Olympia im ORF: „Letzte ‚große‘ Sportrechte“
© ORF/Roman Zach-Kiesling
MARKETING & MEDIA Redaktion 16.01.2026

Olympia im ORF: „Letzte ‚große‘ Sportrechte“

Die Olympischen Spiele in Oberitalien im Februar sind für den ORF eine (wichtige) logistische Herausforderung.

•• Von Georg Sohler

116 Medaillenentscheidungen in 16 Sportarten gibt es bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand-Cortina. Diese finden vom 6. bis 22. Februar statt und stellen den ORF vor mehrere logistische Herausforderungen. Zunächst wegen der Fahrzeit, denn die Wettkampf-orte sind über ganz Oberitalien verstreut: Cortina (Ski alpin Frauen, Rodeln, Skeleton/Bob und Curling), Bormio (Ski alpin Herren, Skibergsteigen), Livigno (Snowboard und Freestyle), Val di Fiemme (Ski nordisch), Antholz (Biathlon) und Mailand (Eishockey, Eiskunstlauf, Eisschnelllauf, Shorttrack).

Eine zweite Einschränkung sind die begrenzten Akkreditierungen. Dennoch besteht das ORF-Team an den Wettkampfstätten insgesamt aus rund 80 Personen aus Redaktion und Technik. In Kooperation mit dem Österreichischen Olympischen Comité stehen Interviewmöglichkeiten in allen den ÖOC-Stützpunkten zur Verfügung.  Wie der ORF Olympia übertragen will, erklärte er vergangene Woche im Rahmen eines Pressetermins in der Steffl Arena, der Heimstätte des Eishockeyteams Vienna Capitals. Mit dabei neben ÖOC-Neo-Präsident Horst Nussbaumer und Generalsekretär Florian Gosch: ORF-Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz sowie die Sportinterimsspitze Veronika Dragon-Berger und Martin Szerencsi.

Beeindruckt im Rampenlicht
Zu Beginn präsentierte das Eiskunstlaufteam rund um den heimischen Star Olga Mikutina ihr Können, ehe sich die Anwesenden daran versuchen konnten, am ehemaligen Eishockey-Profi Bernhard Starkbaum vorbei ins Tor zu treffen. Diese Sportarten stehen im Februar im Fokus, sie tun es sonst kaum: Laut Focus-Studie (2024) teilen sich Ski alpin (30%), Fußball (24), Formel 1  (18,8) und Skispringen (11,6) insgesamt 84% des heimischen Werbewertes im Sport.
„Das Publikum ist sehr sportaffin und will mitfiebern“, sagt Groiss-Horowitz und führt die Wichtigkeit von derartigen, etwas abschätzig meist als Randsportart bezeichneten Disziplinen wie Eiskunstlauf oder Curling, aus. Diese stünden eben nur bei Olympia im Rampenlicht und sollen „breit Platz“ bekommen.

Zuhause vor Ort
Um all den Höchstleistungen Rechnung zu tragen, überträgt ORF 1 ab 9 bzw. 10 Uhr in der Früh, Sport Plus ab 12 bzw. 14 Uhr – online und in den Radios wird ebenfalls berichtet.  Das Bewegtbildstudio ist am ORF-Mediencampus in Wien. Als Gastgeber wechseln einander Karoline Rath-Zobernig, Lukas Schweighofer, Karina Toth und Bernhard Stöhr ab. Insgesamt sind es rund 115 Mitarbeiter aus Redaktion und Technik, die die Winterspiele in die Wohnzimmer der Nation bringen.
Dazu gibt es zwei Highlights: Die Kamerafahrten bei den Alpinbewerben übernehmen die ORF-Experten. Die Weltregie bei den Herren-Rennen in Bormio darf Chefregisseur Michael Kögler machen – als erster ORF-Regisseur seit Lucky Schmidtleitner 1976 bei den Spielen in Innsbruck.

Kooperativ
Eine Auszeichnung für den Sender, die auch wichtig ist. Denn Sportrechte sind heiß begehrt und teuer. Zu den Rechten für den aktuellen Olympia-Zyklus (bis zu den Sommerspielen in Brisbane 2032) kam der ORF in Kooperation der European Broadcasting Union mit Eurosport-Mutter Warner Bros. Discovery. Zuvor war man noch „nur“ Sublizenznehmer von Eurosport. „Olympische Spiele gehören zu den letzten ‚großen‘ Sportrechten, die ein öffentlich-rechtlicher Sender wie der ORF allein covern kann“, sagt Interimssportchef und Sportrechte-Experte Martin Szerencsi. Er führt aus, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit Einnahmen von insgesamt mehr als sieben Milliarden Euro aus der Rechteverwertung des aktuellen Zyklus rechnet. Bei der Verwertung der vorangegangenen vier Spiele sollen laut IOC noch 1,3 Mrd. € allein in Europa eingenommen worden sein. Diese Rechte sind „mittlerweile im Bereich der hochkommerziellen Sportrechteverwertung“ angekommen – wirft man einen Blick auf den Sportrechtemarkt. Eine Herausforderung, gibt es mit dem Eurovision Song Contest und der Fußball-Weltmeisterschaft doch noch zwei sehr große Highlights in diesem Jahr. Szerencsi: „Der ORF ist auf Erlöse aus der Werbung angewiesen, um das Budget nicht zu sprengen.“

Achtung bei der Werbung
Apropos Werbung, Marketing und Co.: Während der Olympischen Spiele gibt es sehr, sehr enge Regeln, wie Athletinnen und Athleten abseits der TV-Kameras und der internationalen Sponsoren werben dürfen. Geschützte Begriffe wie „Olympische Spiele“ oder „Goldmedaille“ oder weitere Marken sind vom 30. Jänner bis 24. Februar tabu. Ein einfaches Beispiel: Ein privater Sponsor darf einer Sportlerin zu „einem großartigen Erfolg in Italien“ gratulieren, aber nicht zu einer „Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 2026.“

Gosch mahnt in dem Zusammenhang ein: „Die Logofreiheit ist das Besondere bei Olympia – aber es ist ein kurzer Zeitraum. Die Sportler bekommen auf der größten Bühne Aufmerksamkeit und profitieren davon.“ Die Partner verstehen dies offensichtlich, meint er. Eine Chance für alle, die mit Sport arbeiten oder werben – gerade, weil es Winterspiele vor der Haustüre sind.

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