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ORF-Mediencampus: Der Grundstein ist gelegt © ORF/Thomas Ramstorfer
© ORF/Thomas Ramstorfer

Redaktion 21.02.2020

ORF-Mediencampus: Der Grundstein ist gelegt

Ab 2022 sollen aus den Gebäuden des neuen Mediencampus TV- und Radioprogramme gesendet werden.

••• Von Dinko Fejzuli

Diese Woche Montag wurde der Grundstein für die Neubauten für Ö1 und Hitradio Ö3 sowie den Multimedialen Newsroom auf dem Gelände des ORF-Zentrums gelegt. „Ab jetzt bauen wir das Fundament für den ORF der Zukunft”, sagte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz anlässlich des Pressetermins für die Grundsteinlegung.

Das gesamte Projekt ORF-Mediencampus selbst umfasst eine Bruttogeschoßfläche von rund 32.000 m².

„Der Bau ist sogar vor Plan”

Von medianet nach der übergeordneten Botschaft, die die Architektur des neuen Mediencampus ausstrahlen werde, befragt, meint Wrabetz: „Die Architektur ist modern, strahlt viel Transparenz und Offenheit aus und wird diese Campus-Atmosphäre haben.”

Man habe sich bewusst gegen einen monolithischen Block, sondern für einen Bau mit vielen Teilen entschieden, der so sei, wie der ORF selbst, der eben auch aus vielen unterschiedlichen Teilen bestehe, so der ORF- Generaldirektor.
Angesprochen auf das ambitionierte Budget von gut 300 Mio. €, meint Wrabetz: „Wir sind beim Neubau voll im Plan und wegen des milden Winters sogar vor dem Plan, sodass man mit dem Bau bis Ende 2021 fertig sein wird. Wir haben ja in der Phase eins bis 2016 etwas Lehrgeld gezahlt und dann das Projekt richtig aufgestellt und werden im Gesamtrahmen der rund 300 Millionen, die wir uns vorgenommen haben, auch bleiben.”
Dass der Kostenrahmen auch wirklich hält, dafür sorgt seit geraumer Zeit ORF-Urgestein Pius Strobl. medianet bat ihn anlässlich der Grundsteinlegung für den neuen ORF-Mediencampus zum Interview.


medianet:
Herr Strobl, diese Woche wurde der Grundstein für den neuen ORF-Mediencampus gelegt. Sie sind Projektleiter des ‚Küniglberg Neu', Humanitarian Broadcast-Chef und machen auch viele andere Dinge. Wie legen Sie Ihre Rollen an?
Pius Strobl, Gesamtprojektleiter Medienstandort ORF: Ich habe tatsächlich ausreichend zu tun. Die Frage ist dann, ob man Verantwortung weitergibt oder nicht oder ob man in jedem Detail die letzte Entscheidungskompetenz haben will oder nicht. Mein Führungsstil ist das nicht, ich arbeite teamorientiert. Ich glaube auch, dass viele Menschen gern mit mir zusammenarbeiten, weil sie selbst Verantwortung übernehmen können.

medianet:
Und welche Bedeutung hat die Grundsteinlegung für den neuen ORF-Mediencampus, betrachtet man die Bauphase als ein Ganzes?
Strobl: Für mein Team und mich ist der Neubaubeginn ein besonders wichtiger Meilenstein, auch wenn wir bereits zwei große Objekte generalsaniert und übergeben haben und parallel einige Zehntausend Quadratmeter Altbau sanieren.

Es ist nicht nur der erste Beton im Fundament nach dem Abriss, sondern auch sehr symbolhaft, dass wir mit diesen Bauten sehr intensiv an der Zukunft des ORF mitbauen. Darüber hinaus haben wir bereits über 70 Prozent der Gewerke vergeben und damit auch eine hohe Kostensicherheit erreicht. Wir werden aus heutiger Sicht sehr ambitionierte Zeitpläne ebenso einhalten, wie auch eine sehr enge Budgetvorgabe. Und für einen Gesamtprojektverantwortlichen kann es kaum bessere Nachrichten geben.


