MARKETING & MEDIA
Trendwende am österreichischen Musikmarkt 2017 © Bilderbuch

Band Bilderbuch

© Bilderbuch

Band Bilderbuch

Redaktion 31.01.2018

Trendwende am österreichischen Musikmarkt 2017

Erwirtschaftet wurde ein deutliches Umsatzplus von 6,1%.

WIEN. 145,4 Mio. € sind am österreichischen Musikmarkt im Jahr 2017 erwirtschaftet worden. Die Umsätze mit Streaming-Abos legten um 86% auf bereits 32,6 Mio. € zu. Die Vinyl-Verkäufe erreichten ein Umsatzplus von zehn Prozent auf 7,8 Mio. €. Die physischen Tonträger CD, DVD und Vinyl sind bei den österreichischen Musikfans weiterhin sehr beliebt und bleiben mit 64,8 Mio. € die größten Umsatzbringer am heimischen Musikmarkt. Auch die Lizenzeinnahmen über die Verwertungsgesellschaft LSG sind auf 27,9 Mio. € (+21%) gestiegen. Weitere rund sechs Mio. € steuerten die Umsätze mit Merchandising-Produkten sowie die Lizenzierung von Musik für Filme oder Werbung (Synch-Rechte) zum Gesamtumsatz bei.

Musik-Streaming bringt den gesamten Musikmarkt wieder auf Wachstumskurs
Mit einem kräftigen Umsatzplus von 86% auf 32,6 Mio. € setzt sich die Streaming-Erfolgsgeschichte unaufhaltsam fort. Streaming ist hauptverantwortlich für das Umsatzplus am österreichischen Musikmarkt! Der Löwenanteil von 29,2 Mio. € wird über Abo-Dienste wie Spotify, Deezer, Apple Music oder Amazon unlimited erwirtschaftet. Etwas mehr als eine Mio. € kommen von werbefinanzierten Audio-Streaming-Abos. Verhältnismäßig bescheidene 2,3 Mio. € steuern Einnahmen aus werbefinanzierten Videostreams - hauptsächlich vom weltweit größten StreamingAnbieter YouTube - bei. Mit 13,5 Mio. € tragen auch Musik-Downloads - bei rückläufiger Tendenz - weiterhin substanziell zum Umsatz am österreichischen Musikmarkt bei.

„Value Gap“: YouTube & Co verzerren den Streaming-Markt, EU-Gesetzgeber gefordert
Obwohl das Musikangebot nie größer und der Musikkonsum über die vielfältigen digitalen Angebote und Plattformen nie intensiver war, erhalten Künstler und Labels für einen substanziellen Teil des digitalen Musikkonsums keine faire Entlohnung. Grund für diese massive und unfaire Marktverzerrung – sie wird auch als Wertschöpfungslücke („Value Gap“) bezeichnet – ist die urheberrechtlich unklare Verantwortung von User Uploaded Content (UUC)-Diensten, allen voran YouTube, die aktuell populärste Streaming-Plattform für Musik. Nicht weniger als 82% aller YouTube-User geben an, diesen Dienst zum Abruf von Musik-Inhalten zu nutzen. Während Streaming-Abo Services, wie Spotify oder Deezer, Lizenzverträge verhandeln und faire Vergütungen bezahlen, verschaffen sich YouTube und andere UUC-Plattformen unter Berufung auf ein dafür nie gedachtes Haftungsprivileg in der eCommerce-Richtlinie aus dem Jahr 2000 unfaire und marktverzerrende Vorteile. Dieses Missverhältnis lässt sich eindrucksvoll in Zahlen veranschaulichen: Spotify bezahlt 20 USD pro User und Jahr für die Abgeltung von Musikrechten, YouTube weniger als 1 USD. Neben den unfairen Marktbedingungen für Künstler und Labels leidet auch der gesamte Musik-Digitalmarkt unter dieser evidenten Marktverzerrung. Die EU ist gefordert, im Rahmen ihrer Digital Single Market Strategy für zeitgemäße gesetzliche Rahmenbedingungen zu sorgen. Die Musikbranche sieht YouTube als Partner, aber unter fairen Marktbedingungen.
Dietmar Lienbacher, Präsident des Verbands der österreichischen Musikwirtschaft: „Die Musiklabels haben auch während des radikalen technologischen Wandels nie aufgehört, in Künstler und innovative Geschäftsmodelle mit neuen Partnern zu investieren. Unsere Beharrlichkeit scheint sich nun auszuzahlen und wir können endlich erste Früchte ernten. Dennoch gibt es keinen Grund zum Ausruhen: Wir werden den eingeschlagenen Weg konsequent fortführen. Gleichzeitig fordern wir von unseren Technologiepartnern, dass sie angemessene Lizenzen bezahlen, wenn sie mit unserem Content Milliardenumsätze machen.“
Franz Medwenitsch, Geschäftsführer des Verbands der österreichischen Musikwirtschaft: „Ein Plus von mehr als sechs Prozent - das ist ein sehr positives Signal nach einer langen Durststrecke! Jetzt müssen wir den heimischen Musikmarkt mit attraktiven Veröffentlichungen und dem richtigen Mix aus den Vertriebswegen physisch, Downloads und Streaming weiter auf Wachstumskurs halten.“

