer auch Chancen – und die wollen und werden wir gemeinsam mit unseren Partnern nutzen. Der stetig wachsende Heimkonsum ist hier nur ein Beispiel.

medianet:
Welche Lehren und Einsichten hat die Krise gebracht?
Zacherl: Aus der Krise ziehen wir vor allem die Lehre, dass es mehr als nur ein oder zwei Standbeine braucht. Mit LEH, Gastronomie und Export sind wir bereits breit aufgestellt. Gleichzeitig haben wir noch enormes Potenzial im digitalen Bereich und daran arbeiten wir auch weiter intensiv. Persönlich freut mich, dass der Zusammenhalt der gesamten Schlumberger-Familie noch stärker geworden ist. Wir haben gelernt, dass wir uns aufeinander und unsere Expertise verlassen können und gemeinsam einen Weg aus dieser herausfordernden Zeit finden.

medianet: Im Oktober rechneten Sie mit einem Rückgang von 15-20 Prozent in der Hauptsaison sowie von einem Gesamtminus von 30 Prozent für das gesamte Geschäftsjahr gegenüber 2019. Hat Ihre Prognose gehalten?

Zacherl: Wir haben trotz des Ausfalls der Hauptsaison in der Gastronomie mit einem starken Finish im Handel sowohl in der Hauptsaison als auch insgesamt rund 20 Prozent unter 2019 abgeschlossen.

medianet:
Auch das erste Quartal 2021 hindurch gab es letztlich keine Bewegung, Gastronomie und Hotellerie blieben zu, die Ballsaison ist ausgefallen. Wie ist es Schlumberger in den ersten Monaten ergangen?
Zacherl: In Anbetracht der Situation hatten wir ein sehr gutes erstes Quartal, in dem wir unsere Pläne trotz unplanmäßigem Lockdown übererfüllen konnten. Die Gründe dafür liegen zum einen in einer guten Performance im heimischen LEH – dank wieder zurückgewonnener Listungen und erfolgreichen Aktivierungen gerade im Sektbereich. Zum anderen hat auch das Exportgeschäft mit Schlumberger und ‚Mozart' in Märkten wie den USA, Deutschland, Schweiz, Russland und Japan die Pläne übertreffen können. Damit kann das gegenüber Plan fehlende Gastro-Geschäft besser verarbeitet werden. Wir hoffen, dass sich dieser Trend auch im zweiten Quartal fortsetzt. Dazu wäre es sehr wichtig, dass die Impfungen in Österreich endlich Fahrt aufnehmen und ein positives Signal in Richtung Handel, Gastronomie und Tourismus gesetzt wird, um den Menschen und der Branche eine Perspektive zu bieten.

medianet:
Ein aktuelles Thema, Sie haben es schon angesprochen, ist der ‚Sparkling Spring', den Schlumberger diesen Frühling bereits zum dritten Mal begeht. Was hat sich Schlumberger dazu heuer einfallen lassen?
Zacherl: Aufgrund der geschlossenen Gastronomie läuft der Sparkling Spring in diesem Jahr etwas verschoben an, wird aber dafür bis Mitte Juni zelebriert. Im heimischen Handel wird der Sparkling Spring mit der neuen Limited Edition auf frühlingshaften Displays bereits seit einiger Zeit gefeiert. Sobald die Gastronomie wieder öffnen darf, laden wir als Unterstützung im Zuge einer österreichweiten Aktion in die heimischen Schanigärten ein, um mit einem Glas Schlumberger Rosé auf den Frühling und die Freiluftsaison anzustoßen. 2020 wuchs der Rosé-Schaumweinmarkt im Absatz um ganze 37,5 Prozent; das spiegelt sich auch in unseren Verkaufszahlen wider, denn der Rosé Brut war im Vorjahr das am stärksten wachsende Produkt unserer Sektkellerei.

medianet:
Der Bewerbung von Alkohol sind strenge Grenzen gesetzt. Wie geht Schlumberger damit um?
Zacherl: Ein verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol und maßvoller Konsum sind uns wichtig. Wir verstehen unsere Getränke als hochwertige Genussprodukte, die man in guter Gesellschaft genießt und die Lebensfreude vermitteln. Wir halten uns an sämtliche Vorgaben in Bezug auf Bewerbung und Vertrieb alkoholischer Produkte und leisten als Unterstützer der Plattform www.verantwortungsvoll.at selbst einen Beitrag zur Aufklärung rund um das Thema.

medianet: Rewe-Vorstand Marcel Haraszti kündigte kürzlich eine nachhaltige Abkehr von der ‚ausufernden Rabattitis' an. Der Bruttowerbewert für Aktionen im LEH stieg 2020 um 5,7 Prozent. Wie steht Schlumberger zur Aktionspolitik des Handels?
Zacherl: Grundsätzlich wäre für Konsumenten wie auch für die Lieferpartner eine klarere Übersichtlichkeit der Aktionsformen hilfreich. Eine Reduktion der ‚Rabattitis' wäre wünschenswert, weil durch die zahlreichen Aktionen auch viel Wertschöpfung verloren geht. Eine Abkehr davon ist allerdings nur in kleinen Schritten möglich, da die Konsumenten über viele Jahre und Jahrzehnte in Österreich zum Aktionskäufer ‚erzogen' wurden. Wesentlich ist in diesem Zusammenhang auch immer die Höhe der Rabatte, die gewährt werden. Als heimischer Markenartikler mit dem Hauptmarkt Österreich stellen uns die Konditionserosion und die stetig steigenden Aktionsforderungen mittelfristig vor unlösbare Herausforderungen – mit der Folge einer Bedrohung der Wertschöpfung und Arbeitsplätze hierzulande. Insofern wäre ein Umdenken gerade für die heimischen Hersteller sehr zu begrüßen.

medianet:
Was hat sich Schlumberger für die kommenden Monate/2021 insgesamt noch vorgenommen?
Zacherl: Gemeinsam mit unseren Partnern in Handel und Gastronomie sind wir auf Wachstum nach der Krise eingestellt. Wir werden in den diversen Getränkekategorien mit unseren starken Marken für die zahlreichen Konsumentenwünsche und Konsumanlässe jeweils das passende Angebot liefern. Wir werden neue, zusätzliche Route-to-Market-Konzepte forcieren, das Sortiment stärken und uns im Bereich der Digitalisierung noch besser aufstellen.

medianet:
Welche Produktinnovationen sind konkret geplant?
Zacherl: Neben einem Mozart Chocolate Coffee und einer neuen, attraktiven ‚Leibwächter' 0,5 l-Flasche bringen wir heuer auch unseren ersten Bio-zertifizierten Sekt auf den Markt: unseren beliebten Schlumberger Grüner Veltliner Klassik Brut. Der steigende Trend zu Bio-Produkten ist während der Pandemie sogar noch größer geworden, und die Konsumenten geben mehr Geld für Bio-Produkte aus. Alle Zutaten, die zur Herstellung unseres neuen Bio-Sekts benötigt werden, stammen aus biologischem Anbau, und unser gesamter Betrieb wurde, um überhaupt ein Bio-Produkt produzieren zu dürfen, Bio-zertifiziert. Das heißt, dass in Zukunft auf der Rückseite des Grünen Veltliner Klassik das offizielle Bio-Siegel zu finden sein wird.

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