Kredite, die definitiv auf Augenhöhe sind
© Claudia Berg
MARKETING & MEDIA Redaktion 04.09.2020

Kredite, die definitiv auf Augenhöhe sind

Wer bei Oikocredit investiert, bekommt vielleicht nicht die höchste Rendite, aber insgesamt die besten Konditionen.

••• Von Georg Sander

Seit 45 Jahren ist Oiko­credit international aktiv. Hervorgegangen aus der ökumenischen Bewegung, kümmert man sich seit 30 Jahren auch in Österreich darum, dass Menschen, die ihr Geld investieren wollen, das ‚richtig' tun können. Warum es das Richtige ist, erklärt Helmut Berg, National Director in Österreich, im Gespräch mit medianet: „Im Konzept der sogenannten Inclusive Finance geht es darum, Menschen, die keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen haben, weil sie arm sind, nicht lesen oder schreiben können und über keinerlei materielle Sicherheiten verfügen, faire Finanzierungschancen zu bieten. Die Zielgruppe der sogenannten Non Bankable wird mit ungefähr. zwei Milliarden Menschen weltweit beziffert.” Oikocredit hat weltweit 59.000 Investoren, in Österreich derzeit 6.600. Die Gelder werden zentral im Headoffice in Amersfoort in den Niederlanden verwaltet und von dort den Regionalbüros in Lateinamerika, Afrika und Asien zur Verfügung gestellt. Wer Kredite erhält, entscheiden nach eingehender Prüfung die Experten in den über 30 Ländern auf der Welt vor Ort. Man kann es auch als einkommensgenerierende Anschubfinanzierung verstehen.

Denn in den Ländern des Globalen Südens leben viele Menschen von 1,5 bis 2 Dollar am Tag. Mit den umgesetzten Projekten kann das Einkommen verdoppelt und verdreifacht werden, die Menschen schaffen sich selbst ihren Job – übrigens sind 86% der Kreditnehmer Frauen. Kredite müssen logischerweise zurückgezahlt werden. Sie sind kein Almosen an arme Menschen, um das eigene, westliche Gewissen zu beruhigen – wie unachtsam und schnell gibt man hierzulande 50 Euro aus? Schließlich ginge es bei Oikocredit in erster Linie um den sozialen Return, erst in zweiter um den finanziellen. Mit einem darlegbaren Hintergrund: „Auch hierzulande lebt man hauptsächlich von kleinen Betrieben. Die konnten in den letzten Jahrzehnten nur deshalb aufgebaut werden, weil sie teilweise schon Mitte des 19. Jahrhunderts eine Chance bekommen haben. Das passiert nun auch im Süden. Hugo Portisch hat es schön gesagt: Wenn wir Afrika nicht retten, retten wir uns nicht.” Das sind die Partner der Zukunft. Wer vor ein paar Jahren in beispielsweise Indien so ein kleines Unternehmen gründen konnte, dessen Kinder gehen nun schon auf die Universität und gründen wieder Firmen.

Mit 50 Euro zum Betrieb

Es ist eine Finanzierung auf Augenhöhe und das lässt sich sehr gut anhand von Beispielen erklären, wie Helmut Berg gern ausführt: „In die Kleinstruktur zu investieren, lohnt sich. Die Frau , die um 200 Euro Saatgut kauft, aus dem sie in sechs bis acht Monaten 600 Dollar machen kann.” Eine Geschichte liegt ihm besonders am Herzen: „Die Menschen wollen ja nichts geschenkt; sie haben Ideen”, erzählt Berg von einer persönlichen Erfahrung: „Ich habe in Kambodscha eine Frau getroffen. Sie konnte weder lesen noch schreiben. Als sie von Mikrokrediten gehört hatte, dachte sie sich, sie wisse ja, wie man Tiere hält. Ihr fehlten die 50 Dollar für ein trächtiges Schwein. Und so hat sie begonnen: Sie hat die Jungen aufgezogen und verkauft. Als ich dann wieder dort war, hatte sie bereits sieben Schweine, zwei Kühe, einen kleinen Minitraktor, den sie an andere Bauern vermietet hat. Zuvor hat sie um eineinhalb Dollar am Tag als Tagelöhnerin gearbeitet – jetzt gehen ihre drei Kinder in die Schule und die älteste macht die Buchhaltung.” Sie hatte eine Idee, hat den Kredit bekommen und hat etwas erreicht: „Aber 50 Dollar hätte sie sich nie ersparen können. Nach ein paar Jahren ist sie im Dorf nun eine angesehene Bäuerin.” Es wisse schließlich jeder, was er oder sie braucht. Es ginge um eine Anschubfinanzierung.

Neuausrichtung

Um noch besser arbeiten zu können, hat sich Oikocredit 2018 eine Neuausrichtung verschrieben: „Die Betriebskosten konnten sogar deutlich gesenkt werden und liegen unter drei Prozent, weil Oikocredit vor zwei Jahren einen sehr sinnvollen Transformationsprozess begonnen hat, der auf 33 Fokus-Länder abzielt, und nun abgeschlossen ist, nach dem Motto: Wir wollen dort tätig sein, wo wir am meisten gebraucht werden, aber wo wir auch das meiste bewirken können.” Nur wenn diese Balance stimmt, können wir effizient und effektiv helfen, das Leben von Menschen zu verbessern.”

Damit will man auch weitermachen – auch in Krisenzeiten, sei es 2008 oder 2020. Niemand könne vorhersagen, wie Corona die Weltwirtschaft nachhaltig beeinträchtigen wird und für wie lange. Arme und sozial schwache Menschen wären naturgemäß gefährdeter, weil sie nicht die medizinischen Standards von Westeuropa zur Verfügung haben und kaum über finanzielle Reserven verfügen: „Es ist aber zu beobachten, dass gerade von den Menschen im Süden viel innovative Kraft ausgeht, weil sie schwierige Lebensumstände seit jeher kennen, und von den Investoren im Norden besteht ein hohes Maß an Bereitschaft, gerade jetzt ihre Solidarität zu zeigen und in die Zukunft zu investieren.”

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