medianet:
Apropos Budget: Es gab immer wieder Meldungen über steigende Kosten während des Baus, vor allem bis 2016: Wie ist da der momentane Stand?
Strobl: Seit etwa zwei Jahren sind wir wieder im Kosten- und Zeitplan und wie gesagt – 2021 werden wir innerhalb des Budget- und Zeitplans bautechnisch fertigstellen.

medianet:
Wie sind die Gesamtkosten genau aufgeschlüsselt?
Strobl: Mein Kostenrahmen sind 303,7 Millionen für alle Maßnahmen, also Sanierungen und Neubau. Als ich zum Projekt dazugestoßen bin, war man deutlich außerhalb des Budgets und auch außerhalb des Zeitrahmens. Meine Aufgabe war es damals, all dies wieder in den vorgegebenen Rahmen zurückzuführen.

medianet:
Wie groß war die Herausforderung, quasi am lebenden Objekt ein Projekt dieser Dimension abwickeln zu müssen?
Strobl: Die größte Herausforderung bei diesem Bau ist es, dafür zu sorgen, dass der Sendebetrieb ja nie aufhört. Ein gutes Beispiel für die Herausforderungen, die sich einem so in den Weg stellen, sind die Kabelführungen im Haus. Normalerweise legt man Kabelstränge in die Wände. In so großen Technologieunternehmen wie dem ORF werden die Kabel in Trassen gelegt. In den letzten 50 Jahren wurden immer Kabel dazugelegt, aber die alten nie entfernt. Alleine in einem der Objekte haben wir 47 Tonnen Kabelstränge entsorgt. Dabei muss man sehr sensibel vorgehen, damit man nichts Falsches erwischt ... Uns ist das gelungen, ohne den Betrieb zu unterbrechen – das war schon eine großartige Leistung meiner befassten Teams.

Generell leben wir auch in zwei Bauwelten: Einerseits im denmalgeschützen Rainer-Altbau, in dem sehr auf den Erhalt geachtet wird, und andererseits erreichten wir einen Neubau genau für die Bedürfnisse der künftigen Nutzerinnen und Nutzer und müssen keine Kompromisse machen, wie sie beim Denkmalschutz selbstverständlich sind. Dabei haben wir aber Glück, dass der für uns zuständige Beamte und das Bundesdenkmalamt verständige Partner und keine Gegner sind. Denkmalschutz kostet ab und zu Geld, aber die architektonische Qualität des Hauses ist ein Wert und das Haus wird immer wertvoller. Die Lebensdauer werden wir so bis zu 40 Jahren verlängern.


medianet:
Architektur strahlt Botschaften aus. Welche Botschaft möchte man mit der Architektur des neuen Campus kommunizieren?
Strobl: Das Gebäude funktioniert multimedial, auch in der Gebäudestruktur. Es gibt keine künstlichen und logistischen Trennungen zwischen den Mediengattungen oder einzelnen Teilen im ORF, alles funktioniert miteinander, auch wenn die Gebäude ihre Sendernutzer in Campusform aufnehmen – geteilt nach Identitäten und doch gemeinsam. Der ORF wird sehr modern und schlank aufgestellt sein und das spiegelt sich auch in der Architektur wider; europaweit sind wir hier echte Vorreiter.


medianet: So ein großer Umbau bedarf einer begleitenden Kommunikation, nach innen und nach außen. Gerade weil es sich um den ORF handelt, sicher keine leichten Aufgabenbereiche.
Strobl: Was die externe Kommunikation betrifft, informieren wir laufend 7.000 Haushalte in der Umgebung mit Postwurfsendungen und über eine Hotline. Das gibt es nicht oft. Mit den Anrainern haben wir generell eine intensive Kommunikation, nachdem es zu Baubeginn auch mehrere ‚gegnerische' Bürgerintiativen gab. Die viele Arbeit zahlt sich aus, bei den letzten Behördenverfahren haben wir keinen nennenswerten Einspruch gehabt.

medianet:
Und intern?
Strobl: Die Stimmung ist jetzt sehr positiv, das war aber nicht immer so. Wir haben uns sehr viel über die Vorhaben mit den Mitarbeitern ausgetauscht, was das Gebäude können soll, über Nutzerwünsche, über die Kultur und den Inhalt, wie die neuen Abläufe funktionieren sollen, etc.; die überwältigende Mehrheit ist in der Zwischenzeit positiv gestimmt und freut sich, die besten Medienarbeitsplätze Österreichs in Besitz nehmen zu können.

