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Stadt Wien-Kampagne gegen Gewalt an Frauen © Unique Fessler
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Redaktion 29.11.2021

Stadt Wien-Kampagne gegen Gewalt an Frauen

Unter dem Motto „Halt! Zu mir!“ startete dieser Tage eine großflächige Kampagne der Stadt Wien, um Menschen zu mehr Zivilcourage zu ermutigen und um gegen Gewalt an Frauen anzugehen.

WIEN. Unter dem Motto „Halt! Zu mir!“ startete Ende November 2021 eine großflächige Kampagne der Stadt Wien, um Menschen zu mehr Zivilcourage zu ermutigen und um gegen Gewalt an Frauen anzugehen. Zu sehen und hören sind Beispiele, wie man in bedrohlichen Situationen anderen helfen kann.
Ein Mann, der eine Frau in der U-Bahn belästigt. Eine Nachbarin mit einem blauen Auge. Ein Mann, der einer Frau auf den Oberschenkel greift: Diese Situationen stehen beispielhaft für Momente, in denen die Zivilcourage der Beobachter gefragt ist, aber das Einschreiten nicht einfach sein kann – etwa aus Angst. Ziel der Stadt-Wien-Kampagne ist es, zu informieren, zu sensibilisieren und konkrete Tipps anzubieten.

Aufruf zur Zivilcourage
Frauenstadträtin Kathrin Gaál (SPÖ) betont in dem Zusammenhang, dass es bei dem Aufruf zu Zivilcourage nicht darum geht, Heldenmut zu beweisen und sich dabei selbst in Gefahr zu begeben: „Oft ist es ein wichtiger Schritt, einer betroffenen Frau zu zeigen, dass sie in der Situation nicht alleine ist. Die eigene Sicherheit muss da aber immer im Vordergrund stehen. Bei Gefahr heißt das: Die Polizei rufen! Und: Die Mitarbeiterinnen des Frauennotrufs sind rund um die Uhr für Betroffene da – genauso wie für alle Wienerinnen und Wiener, die handeln und helfen wollen.“

Das Kampagnenmotto „Halt! Zu mir“ betont laut UniqueFessler-Geschäftsführer Jürgen Colombini „die Solidarität von uns allen mit den Opfern, da diese Aussage einerseits in Richtung männlicher Aggressoren sagt, 'Stop! Und nicht weiter'. Andererseits schwingt aber auch der Hilferuf der  Opfer mit, die uns alle auffordern nicht wegzuschauen, sondern zu den betroffenen Frauen zu halten.“

Das fordert auch der Untertitel der Kampagne mit der Aussage, „Hinschauen. Handeln. Helfen.“ Zu sehen und hören sein wird die Gewaltschutz-Kampagne im TV auf Citylights und digitalen OoH-Werbemitteln sowie in Anzeigen, in Radio-Spots und auf diversen Social Media-Kanälen. Außerdem umfasst die Kampagne auch eine Installation der Agentur Constant Evolution in Form eines riesengroßen Würfels im Arkadenhof des Rathauses. „Wer vorbeigeht, hört vertonte Erzählungen von Wienerinnen und Wienern, die Szenen von Beleidigungen, Belästigungen oder Gewalt gegen Frauen beobachtet und gehandelt haben“, erklärt Con Evo-Geschäftsführer Philipp Zottl. An den vier Seiten des Würfels sind die Sujets der Kampagne und die Nummern des 24-Stunden Frauennotrufs (01 71719) und der Polizei (133) angebracht. Mitte Dezember soll die Installation auf den Platz der Menschenrechte auf der Mariahilfer Straße übersiedeln.

„Für alle MitarbeiterInnen der Agentur, aber auch bei unseren Partnern aus dem Film-, Tonstudio- und Fotobereich sowie bei den Sprechern und Darstellern gab es ein Wahnsinns-Committement und große Begeisterung, einen Beitrag für dieses wichtige Thema leisten zu können“, freut sich Jürgen Colombini über die Arbeit zu dieser Kampagne. „Wir sind auch in Anbetracht der kurzen Zeit, die uns für die Realisierung dieses Projekts zur Verfügung stand, stolz auf den Output mit größtenteils Laiendarsteller, die alle einen tollen Job gemacht haben.“

Credits
Auftraggeber:
Stadt Wien, MA 53 Presse und Informationsdienst – Martin Schipany, Marta Spannring, Julia Schüller
Agentur: UniqueFessler – Beratung: Jürgen Colombini; Konzept: Tino Schulter, Hans Cepko; AD: Kurt Leidenfrost
Realisierungs-Partner: Film: kill the dragon / Max Jürschik, Foto: Arnd Ötting, Ton: Sunshine mastering / Georg Tomandl, Installation: Constant Evolution: Philipp Zottl

Weitere Facts & Figures zur Thematik
Wie wichtig das Thema ist, zeigt auch die Statistik zur Gewaltkriminalität gegen Frauen. Im Bereich der Privatsphäre stellte in der Bundeshauptstadt 2020 die direkte physische Gewalt mit 3.466 angezeigten Körperverletzungsdelikten die häufigste Form der Gewalt dar. Aber auch gefährliche Drohungen (1.200 Anzeigen) sowie die fortgesetzte Gewaltausübung (544 Anzeigen) kamen häufig vor.
Nummern gegen Gewalt:
• Polizei-Notruf: 133
• Euro-Notruf: 112
• 24-Stunden-Frauennotruf der Stadt Wien: 01 71719
• Frauenhaus-Notruf: 05 77 22
• Opfer-Notruf: 0800 112 112

Die Polizei sprach zudem 3.398 Betretungs- und Annäherungsverbote aus, um gefährdete Personen (zumeist Frauen) vor möglicher zukünftiger Gewalt zu schützen. Im Jahr 2020 gab es in Wien sechs Morde an Frauen (Zahl aus der polizeilichen Kriminalstatistik 2020), 2021 wurden schon neun Frauen Opfer von Tötungsdelikten.

Förderung für Gewaltschutzvereine verdoppelt
Neben der Kampagne setzt Wien noch weitere Schritte: Im kommenden Jahr soll das Gewaltschutznetz in der Stadt weiter ausgebaut werden. Die Mittel für die Gewaltschutzvereine werden dabei auf 2 Mio. € verdoppelt, mehr Budget fließt etwa auch in die Männerberatung. Außerdem startet der Bau des fünften Frauenhauses. An den derzeitigen vier Standorten gibt es 175 Plätze; im Vorjahr fanden dort 604 Frauen und 575 Kinder Schutz. (red)

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