MARKETING & MEDIA
„Marketing und IT müssen zusammenarbeiten“ © Michael Jeuter

W. Erlebach (Premedia), K. Neubauer (Werbeakademie Wien), M. Atassi (Cabinet Advisor for Digitalization), MCÖ-Präsident G.Wiedenhofer (li. hinten), S. Martin (FH Wien), M.Gansterer (Futura), J.Jungmair (Josko) und MCÖ-Geschäftsführer N. Pabst.

© Michael Jeuter

W. Erlebach (Premedia), K. Neubauer (Werbeakademie Wien), M. Atassi (Cabinet Advisor for Digitalization), MCÖ-Präsident G.Wiedenhofer (li. hinten), S. Martin (FH Wien), M.Gansterer (Futura), J.Jungmair (Josko) und MCÖ-Geschäftsführer N. Pabst.

Redaktion 22.05.2018

„Marketing und IT müssen zusammenarbeiten“

Clubabend des Marketing Club Österreich.

WIEN. Digitalisierung und Technologieentwicklung im Marketing waren das Thema des Clubabends am 14. Mai, der im Ministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort stattfand. Mehr als 120 Besucher interessierten sich für einen Blick ins Marketing von heute und technologiegesteuerten Entwicklungen von morgen.

Es ist ein herrschaftlicher Raum, in dem der Clubabend des Marketing Club Österreich (MCÖ) am 14. Mai stattfand, der Marmorsaal des Ministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort. Übrigens, es ist kein echter Marmor, der in dem doppelstöckigen Ratssaal am Stubenring glänzt, sondern Stuckmarmor, sprich aufwendig eingefärbter Gips. Eine bauliche Besonderheit, die Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Bau des Gebäudes in diesem Raum angewandt wurde.

Martin Atassi sprach als Vertreter des Ministeriums ein paar Worte zur Eröffnung und führte auf das Thema des Abends hin: „Digitalisierung und Wirtschaft treiben einander gegenseitig voran. Die Technologie verändert die Spielregeln, da gilt es den Markt zu stärken.“ Er informierte darüber, dass Österreich in der Digitalisierung der Wirtschaft und insbesondere bei der Internetnutzung (Platz 20 von 28 EU-Staaten) am hinteren Ende des aktuellen Digitalisierungsrankings der EU-Kommission (DESI) angesiedelt ist. „Hier müssen wir anknüpfen und besser werden; dazu werden wir proaktiv Schritte setzen“, so Atassi.

Spannungsfeld Marketing und Technologie
Im Anschluss hielt Wolfgang Erlebach, Geschäftsführer des IT-Dienstleisters Premedia, seine Keynote und beleuchtete das Spannungsfeld Marketing und Technologie in einer immer komplexeren VUCA-Welt und suchte nach verbindenden Elementen. Er zitierte Jeff Bezos: „You don’t control your customers anymore, your customers do“ und eine Prognose von Gartner: „2020 customers will manage 85 percent of their relationships with an enterprise without interacting with a human.“ Und zeigte so die aktuellen Herausforderungen für Unternehmen auf, die von Hyperpersonalisierung, Echtzeitmarketing und Künstlicher Intelligenz (AI) geprägt sind – Themen, die IT-Abteilungen genauso beschäftigen wie sie das Marketing und eine gute Kollaboration bedingen.

Erlebach kam so zu seinen drei Thesen: 1. Marke ist erlebte Customer Experience - nicht Promotion, sondern echtes Kundenerlebnis; 2. Content ist der Treibstoff für neue Marken- und Kundenerlebnisse; 3. Technologie ist der Wegbereiter des neuen Marketingzeitalters. Als Beispiel nannte er den Modehändler Zalando, der bis zu 250 Marketing-Mitarbeiter abbaut und deren Arbeit künftig Algorithmen und AI übernehmen werden.

„The Rise of the CMO“
In der folgenden Diskussion betonte Erlebach immer die Relevanz des „Rise of the CMO“ und der Zusammenarbeit zwischen Marketing, IT und Geschäftsführung. Jürgen Jungmair, Marketingleiter von Josko, gab Einblick in sein „hemdsärmeliges Business“ als Fenster- und Türenhersteller: „Der Faktor Mensch ist in unseren Prozessen sehr wichtig.“ Doch auch der Oberösterreicher blickt bereits gemeinsam mit Berater Premedia vorausschauend in eine technologisierte Zukunft und will diese „sinnstiftend“ für Markenerlebnisse seiner Kunden einsetzen: „Es braucht Mut zum Probieren“, befand er.

Kirsten Neubauer, Leiterin des Diplomlehrgangs Online Marketing an der Werbeakademie Wien und Geschäftsführerin von neu&kühn, stellte fest, dass der Kunde mehr denn je im Mittelpunkt stehe und sie sich nicht von der Technologie getrieben fühle. Letzteres konnte Manfred Gansterer, Partner Futura und zuletzt viele Jahre Marketingleiter von MediaMarkt Saturn, nicht ganz nachvollziehen: „Ich war sehr getrieben, der Handel ist sehr sehr schnell geworden.“ Programmatic Advertising, Data Analysis, ROI-Berechnungen und Hunderte Kampagnen, die permanent parallel abgewickelt werden mussten, seien Alltag gewesen.

Der Konsument ist sehr gut informiert
Außerdem stellte Gansterer, der seit Kurzem als Berater selbstständig ist (mehr im Interview im MCÖ-Podcast auf Soundcloud: Link) fest, dass Konsumenten heute sehr gut informiert seien: „Sie kennen die zwei Produkte, für die sie sich interessieren, ganz genau und erwarten das auch vom Verkäufer, der allerdings meist über Hunderte Produkte Bescheid wissen muss.“

Eine weitere Speakerin, Sieglinde Martin, Head of Department für das Studium Kommunikation, Marketing & Sales an der FH Wien, informierte, dass das Studienprogramm soeben im Hinblick auf die Digitalisierung runderneuert worden sei – es brauche eine ganzheitliche Ausbildung mit Kompetenzen auf allen Ebenen. „Der Kunde kann durch die Digitalisierung Marken stärker beeinflussen, nicht zuletzt dadurch gewinnt das Marketing als Disziplin an Macht und Relevanz“, so Martin.

„Hirnschmalz für Konzepte, Kampfgeist für Ressourcen“
Am Wichtigsten sei für Martin die „Schulung des Denkens“ der Studenten; „sie sollen Lösungskompetenz für die Herausforderungen der Zukunft entwickeln können. Es braucht Hirnschmalz für Konzepte und Kampfgeist für das Erwirken von Ressourcen wie Budget und Personal in Unternehmen.“ Schließlich präsentiert sie einen neuen Masterlehrgang, der ab Herbst Grundlagen der Informationstechnologie an Lernende weitergibt.

Alle Speaker plädierten für eine gute Kommunikationsbasis zwischen Marketing und IT und die Einbindung beider von Anfang an in wichtige (technologische) Entwicklungsprozesse in Unternehmen: „Das spart Emotionen!“ Zum Abschluss lädt Gansterer mit Augenzwinkern zum Innehalten ein: „Schließen Sie die Augen, denn so langsam wie es sich jetzt gerade anfühlt, wird diese Welt nie wieder sein.“

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