medianet:
Was viele nicht wissen: Beim Umbau des ORF versuchen Sie auch den sozialen Aspekt zu berücksichtigen und für gewisse Arbeiten, wie etwa den vorhin erwähnten Kabeltausch, haben Sie ein Projekt mit Langzeitarbeitslosen ins Leben gerufen. Wie kam es dazu?
Strobl: Seit ich hier tätig bin, haben wir Langzeitarbeitslose und Leute im Alter ‚50 plus' beschäftigt und auch schon einige übernommen. Mit dem Verein ‚Zeitraum' haben wir diese Langzeitarbeitslosenprojekte gestartet, bei denen wir ständig zwischen 20 und 30 Langzeitarbeitslose in Beschäftigung haben und versuchen mitzuhelfen, diese wieder in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Die Menschen waren aus verschiedensten Gründen jahrelang nicht im Job, kommen jetzt wieder hinein, sind qualifiziert, aber bekommen ohne Referenzen keine Anstellung am normalen Arbeitsmarkt mehr. Unser Fachpersonal bildet dann Teams gemeinsam mit diesen Menschen und das funktioniert einwandfrei.

medianet:
Sie sind auch für das Sicherheitskonzept verantwortlich, das sich über die Jahre natürlich maßgeblich verändert hat. Das Haus ist jetzt in puncto Sicherheit State of the Art?
Strobl: Wie ich mit der Aufgabe betraut wurde, habe ich Papiere, Konzepte und Notfallpläne vorgefunden, die nicht mehr zeitgemäß waren. Die Wahrscheinlichkeit eines atomaren Notfalls ist zum Glück sehr gering geworden. Was real und aktuell ist, sind Verrückte, die Geiselnahmen durchführen, Sprengstoffattentate oder Ähnliches. Während des Song Contests wurde ein französischer Sender von Hackern übernommen. Die digitale Bedrohung oder ein terroristischer Akt sind heute weit wahrscheinlicher geworden.

An diesen Bedrohungsbildern haben wir uns orientiert; es gibt jetzt viele gesicherte Bereiche im Haus und Ähnliches. Insbesondere wird der Außenzugang und werden die Außenbereiche überwacht und kontrolliert. Wir hatten den Vorfall, dass Identitäre eindringen wollten – einmal als Arzt und Sanitäter verkleidet und einmal als Besucher. Beide Male hat es nicht funktioniert, weil unsere Portiere nach den Regeln gehandelt haben und weil man nicht mehr einfach hineinlaufen kann. Sie wollten vermutlich in einem sendekritischen Bereich Aufsehen erregen. In Graz sind sie auf das Dach des Funkhauses geklettert und haben ein Transparent enthüllt.


medianet:
Wann werden aus heutiger Sicht die ersten Um­züge in die nun neu zu errichtenden Gebäude stattfinden?
Strobl: Die Neubauten sind im Jahr 2021 bautechnisch und 2022 rundfunktechnisch fertiggestellt. FM4 wurde ja bereits Ende 2019 übersiedelt und sendet nun vom Küniglberg; Ö1 und Ö3 wird noch 2022 vom Küniglberg aus senden.

medianet:
Frage zum Schluss an Sie ganz persönlich: Sie sind nicht nur ORF-Kenner, sondern auch ein erfahrener Immobilien­experte. Was bedeutet das Projek für Sie persönlich?
Strobl: Rückblickend war aus dem Eventbereich sicher der Song Contest in Österreich mein spannendstes Projekt. Der ORF-Mediencampus ist eindeutig das spannendste Bauprojekt, das man derzeit in Österreich umsetzen kann, und ich emp­finde es als großes Glück und auch als Ehre, dass ich für dieses ­mitverantwortlich zeichnen kann.

Und: Es wird ein schöner Abschluss, denn mit diesem Projekt endet aller Voraussicht nach auch meine aktive Berufslaufbahn. Nach Fertigstellung des Mediencampus werde ich in Pension gehen.

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