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Public-Value-Beirat des ORF zur "Blauen Seite" © Wikipedia

Irene Neverla

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Irene Neverla

Redaktion 14.11.2022

Public-Value-Beirat des ORF zur "Blauen Seite"

ORF-Public Value Beirat sieht demokratiepolitische Bedeutung des ORF durch Kürzung des Textangebotes auf „Blauer Seite“ gefährdet.

WIEN. Der Public Value Beirat sieht die konstruktive und unersetzliche Rolle des ORF in der österreichischen Medienlandschaft und für eine demokratische Öffentlichkeit gefährdet. Diese Gefährdung ist nicht neu, aber neuerdings zugespitzt. Aktueller Anlass ist die Bekanntgabe von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann, das Textangebot auf der so genannten „Blauen Seite“, also der Informations-Website des ORF (orf.at) zu Gunsten von mehr Videomaterial zu halbieren.

Diese Ankündigung geht aus Sicht des Beirates unter Vorsitz von Irene Neverla in eine falsche Richtung. Videoclips sind eine sinnvolle und notwendige Begleitung zum Nachrichtenmaterial. Texte sind und bleiben jedoch das Kernmaterial von Qualitätsjournalismus und zur Vermittlung von Informationen, Hintergrundwissen und Meinungsbildung. Damit droht dem ORF ein Verlust an Qualität und Attraktivität für das Publikum bzw. die Userinnen und User. Hier wird ohne sachlich nachvollziehbaren Grund und zum Nachteil der Position des ORF im Gesamtgefüge der österreichischen Medienlandschaft eine starke Grundfunktion des ORF beschnitten.

Der Public Value Beirat bekräftigt aus wissenschaftlicher Sicht, dass der ORF als öffentlich-rechtliches Medienunternehmen eine tragende Säule in der medialen Infrastruktur darstellt und dass er Qualitätsjournalismus in Österreich trägt und stützt. Wenngleich auch die Qualität des öffentlichrechtlichen Rundfunks immer wieder auf die Probe gestellt, geprüft und optimiert werden muss, so ist doch insgesamt seine zentrale und tragende Rolle für die Qualität des Medienangebots wissenschaftlich belegt. Zahlreiche Studien aus verschiedenen Ländern zeigen, dass überall dort, wo
öffentlich-rechtliche Rundfunkveranstalter tätig sind, der Qualitätsstandard des Medienangebots und damit das Vertrauen der Bevölkerung in dieses Medienangebot tragfähiger ist als in Ländern ohne öffentlich-rechtliche Sender.

Dies gilt umso mehr, je unabhängiger und staatsferner der öffentlichrechtliche Rundfunk ist. Diese Unabhängigkeit von Staat und Interessensgruppen zu stärken muss medienpolitisches Ziel sein. Es kann einerseits durch strukturelle Schritte erreicht werden (Zusammensetzung der Gremien), andererseits durch Stärkung der Verankerung beim Publikum, dessen Nachfrage und Bindung an die Sender und letztlich durch Raum und Förderung von Qualitätsjournalismus. (red)

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