Plus 10% mit der guten, alten Vinyl-Schallplatte
Der seit Jahren zu beobachtende Aufwärtstrend beim Verkauf von Vinyl-Schallplatten hält ungebrochen an: Der Umsatz mit dem Kultprodukt Vinyl ist 2017 um 10% auf 7,8 Mio. € gestiegen. Rund 345.000 Schallplatten sind 2017 über die Ladentische gegangen – ein Wert, der zuletzt im Jahr 1991 (!) erzielt wurde. Vinyl-Fans schätzen das besondere Hörerlebnis, die Haptik des großen Formats und insgesamt die Anmutung eines qualitativ hochwertigen Produkts als Ergänzung zu den digitalen Angeboten. Somit ist auch die gute, alte Vinyl-Schallplatte mitverantwortlich dafür, dass der Musikmarkt insgesamt wieder gewachsen ist.

CD beliebtestes Musikformat
CDs haben trotz reduzierter Flächen im Handel weiterhin ein treues Käufersegment aus sehr unterschiedlichen Musik-Genres. So bevorzugen etwa Schlager- und Volksmusik- Fans physische Tonträger. Auch Fans von etablierten Pop/Rock-Bands und Klassik-Liebhaber greifen gern auf physische Produkte zurück. Mit 52,5 Mio. € (-12,8%) und einem Marktanteil von 47% ist die CD nach wie vor der größte Umsatzbringer. Weitere 4,8 Mio. € wurden im vergangenen Jahr mit Musik-DVDs umgesetzt. Mit physischen Tonträgern wurde im Vorjahr ein Umsatz von insgesamt 64,8 Mio. € erzielt (-11,6%). Gemessen am Pro-Kopf-Umsatz, liegt Österreich bei physischen Produkten weltweit sogar unter den Top Fünf, gemeinsam mit Deutschland, Frankreich, Japan und UK.


Sechs österreichische Alben in den Top 10 der Jahres-Verkaufscharts
Die Erfolgswelle österreichischer Musik hält an: Mit dem „Falco 60“-Album, dem Debüt-Album von Pizzera & Jaus „Unerhört Solide“, Wandas drittem Streich „Niente“, dem zweiten Seiler und Speer-Album „Und Weida?“, dem Neujahrskonzert und last but not least dem Nockalm Quintett mit „In der Nacht“ schafften es sechs österreichische Produktionen unter die Top Ten der Album-Verkaufscharts.

Top Ten-Album-Verkaufscharts 2017 (Titel/Interpret)
1. Helene Fischer (Helene Fischer)
2. Ed Sheeran
3. Falco 60 (Falco)
4. Unerhört Solide (Pizzera & Jaus)
5. Niente (Wanda)
6. Und Weida? (Seiler und Speer)
7. Neujahrskonzert 2017 (Gustavo Dudamel/Wiener Philharmoniker)
8. We Got Love (The Kelly Family)
9. In der Nacht (Nockalm Quintett)
10. Jetzt geht´s richtig los (Klubbb3)

Top Ten-Single-Verkaufscharts 2017 (Titel/Interpret)
1. Despacito Luis Fonsi feat. Daddy Yankee
2. Shape Of You (Ed Sheeran)
3. Thunder (Imagine Dragons)
4. Something Just Like This (The Chainsmokers & Coldplay)
5. More Than You Know (Axwell Λ Ingresso)
6. Tuesday Burak Yeter feat. D. Sandoval
7. Ok Robin Schulz feat. James Blunt
8. Believer (Imagine Dragons)
9. Galway Girl (Ed Sheeran)
10. It Ain´t Me (Kygo & Selena Gomez)

Österreichische Alben, die mindestens eine Woche an der Spitze der Verkaufscharts standen
Nr.1-Alben aus Österreich 2017
Anthrazit (Raf Camora)
Cara Mia (Andy Borg)
Das neue Festament (Turbobier)
Der Ruf meines Herzens (Oliver Haidt)
Des olls is Hoamat (Seer)
Ein Teil von mir (Semino Rossi)
Falco 60 (Falco)
In der Nacht (Nockalm Quintett)
Kiddy Contest Vol. 23 (Kiddy Contest Kids)
MTV Unplugged (Andreas Gabalier)
Neujahrskonzert 2017 Gustavo Dudamel/Wiener Philharmoniker
Niente (Wanda)
Ohne Wenn und Aber (Nik P.)
The Burning Spider (Parov Stelar)
Und Weida? (Seiler und Speer)
Unerhört Solide (Pizzera & Jaus)
Zukunftsmusik (Dame)

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL

Ihr Kommentar zum Thema