WIEN. Mit ihren „Inselmilieu Reportagen” tauchen die beiden Gründerinnen Julia Breitkopf und Jana Mack in unterschiedliche Milieus ein. Sie lassen Menschen zu Wort kommen, mit denen man im Alltag selten ins Gespräch kommt, und wollen so Vorurteile und Berührungsängte abbauen.
Kennengelernt haben sich die beiden Journalistinnen 2020 auf einer Weiterbildung. „Uns ist damals aufgefallen, dass wir uns immer in unserer eigenen Filterblase aufhalten und dass wir nur Freunde haben, die so ähnlich denken und leben wie wir. Mit unseren Reportagen wollen wir aus dieser Blase rauskommen”, sagt Julia Breitkopf über den Start von „Inselmilieu Reportage”.
Crossmediale Formate
Die Hörerinnen und Hörer werden mit den Podcasts, Fotostrecken und Social Media-Posts eingeladen, ihre Blase zu verlassen und neue Menschen und Orte zu erkunden. Die Themen sind breit gefächert – von der FKK-Community in der Lobau, über die Arbeit von Pflege- und Betreuungskräften bis zum „Problembezirk” Favoriten.
Dabei arbeiten die beiden Gründerinnen eng mit ihrer Community zusammen: Die Hörerschaft kann Themen oder Fragen vorschlagen und persönliche Erfahrungen in die Reportagen miteinfließen lassen. Eine Testhörer-Redaktion gibt zudem vorab Feedback auf die Inhalte der Podcast-Folgen.
Begehbare Reportagen
Dem Wiener Bezirk Favoriten haben Breitkopf und Mack ein besonderes Projekt gewidmet: In einer Koproduktion mit dem in Favoriten ansässigen Kulturverein Echolot wurden im Herbst drei unterschiedliche „Artwalks” veranstaltet. Hierfür wurden die Recherchen von „Inselmilieu” gemeinsam mit Echolot in eine begehbare Reportage umgewandelt.
„Wir haben die Interviews mit künstlerischen Mitteln sinnlich erweitert, etwa mit Schauspiel, mit Videos oder mit bildender Kunst. Dem Publikum wurde so auf verschiedenen Sinnebenen eine Eintrittstür in andere Lebensrealitäten geöffnet”, beschreibt Hans-Christian Hasselmann, Regisseur der „Artwalks”, das Konzept.
Mit AR nacherleben
Die „Artwalks” im Böhmischen Prater, in der Ankerbrotfabrik und in Favoriten sollen in Zusammenarbeit mit dem Artificial Museum virtualisiert werden und so für die Nachwelt erlebbar bleiben. Ab Herbst 2025 sollen die „Artwalks” mittels Augmented Reality (AR) mit der Kamera des Smartphones erkundet werden können – ohne App, einfach im Browser.
„Wir wollen damit, zeigen, was im Journalismus außerhalb des klassischen Zeitunglesens möglich ist”, erklärt Jana Mack.
Künftig sollen auch noch andere Wiener Milieus mit „Artwalks” erschlossen werden. (jkl)