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Qualitätsoffensive für Aufsichtsräte © Inge Prader
© Inge Prader

Redaktion 11.11.2016

Qualitätsoffensive für Aufsichtsräte

Seit 2011 können sich Aufsichtsräte einer freiwilligen Zertifizierung unterziehen. Hearing und Ausbildung erfolgreich absolviert hat auch Friederike Müller-Wernhart.

Der Fachverband UBIT und seine Qualitätsakademie Incite präsentierten 2011 gemeinsam mit ihren Proponenten Wiener Börse AG und dem Kapitalmarktbeauftragten des Finanzministeriums eine Qualitätsoffensive für Aufsichtsräte. Die freiwillige Zertifizierung soll in Österreich dazu beitragen, Diskussionen über Bestellungen von Aufsichtsräten im öffentlichen Bereich zu objektivieren. Die Ausbildung befindet sich in einem laufenden Verbesserungs- und Anpassungsprozess. Das Hearing erfolgreich absolviert und zertifiziert wurde auch Friederike Müller-Wernhart, CEO Mind­share Austria.


medianet:
Frau Müller-Wernhart, seit Kurzem sind Sie zerti­fizierte Aufsichtsrätin. Warum will man sich zum Aufsichtsrat zertifizieren lassen?
Friederike Müller-Wernhart: Aus Interesse und der Chance, die professionellen Erfahrungen auch später nutzbringend einsetzen zu können. Schließlich bin ich im Geschäftsleben (Anm. d.Red: Müller-Wernhart ist seit dem Jahr 2000 CEO von Mind­share) bereits mit Compliance, disruptiven Veränderungen und digitalen Veränderungsprozessen vertraut. Da auch die neuen Spielregeln für den Aufsichtsrat in diese Richtung gehen, war es ein logischer Schritt für mich, die Ausbildung zum zertifizierten Aufsichtsrat bei Incite, der Qualitätsakademie des Fachverbands UBIT, zu machen. Die ­Prüfung abzulegen, war dann auch ein logischer Schritt.

medianet:
Welche Zulassungsbedingungen gibt es?
Müller-Wernhart: Der Möglichkeit, die Ausbildung überhaupt zu machen, geht eine Bewerbung voran, in der man bereits Nachweise für die Eignung erbringen muss: Ausbildung, weiterführende Ausbildung während der Karriere, beruflicher Werdegang, der nachweist, dass man von der Führung eines Unternehmens etwas versteht beziehungsweise selbst ein Unternehmen geleitet hat.

medianet:
Die Rahmenbedingungen betreffen auch ganz neu eine Verstärkung des Frauenanteils.
Müller-Wernhart: Das reizt mich natürlich zusätzlich, weil die Chancen steigen (lacht). Vor allem aber bieten sie eine sehr interessante Möglichkeit für Frauen mit entsprechender Erfahrung und Ausbildung. Das ist aber nur die eine Seite.

medianet:
Welche gibt es noch?
Müller-Wernhart: Eine der Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel der Corporate Governance Code, ist für sich auch sehr interessant, weil so mehr Sicherheit für die Wirtschaftsführung entsteht. Generell entsteht mehr Vertrauen in transparentes Handeln in Unternehmen, wenn der Aufsichtsrat ein verlässlicher Partner in der Unternehmensführung und -kontrolle ist. Da die Rechte und Pflichten des Aufsichtsrats sehr klar definiert sind, kann sich die Öffentlichkeit auch in Zeiten der Veränderung durch ein disruptives Wirtschaftsumfeld auf einen transparenten Wandel verlassen. Für ein gewinnbringendes Wachstum wird wiederum das klare Zusammenspiel von Vorstand und Aufsichtsrat für das Unternehmen erleichtert. Auch darf man nicht außer Acht lassen, dass die Zahl der Active Investors steigend ist, also Investoren, die aktiv und mit höherer Geschwindigkeit auf die Unternehmensführung eingreifen wollen.

medianet:
Warum wird man überhaupt Aufsichtsrat?
Müller-Wernhart: Ein fachlich und sachlich attraktives Aufsichtsrat-Mandat ist interessant, um Erfahrung weitergeben zu können. Die ist bei mir mannigfaltig. Da waren das Studium der Betriebswirtschaft, dann Brand Manager bei Unilever mit Wechsel zu Agrana, dann die sechs Jahre als Mitglied der Geschäftsführung bei ORF-Enterprise. Als Geschäftsführerin von Mindshare habe ich bereits 2001 das große Potenzial von digitaler Werbung erkannt. Diesen Bereich habe ich frühzeitig und wirksam gefördert und Mindshare mit 67 Mitarbeitern zu einer der größten Mediaagenturen Österreichs geführt.

medianet:
Was macht für Sie einen guten Aufsichtsrat aus?
Müller-Wernhart: Zum einen sind die Pflichten des Aufsichtsrats gesetzlich und kodexgemäß genau definiert. Zum anderen sollte ein Aufsichtsrat genug berufliche Erfahrung haben, um für die zukünftigen Herausforderungen der Unternehmen in Bezug auf digitale Disruption, Datensicherheit, Wachstum in neuen Märkten und moderne Kommunikation die dafür notwendigen Entscheidungsfindungen zu verlangen und mitzutragen. Da es sich meist um Weichenstellungen für die Zukunft handelt, ist es für Unternehmen wichtig, für zukünftige Entwicklungen bestens gerüstet zu sein. Sogar sehr langfristig traditionelle Unternehmen stehen vor einer Veränderung, da sich grund­legende neue Chancen und Gefahren auftun. Dadurch, dass der Aufsichtsrat das volle Risiko mit seinem Privatvermögen mitträgt, ist fachliches Wissen und eine hochqualifizierte Ausbildung extrem wichtig.

medianet:
Ist die Position des Aufsichtsrat als Beruf zu sehen?
Müller-Wernhart: Nein. Eher eine Berufung, um Erfahrungen weiterzugeben und höchste Verantwortung zu übernehmen. Durch die andauernde Verschärfung der Verantwortung und bis ins Strafrecht hineinreichenden Risiken ist die Aufsichtsrats-Position sogar eine sehr ernst zu nehmende Verpflichtung, die ich mir gut überlegt habe. Für die Gesellschaft im Allgemeinen ist es eine Chance, dass Fachleute Rat und Kontrolle ausüben. (red/fej)

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